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EWIGE JUGEND, EWIGE SCHÖNHEIT

Der Film: "Das Bildnis des Dorian Gray"

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Filmplakat ©2009 Concorde Filmverleih GmbH


Ewige Jugend und ewige Schönheit wünscht sich Dorian Gray vor dem Anblick seines eigenen in Öl gemalten Bildnisses. Auf die Frage: "Bist Du bereit alles für diese Attribute zu geben?" antwortet der jungenhafte Dorian Gray ein kurzes knappes "JA" in der Neuverfilmung von Oscar Wildes DAS BILDNIS DES DORIAN GRAY, die am 15. April 2010 in die deutschen Kinos kommt.

Von Dietmar Wolfgang Pritzlaff

Ein faustischer Stoff der uns da mal wieder in neuem Gewand ins Kino locken soll: Dorian Gray "verkauft seine Seele" um ewige Jugend zu erlangen. Einfach so dahin gesagt beginnen die Worte nach und nach Gestalt anzunehmen. Allerdings haben solche Seelenverkäufe ihren Preis. DAS BILDNIS DES DORIAN GRAY beginnt statt seiner selbst zu altern, zu zerfallen und von Maden zerfressen zu werden. Es ist ja nur ein Ölgemälde, welches die Spuren von Zerfall und Ausschweifungen in sexueller wie drogentechnischer Natur aufweist. So kann der genusssüchtige Dorian Gray leben ohne Altersbeschwerden, ohne alternde Furchen und Falten.

Brauchen wir noch ein Remake des Remake des... dies nun ist ein fast gelungenes Beispiel für eine zeitgemäße Aufarbeitung alter Stories.

Das Jahr 2010 wird voll von Neuverfilmungen alter und ältester Stoffe werden. Zum Beispiel ALICE IM WUNDERLAND, KAMPF DER TITANEN und jetzt eine Weltliteraturverfilmung von Ocar Wildes einzigem Roman DAS BILDNIS DES DORIAN GRAY. Oliver Parker (OTHELLO, ERNST SEIN IST ALLES) verfilmte den Stoff und schon in der ersten Szene ahnt man, in welchem Genre der Regisseur einst begonnen hat. Er spielte eine Rolle im ersten HELLRAISER-Film von Clive Barker, dem Meister des Horrorfilms. Allerdings fehlt es dem neuen Film von Oliver Parker genau an diesen Horrorrmomenten.

Wo andere Literaturverfilmungen eher Blutverzicht übten und nur auf dezente Spannungselemente reduzierten, zeigt Oliver Parker in seiner Verfilmung einige Suspens- und Horrorelemente, doch nur plakativ vorgeführt und nicht durchgehalten bis zum Schluss. Da altert nicht nur das Bild, sondern bewegt sich auch noch. Dank sei der heutigen Technik. Irgendwie muss man dem ausufernden "lahmen" alten Stoff ja beikommen, um ihn wieder kinotauglich zu machen. Sonst lockt man auch mit diesem Stoff keine Leute mehr hinterm Ofen hervor.

Der Roman bleibt sonst nur ein Kostüm- und Ausstattungsfilm, allerdings weniger interessant als GEFÄHRLICHE LIEBSCHAFTEN von Stephen Frears und nur halb so romantisch wie SINN UND SINNLICHKEIT von Ang Lee.

Also muss die Spannung gepuscht werden, um jeden Preis. Rücken andere Verfilmungen der Dorian Gray-Geschichte ständig die Veränderungen des Bildes in den Mittelpunkt, wird hier das Bild ein paar Mal enthüllt und doch dem Zuschauer vorenthalten bis zum Schluss. Das ist ein guter Schachzug und steigert die Spannung. Eine sehr zurückhaltende Musik unterstützt diese Stimmung sehr gekonnt. Ansonsten sind diese der Spannung-auf-die-Sprünge-helfenden Momente nur sehr selten zu finden. Es darf zwar mal in Blut geschwelgt werden, aber nur kurz.

Ben Barnes, der Prinz von Narnia aus dem Film DIE CHRONIKEN VON NARNIA, spielt die Verwandlung des Dorian Gray vom unschuldigen Landei zum verführten Dandy der Großstadt nachvollziehbar und voller Aristokratie, aber irgendwie leer. Man folgt diesem jungen Mann auf seinem Weg durch die Betten der Damenwelt und er bleibt doch nur da oben auf der Leinwand und wird nie zu einer Identifikationsfigur. Auch der verruchte Versuch eines homophilen Kusses gibt der Geschichte keine Würze. In Oscar Wildes Roman kommt keine solche Szene vor. Vielleicht wollte der Regisseur auch nur auf den Umstand aufmerksam machen, dass Oscar Wilde schwul und der Roman schon mal Gegendstand des Unzucht-Prozesses gegen Wilde war.

Lange war Helmut Berger in der Verfilmung des Stoffes von 1970 durch Massimo Dallamano der Dandy schlechthin.

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Das vollkommene Bildnis - Dorian Gray (Ben Barnes) und sein Portrait
© 2009 Concorde Filmverleih GmbH


In der neuen Version gibt es einen mysteriösen zwielichtigen und dadurch gefährlichen Dandy Dorian Gray, der aber doch nicht bezaubern kann und völlig leer wirkt.

Der Verführer Lord Henry Wotton dagegen, ein eiskalter Mephisto brillant gespielt von COLIN FIRTH (VALMONT, SHAKESPEARE IN LOVE und MAMMA MIA), ein absoluter Bewunderer von Dorians Schönheit, bringt den schüchternen jungen Mann, der neu nach London gekommen ist, zu Huren, Alkohol und Drogen.

Das viktorianische London in trüben grauen Farben ist beeindruckend und man hat nie das Gefühl von Kulisse und Fassaden.

Die Damen sind, wie könnte es in dieser viktorianischen Zeit anders sein, eher Beigaben zum schönen Schein. Die Damen hatten damals noch kein Wahlrecht und wurden auch sonst lieber nur als kuschende Hausweibchen gehalten, die man je nach Lust und Laune vorführen konnte.

DAS BILDNIS DES DORIAN GRAY ist kein hastiger Film, kein Actionfilm, aber eine Kostümorgie in trüben, manchmal unheimlichen Farben. Eher ein langsamer behutsamer Film, der aber mehr sein will, als er ist. Also brauchen wir ein weiteres Remake des Remake des Remake....?

Der Film DAS BILDNIS DES DORIAN GRAY kommt am 15.04.2010 in die Kinos. Dann kann sich der Zuschauer selbst ein Bildnis machen.

BESETZUNG:

Dorian Gray: BEN BARNES
Lord Henry Wotton: COLIN FIRTH
Basil Hallward: BEN CHAPLIN
Emily Wotton: REBECCA HALL
Agatha: FIONA SHAW
Lady Victoria Wotton: EMILIA FOX
Sybil Vane: RACHEL HURD-WOOD
Alan Campbell: DOUGLAS HENSHALL
Lady Radley: CAROLINE GOODALL
Gladys: MARYAM D'ABO
und viele andere

STAB

Regie Oliver Parker
Drehbuch Toby Finlay
Kamera Roger Pratt
Produktionsdesign John Beard
Schnitt Guy Bensley
Kostüme Ruth Myers
Make-up- & Haar Design Jeremy Woodhead
Musik Charlie Mole
Produktion Barnaby Thompson

Infos und Trailer auf der Film-Homepage:
http://www.doriangray-derfilm.de/

Weitere Infos gibt es auf den Seiten des Verleihers:
http://www.concorde-film.de

 


eingestellt am: 09.03.2010