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Außer Kontrolle

Der Film "Die Welle"


Rainer Wenger (Juergen Vogel) behandelt anfangs nur widerwillig das Thema "Autokratie"
in der Projektwoche © 2007 Constantin Film, München

Der Film "DIE WELLE" von Dennis Gansel kommt im März in die Kinos. Während einer Projektwoche zum Thema "Staatsformen" startet ein Lehrer im Heute an einer deutschen Schule ein Experiment. Was zunächst nur als Idee und Gedankengebilde formuliert, später mit Disziplin, Gemeinschaft und Gruppenzwang in die Tat umgesetzt wird, entwickelt sich binnen weniger Tage zu einer richtigen Bewegung. Fast zu spät beschließt der Lehrer das Experiment abzubrechen. DIE WELLE ist schon außer Kontrolle geraten...

Von Dietmar Wolfgang Pritzlaff • 28.01.2008


Peter Thorwarth (Drehbuch), Ron Jones (Lehrer des Experiments von 1967 an der Cubberley High School in Palo Alto) und Dennis Gansel (Regie und Drehbuch) © 2008 Constantin Film

Dennis Gansel, Regisseur von NAPOLA, über die Eliteschulen im Dritten Reich, legt mit seinem neuesten Werk DIE WELLE einen Film vor, der sich wieder mit dem Nationalsozialismus beschäftigt. Dieses Mal im Hier und Jetzt. Es gelingt dem Regisseur einen beklemmenden Film zu der Frage zu schaffen: Ist eine Diktatur im heutigen Deutschland möglich?

Das Thema des Films beruht auf einer wahren Begebenheit. Er basiert auf der Kurzgeschichte von William Ron Jones, der 1967 selbst dieses Experiment durchführte und auch an den deutschen Filmarbeiten involviert war. Nach dessen Kurzgeschichte verfasste Todd Strasser einen Roman, der wiederum als Vorlage für Johnny Dawkins & Ron Birnbachs Drehbuch diente, welches bereits 1981 in den USA mit Bruce Davison in der Hauptrolle für das Fernsehen verfilmt wurde. Auch dieses Drehbuch wurde in Abänderung durch Peter Thorwarth und Dennis Gansel Grundlage für Gansels Film.

Im Herbst 1967 führte der Geschichtslehrer Ron Jones an der Cubberley High School im kalifornischen Palo Alto ein Experiment in seiner Klasse durch. Die Schüler wurden zu diszipliniertem Verhalten angehalten, Einschränkungen unterworfen und zu einer Gemeinschaft formiert. Der Name der Bewegung: The Third Wave. Zum Erstaunen des Lehrers reagierten die Schüler mit Begeisterung auf den vom ihm geforderten Autoritätsgehorsam. Das Experiment, das ursprünglich nur einen Tag andauern sollte, griff auf die ganze Schule über, Andersdenkende wurden ausgegrenzt, die Mitglieder bespitzelten sich gegenseitig und Schüler, die sich weigerten Mitglied zu werden, wurden zusammengeschlagen. Am fünften Tag musste Ron Jones das Experiment abbrechen.


Regisseur Dennis Gansel © 2007 Constantin Film

In DIE WELLE erlebt der Zuschauer Schritt für Schritt die Verwandlung des Lehrers und der Schüler in eine uniforme Masse. Absolut glaubwürdig werden die kleinen Reibereien zwischen den Schülern und der Notenstress vorgeführt. Gruppendynamik kann hier unglaublich realistisch nachvollzogen werden. Die verschiedenen Lebensumstände der Schüler prägen ihre Charakter. Die Lebensbasen einiger Schüler werden zwar nur kurz angerissen, aber gerade das schafft Platz für eigene Vorstellungen und gibt dem Film die große Spannung. Die Taten der Schüler sind Ausdruck ihrer Prägung. Hier und da werden klischeehaft die Elternhäuser der Schüler gezeigt. Diese verstärken aber nur die nachvollziehbare Realität in diesem Film.

Mit nur 38 Drehtagen kam die Filmcrew aus. Gedreht wurde in Berlin, Brandenburg und Umgebung. Die Schauspieler, fast alle junge unverbrauchte Neutalente spielen eindringlich und hart an der Realität. Fast meint man mit den Schülern in der Klasse zu sitzen.
Große Namen gibt es aber auch: Jürgen Vogel (u.a. in Keinohrhasen, Wo ist Fred?, Kleine Haie) und Christiane Paul (u.a. in Ein verlockendes Angebot, Neues vom Wixxer, Echte Männer?). Als Lehrerehepaar, ziehen sie den Zuschauer in ihren Bann. Ohne diese beiden wäre der Film so intensiv kaum denkbar. Ein echter Kunstgriff.

Die Filmmusik der Berliner Rockerband EMPTY TRASH sorgt für hippe Beats und Zeitgeistgefühl.

Dieser Film sollte zum Pflichtprogramm jeder Schule gehören - das gleichnamige Buch von Morton Rhues (so das Pseudonym von Todd Strasser) ist es seit vielen Jahren. Das Theaterstück ist seit langer Zeit ein Klassiker der pädagogischen Arbeitsinstrumente und sorgt für lebhafte Unterrichtsdiskussionen an deutschen Schulen.

Wichtig, beeindruckend, bis zur letzten Minute super spannend und besonders wertvoll.

Der Film kommt am 13.03.2008 in unsere Kinos

Links zum Film:

Homepage von Todd Strasser


Homepage von Ron Jones


Homepage von Peter Thorwarth


Homepage von Dennis Gansel


Filmhomepage "Die Welle"


Homepage des Films "Die Welle" in der International Movie Database

Der Film hatte im Januar beim diesjährigen Sundance Film Festival seine Weltpremiere


eingestellt am: 06.02.2008