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"So viele Jahre... – Leiden und Hoffnungen"

"So viele Jahre liebe ich Dich" kommt ins Kino


Filmplakat ©Alamode Film

Ein gar nicht Wort lastiger französicher Film, dafür einer mit feinen Gesten gespickter Film kommt am 13. November 2008 in die deutschen Kinos: Philippe Claudels SO VIELE JAHRE LIEBE ICH DICH (Originaltitel: IL y a longtemps que je t'aime). Ein Film voller Trauer und Poesie, mit verloren geglaubten Gefühlen und neu entdeckten Hoffnungen, ein richtiger Herbstfilm in graubraunen Farbtönen untermalt mit melancholischer Musik. Ein Film der von der ersten bis zur letzten Minute nicht loslässt. Seine Bilder werden dem Zuschauer unvergessen bleiben und die ungeheuren Schicksale der Figuren erst recht.
Wenn es d e n "Weihnachtsfilm" gibt, dann ist SO VIELE JAHRE LIEBE ICH DICH d e r "Allerheiligen-Film". Die Last der tragischen Geschichten, auch wenn sie noch so leicht erzählt werden, wiegt schwer und Tränen dürfen reichlich vergossen werden. Ein Film der Besinnung, der erschüttert und gleichzeitig Hoffnungen schürft.

Von Dietmar Wolfgang Pritzlaff

SO VIELE JAHRE LIEBE ICH DICH erzählt von zwei Schwestern, die vor 15 Jahren getrennt wurden. Die ältere Schwester Juliette wird des Mordes angeklagt und inhaftiert. Nach langer Zeit wird sie entlassen und hoffnungsvoll von der jüngeren Schwester aufgenommen. Eine gegenseitige Wiedergutmachung und ein Rettungsanker. Nie hat die Ältere über ihre Tat gesprochen. Die Jüngere, Léa, damals gerade 8 Jahre alt, wurde von ihren Eltern, die nicht verstehen konnten und keine Antworten von Juliette bekamen, gezwungen, ihre Schwester zu vergessen. Eine Hirnwäsche, so erklärt Léa im Film. Juliette vegetierte 15 Jahre im Gefängnis ohne einen Besuch zu erhalten. Juliette wurde in der Familie für tot erklärt und Léa trauerte all die Jahre der Schwester nach.

Der Film ist gespickt mit schweren Schicksalen. Der Vater der beiden Schwestern kam bei einem Autounfall ums Leben, die Mutter lebt seit dem gestört in einem Heim und erkennt ihre eigene Tochter nicht mehr. Ein Polizist, bei dem Juilette sich melden muss, lebt von seiner Familie getrennt und träumt vom Orinoco. Léas Schwiegervater ist nach einem Schlaganfall für immer stumm geblieben. Warum wurde Juilette straffällig? Warum adoptierte Léa zwei vietnamesische Kinder und wollte keine eigenen?

All diese kleinen und großen Schicksale machen den Film so intensiv. Ein Film über die Gefangenschaft jedes einzelnen in seinem Körper, in seiner Geschichte, seinen Lügen und Geheimnissen. Der Höhepunkt des Films ist die schonungslose Wahrheit der Tat der Juilette, die Frage nach Schuld und Sühne und warum ein Mensch nicht einfach aus seiner Haut kann, wenn er schon alles längst aufgegeben hat.

 


Szenenbild ©Alamode Film


Der erfolgreiche Romanautor Philippe Claudel, der mit seinen Romanen DAS GERÄUSCH DER SCHLÜSSELBUNDE und DIE GRAUEN SEELEN auch bei uns in Deutschland Erfolge feierte, schrieb nicht nur das Drehbuch zu diesem außergewöhnlichen Film, sondern zeichnet auch für die Regie verantwortlich. Dieser Film lief im Wettbewerb der diesjährigen 58. Berlinale und gewann den Preis der Ökumenischen Jury sowie den Leserpreis der Berliner Morgenpost.
Mit der Wahl der Hauptdarstellerinnen tat Philippe Claudel einen Glücksgriff. In der Rolle der Juilette brilliert die in Cornwell geborene Schauspielerin Kristin Scott Thomas, die schon in Polanskis BITTER MOON oder GOSFORD PARK ihre herausragenden Fähigkeiten unter Beweis stellen konnte. Sie schafft es spielend mit nur wenigen Gesten eine ganze Gefühlswelt auszudrücken.
In der Rolle der jüngeren Schwester Léa kann man Elsa Zylberstein bewundern. Sie spielte unter anderem in Maurice Pialats Film VAN GOGH von 1991. Die Léa gibt sie als verständnisvoll starke, gleichzeitig aber auch verletzliche Person, die in ihrem Leben gefangen ist.

Überhaupt sind alle Rollen perfekt besetzt und werden glänzend gespielt. Untermalt wird der Film von Balladen und melancholischen Chansons. Diese geben dem ruhigen, aber intensiven Ausdruck der Darsteller den zerbrechlichen Untergrund für das Spiel der starken Gefühle.
Nie ist ein Charakter eindimensional dargestellt sondern vielfältig sich ausdrückend. Keine Figur drängt sich in den Vordergrund, alle sind wichtig, auch und gerade die kleinsten. Eine "kleine" Perle in diesem Film ist die älteste Tochter von Léa, gespielt von Lise Ségur. Natürlich und aufgeweckt, glaubhaft und unheimlich zauberhaft, wie die Kleine die Welt der Großen verstehen möchte und ihre Fragen stellt.

Dieser Film ist kein heiterer Film mit Tiefgang, sondern ein trauriger, schwerer Brocken mit heiteren Tönen. Dieser Film kann sich an den großen Meisterwerken messen. So erinnern die Bilder ein wenig an die DREI FARBEN-Trilogie von Krzysztof Kieslowski aus dem Jahre 1993 und in seiner tragischen Schwere an DAS ZIMMER MEINES SOHNES von Nanni Moretti aus dem Jahre 2001.
Nicht verpassen, mitfühlen und Taschentücher nicht vergessen.

Der Film SO VIELE JAHRE LIEBE ICH DICH läuft am Donnerstag, den 13.11.2008 in Deutschland an.

Weitere Infos gibt es auf den Seiten des Verleihers:
http://www.alamodefilm.de

 


eingestellt am: 01.10.2008