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Nothing Personal – Nichts Persönliches

Nothing Personal – Nichts Persönliches, so die Übersetzung des Titels eines irisch/niederländischen Filmes von der polnischen Regisseurin Urszula Antoniak der am 08.04.2010 in die deutschen Kinos kommt. Dieser Film ist ein absolut erstaunlicher Debüt-Kinofilm der Regisseurin nach nur wenigen Fernsehproduktionen, die aber auch schon für viel Aufmerksamkeit sorgten, z. B. NIEDERLÄNDISCH FÜR ANFÄNGER.

Von Dietmar Wolfgang Pritzlaff

Der Inhalt der Geschichte ist schnell erzählt: Eine junge Holländerin, Anne, gespielt von der talentierten Neuentdeckung Lotte Verbeek, bricht aus der Gesellschaft aus und findet in Irland ihre gesuchte Einsamkeit. Sie trifft einen älteren Herrn, gespielt von Stephen Rea (THE CRYING GAME), der ihr Essen für Gartenarbeit gibt. Sie vereinbaren, sich nichts Persönliches (NOTHING PERSONAL) zu fragen oder vom anderen zu erwarten. Bricht einer mit dieser Abmachung, muss er oder sie ein Lied "zur Strafe" singen und nach diesem Vertragsabschluss wird so manches Mal im Film gesungen werden.

So leicht wie sich diese Inhaltsbeschreibung auch liest, so schwer wiegt doch die Geschichte in diesem Film. In trüben, dunklen Herbstfarben vor grandiosen Landschaftsaufnahmen schreitet eine Story voran, die eigentlich nach ihren Kapiteln der Titel zu urteilen, rückwärts erzählt wird und sind doch schlüssige Momentaufnahmen aus dem Leben zweier Menschen, die sich aus dem Zufall heraus begegnen und "ein Stück ihres Lebens" gemeinsam gehen. Die Kapitel lauten: 1) Einsamkeit 2) Das Ende einer Beziehung 3) Heirat 4) Der Beginn einer Beziehung und 5) Allein.

Die in die Einsamkeit fast fliehende junge Frau erinnert in ihrer Sturheit und Trotzigkeit der Streunerin aus Agnes Vardas Film VOGELFREI aus dem Jahre 1985. Sandrine Bonnaires spielte die streunende Frau damals.

Dass die Figur der Anne an die Streunerin aus VOGELFREI erinnert, ist von der Regisseurin Urszula Antoniak gewollt. Hat sie doch der Schauspielerin Lotte Verbeek für ihre erste Filmrolle in NOTHING PERSONAL zur Vorbereitung auf die Rolle der Anne erst Mal den Film VOGELFREI gezeigt.

Und gleich diese erste Filmrolle brachte Lotte Verbeek den EUROPEAN SHOOTING STAR des Jahres 2010 ein. Überhaupt wurde dieser Film schon mit zahlreichen Preisen geehrt. So beim 62. Film Festival Locarno 2009 in der Schweiz: Best Actress, Best First Feature, First Prize of the Youth Jury, Fipresci Prize, Cicae Award und Special Mention Ecumenical Jury. Beim niederländischen Film Festival 2009 in Utrecht: Best Film, Best Director, Best Sound Design, Best Photography. Beim Europäischen Film Festival 2009 in Sevilla: Silver Giraldillo Award. Beim 9. Marrakesch International Film Festival 2009 in Marokko: Best Female Performance. Und schließich eben bei den 60. Internationalen Filmfestspielen in Berlin 2010: European Shootingstar: Lotte Verbeek.

Dieser Film beeindruckt, öffnet Horizonte und nimmt den Zuschauer mit auf eine Reise der Ruhe, Stille und Besinnung. Die Regisseurin lässt Einsamkeit und Alleinsein in ihrer Bilderwahl spüren und verlässt sich ganz auf die beiden Hauptdarsteller, die in einem Kammerspiel mitten in der wilden Natur Irlands aufeinander prallen und abstoßen, sich begegnen und halten, sich einen Moment der Zärtlichkeit gönnen und sich doch trennen müssen.

Ein Herbstfilm mit wenig Wärme und nur wenig Zuneigung. Kleine Gesten werden zu großen Gefühlen, aber diese werden wieder im Keim erstickt. Diesen Film umgibt eine Kälte, die nicht nur aus den Bildern entsteht, noch von der Trotzigkeit und Sturheit der Protagonisten ausgeht. Die Personen bleiben unberührbar, bleiben uns fremd, wollen uns nichts preisgeben. Und der Zuschauer kann sich diese Figuren aus der Ferne anschauen und kommt ihnen nicht nah. Der Film sieht aus wie ein "Totensonntagfilm" und drückt doch nicht auf die Knöpfe, um Tränen fließen zu lassen oder ausgelassene Freude zu zeigen. Der Film endet mit Traurigkeit und Hoffnung gleichermaßen. Der Zuschauer kann nur Staunen und – das ist das Besondere an diesem Film – die Bilder bleiben im Kopf. Obwohl sich der Zuschauer den Figuren nicht nähern konnte, wirkt der Film auf eine Art und Weise nach, als ob man genau Bescheid wüsste über die Befindlichkeiten der Einsamen in diesem Werk. Keine leichte Kost, aber ein cineastisches Wunder.

Besetzung:
Martin: Stephen Rea
Anne: Lotte Verbeek

Stab:
Regie: Urszula Antoniak
Drehbuch: Urszula Antoniak
Kamera: Daniel Bouquet
Schnitt: Nathalie Alonso Casale
Musik: Ethan Rose
Ton: Victor Horstink
Sound Design: Jan Schermer
Kostüme: Bho Roosterman-Vroegen
Maske: Marly van de Wardt

Der Film läuft am 08. April 2010 in unseren Kinos an.

Weitere Infos gibt es auf den offiziellen Seiten des Films:
http://www.nothingpersonalthemovie.com

oder unter:
http://www.mfa-film.de