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Stille Hochzeit

ZUM TEUFEL MIT STALIN

"ZUM TEUFEL MIT STALIN" -so lautet der Untertitel des rumänischen Films STILLE HOCHZEIT der im November auch auf den Leinwänden in Deutschland flimmern wird. Ein faszinierendes Erstlingswerk von Regisseur Horatiu Malaele, einer der bekanntesten Schauspieler und Theaterregisseure Rumäniens.

Von Dietmar Wolfgang Pritzlaff

Bisher spielten Filme aus Rumänien kaum eine größere Rolle im internationalen Filmgeschäft. Seit aber der Film 4 MONATE, 3 WOCHEN UND 2 TAGE von Christian Mungiu 2007 bei den Filmfestspielen von Cannes die bisher einzige goldene Palme für einen Film aus Rumänien zugesprochen bekam, später noch den Europäischen Filmpreis abräumte und dieser Film Zuschauer in der ganzen Welt fand, nahm die Filmbranche auch endlich Notiz von den Filmen aus Rumänien, und das nicht nur auf Filmfestivals.

Im November kommt der nächste grandiose Film STILLE HOCHZEIT – ZUM TEUFEL MIT STALIN in die deutschen Kinos. Ein Film, der durch die Auswahl der Filmcharaktere in die Nähe der Federico-Fellini-Filme rückt und auch ein bisschen an die Filme von Emir Kusturica erinnert, wenn sich das Fantastische mit dem Realismus vermischt.

In einer Rückblende erzählt der Regisseur Horatiu Malaele von einer wahren Begegenheit:

Ein rumänisches Dorf im Jahr 1953. Endlich heiraten Mara (Meda Andreea Victor) und Iancu (Alexandru Potocean). Das Hochzeitsmahl ist vorbereitet, es wurde frisch geschlachtet, gegrillt, gebraten und gebacken, die Gäste sind zahlreich aus Nah und Fern erschienen, da überrascht die Nachricht vom Tode Stalins das kleine Dorf. Ein Hauptmann der russischen Armee befiehlt für die nächsten 7 Tage Staatstrauer. Jegliche Festlichkeiten werden strengstens untersagt. Keine Fußballspiele, keine Geburtstagsfeiern und auf gar keinen Fall Hochzeiten. Ausnahmen sind nicht möglich. Zuwiderhandlungen werden hart bestraft.

Der Schock sitzt tief bei der Hochzeitsgesellschaft. Aber dann verlassen alle den kleinen Bauernhof und kommen erst im Anbruch der Nacht in einer Scheune wieder zusammen. Alle Gäste fassen mit an, um doch noch ein bisschen Hochzeit zu feiern. Die nachfolgende Szene wird in die Filmgeschichte eingehen und besitzt den verschmitzten Charme eines harmlosen Streiches:
Die Fenster sind verdunkelt. Alle flüstern. Die Gläser werden umhüllt mit Leinenstoffen, damit die Gläser beim Zuprosten nicht klingen. Das "laute" Besteck wird eingesammelt und alle essen mit den Fingern. Keiner spricht, nur Gesten und Flüstern sind erlaubt. Es gibt sogar eine Kapelle, die aber nur so tut als ob sie spielt. Hauptsache die Gäste sitzen zusammen an einem Tisch und "genießen die schöne Hochzeit".

Als der Bräutigam mit der Braut tanzt, bricht sie plötzlich den Tanz ab und fängt an zu weinen. Irgendwann ist Schluss mit dieser Komödie und der Vater der Braut haut auf den Tisch. Alle klatschen und jubeln und singen und die Kapelle spielt laut, alle Sorgen fallen ab, man feiert richtig. Doch dann geschieht das Unfassbare...

Mehr soll hier nicht verraten werden, nur so viel: Nichts wird mehr in dem kleinen verschlafenen Dorf so sein wie vorher. Der Zuschauer traut sich selbst nicht zu rühren oder ein Geräusch zu machen, bei dieser Hochzeitsszene. Die verschwiegene Hochzeit ist der Höhepunkt in dem grandiosen Film, der erst leicht und unbeschwert daherkommt, von komischen Alltagssituationen der Dorfbewohner erzählt und dann zu einer bedrückenden Gesellschaftsstudie mutiert, die man so nicht erwartet hätte.

Keine kleine Komödie, eher eine große Tragödie mit Bildern zum Schmunzeln. Mit tollen Schauspielern, spannenden Gesichtern und kleinen Überraschungsgesten bis zum Ende.

Wie schön, dass es noch Filmverleiher gibt, die solche "Edelsteine" in die Kinos bringen. Ein Debütfilm, der seines Gleichen sucht. Unbedingt sehenswert!

Der Film STILLE HOCHZEIT – ZUM TEUFEL MIT STALIN startet am 26. November 2009 in den deutschen Kinos.

 

Weitere Infos gibt es auf den offiziellen Seiten des Films:

http://www.stillehochzeit-film.de/

 

oder auf den Seiten des Verleihers:

http://www.tiberiusfilm.de