Online-Redaktion Read-me-Net


Großer Titel – kleines Filmchen:
JAMES CAMERONS SANCTUM

James Cameron einer der erfolgreichsten Regisseure der Welt produzierte ein groß angekündigtes Höhlen-Unterwasser-Abenteuer. Der Film JAMES CAMERONS  SANCTUM ist leider nur ein kläglicher Versuch den eigenen 3D-Hype nochmals auszukosten, den der Regisseur mit seinen eigenen Dokumentarfilmen begann und es mit seinem Film AVATAR – AUFBRUCH NACH PANDORA in 3D auf die höchsten Einspielergebnisse aller Zeiten brachte.

Von Dietmar Wolfgang Pritzlaff

Der Film AVATAR von James Cameron ist einer der kommerziell erfolgreichsten Filme überhaupt. Dieses Schicksal wird dem Film SANCTUM nicht zu teil werden. Zu stereotyp sind die Figuren. Zu einfach und banal sind die coolen Redeschwinger gezeichnet. Große Reden schwingen sie alle in SANCTUM und die Spannung verpufft bei so viel Bla-Bla. Vor allem nerven die Machosprüche, Wichtigtuereien und gequält ausgequetschten Witzeleien unter der Gürtellinie.

Die einfache Story: Begeisterte Höhlenforscher hüpfen mal eben nach Papua-Neuguinea in eine riesige unerforschte Höhlenlandschaft. Das Wetter schlägt in Sturm um und bringt Sturzbäche von Wassermassen in die Höhlen. Die Forschergruppe wird verschüttet und sucht einen Ausgang durch unterirdische Kanäle. Im 10-kleine-Negerlein-Prinzip gehen die Forscher einer nach dem anderen vor die Hunde, oder besser baden. Papa und Sohn der Gruppe finden jedoch durch extreme Situationen beim Ausgang-Suchen wieder zueinander. Wie drollig.

Nein, auch die ich-geb-dir-meine-Luft-Unterwasser-Szene ist nicht neu und schon besser erzählt worden. James Cameron lässt hier seinen eigenen Film zitieren: Der Film ABYSS – ABGRUND DES TODES aus dem Jahr 1989, den er selbst geschrieben und inszeniert hat. Ja, 1989 war das noch großes Kino. Heute verpufft solch eine Szene im 3D-Rausch.

Einige 3D-Effekte sind wirklich großartig. Aber das hält nicht über den gesamten Film. Vor allem in den Bewegungen erkennt man immer wieder Unschärfe der 3D-Effekte. Man kann nur hoffen, dass an solchen technischen Details noch gearbeitet wird, denn ein reines Vergnügen ist die noch immer nicht ausgereifte 3D-Technik wahrlich nicht, auch wenn sie noch so hochgejubelt wird. Vor allem ist sie es nicht im Zeitalter der „Hand-Wackel-Kamera“. Manche Filme täten gut daran in 2D gezeigt zu werden.

Die Schauspieler geben ihr Bestes und manche haben die gefährlichen Stunts selbst gemacht. Alle Achtung. Trotzdem fehlt es an Spannung, obwohl der Tod umgeht in den Höhlen. Es gibt keine Identifikationsfiguren, keine sympathischen Charakere, die mitreißen und um die man Angst hat. Alle Figuren sind so was von cool und überheblich in ihrer Selbstdarstellung, dass man sich freut, wenn es noch dicker im Film kommt und hoffentlich alle und alles in den Wassermassen untergeht.

Gute klaustrophobische Thriller gibt es in letzter Zeit immer mehr. BURRIED – LEBENDIG BEGRABEN oder der Arm-Abschneide-Film 127 HOURS sind da beste Beispiele. Der Film JAMES CAMERONS SANCTUM gehört nicht dazu.

Zu vorhersehbar ist das Geschehen und es geschehen Dinge die man nicht für möglich hält: Der Forscher Carl reißt aus. Eventuell tot? Nein, er kehrt zurück. Wird verprügelt, bleibt liegen. Nein, er steht doch wieder auf. Taucht ab und ist verschwunden. Nein, er taucht als Leiche wieder auf. Das ist albern und komisch und es will sich einfach keine Spannung halten. So bestimmt nicht.

Dem Film liegen wahre Begebenheiten zu Grunde. Schade, dass man nicht eine ehrliche Doku der verschütteten Höhlenforscher versucht hat. Der Spielfilmcharakter treibt JAMES CAMERONS SANCTUM gänzlich die Filmqualität aus. Und das letzte bisschen Attraktivität der Bilder wird überkleistert von der immerwährenden unheilschwangeren Musiksauce.

Das Wort FUCK wird übrigens in dem Film ständig gebraucht. Stirbt einer aus der Forschergruppe: FUCK! Gelingt ein Bergungsversuch nicht: FUCK! Irgendwie ist alles FUCK in diesem Film.

Der Film bietet keine großen Überraschungen. Das was passieren soll, wird gleich am Anfang erzählt: Das herannahende Unwetter zum Beispiel, welches dann natürlich prompt kommt.

Zum Schluss wird schnell noch der Film TITANIC von James Cameron zitiert, wenn erst der Vater einen Heillosen erlöst, darf dann auch der Sohn den Vater... UPS – jetzt habe ich was Dramatisches verraten, was ich eigentlich niemals mache, aber bei diesem Film ist es egal.

Wo James Cameron draufsteht ist nicht immer Cameron drin. Aber sein Name prangt über dem ganzen Film, als Werbeträger, damit vielleicht doch noch der eine oder andere Erbarmen hat und sich diesen Film anschaut. Selbst schuld, wer es dennoch macht. „Der Leuchtzahn wird es richten!“, ihr werdet es sehen. In diesem Sinne...

Wer sich dieses hohle Höhlen-Spektakel doch anschauen mag: Der Film läuft am 21. April 2011 in den deutschen Kinos an.

DARSTELLER:
Richard Roxbourgh, Rhys Wakefield, Alice Parkinson, Daniel Wyllie, Ioan Gruffudd, Christopher Baker, Allison Cratchley

STAB
Regie                                         Alister Grierson
Produktion                                Andrew Wight, James Cameron, Ben Browning,
                                                    Michael Maher, Peter Rwalinson, Ryan Kavanaugh
Drehbuch                                  John Garvin, Andrew Wight
Kamera                                     Jules O‘Loughlin
Musik                                         David Hirschfelder

Weitere Infos gibt es auf den offiziellen internationalen Seiten des Films:
http://www.sanctummovie.com/


eingestellt am: 24.03.2011