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Foto © Ulli Weiss


Blasmusik, Kunstnebel und rotbraune Erde

Von Dietmar Wolfgang Pritzlaff

Nach zahlreichen Gastspielen im Ausland u.a. Venedig, Montreal, Ottawa, New York, Lyon, Amsterdam, Paris, Palermo, Barcelona, Bologna, Lissabon, Tokyo, Osaka und Kyoto, und nach einer Wiederaufnahme im Jahr 1988 erlebte das Stück dieses Jahr nach 1995 seine zweite Neueinstudierung im Opernhaus Wuppertal.

Fragen, Themen, Stichworte aus den Proben (Auszug):
Etwas, was immer mehr wird und nicht zu stoppen ist / Tanz auf Bananenschale / Übungen für eine Fertigkeit / Sich nicht trösten lassen wollen / Ewas sagen mit vielen Gesten / Mit Küssen jemanden oder etwas erweichen / Etwas Kleines tun mit dem Teil, den Ihr schön an Euch findet / Zeichen für Tod und Angst / Welche Rituale möchtet Ihr weitergeben? / Ein Zeichen hinterlassen / Körperabdruck / Guck mal / Etwas besprechen (eine Krankheit, ein Körperteil) / Was nehmen wir mit auf Reisen und hoffen, es zu benutzen, und benutzen es dann doch nicht? / Die Ruhe vor dem Sturm / Sich anbieten / Catch me, catch me / Heimlich klassisches Ballett trainieren / Hinter allem etwas Furchtbares vermuten / Sich selbst ein bisschen wehtun / Lecker / Es wird alles wieder gut / Töne des Bedauerns / Ihr habt Brot, aber kein Wasser / Brutalität eines Kindes / Eine Form, ein Gedicht aufzusagen / Unbedingt etwas fühlen wollen / Eine Last tragen / Schuldgefühle / Etwas ganz Wichtiges bejahen / Schadenfroh / Einfache Dinge, die zu Waffen werden / Schwärmen / Von etwas Schönem Abschied nehmen / Jemandem mit einer Maske Angst machen / Liebe suchen...

Mit diesen und anderen Fragen, die Pina Bausch ihrem Ensemble in den Proben stellte, entstand das Stück AUF DEM GEBIRGE HAT MAN EIN GESCHREI GEHÖRT.

Der Titel bezieht sich auf eine Bibelzeile aus der Matthäus Passion und wurde von Heinrich Schütz in Musik umgesetzt:
„Auf dem Gebirge hat man ein Geschrei gehört, viel Klagens, Weinens und Heulens, Rachel beweinte ihre Kinder und wollte sich nicht trösten lassen, denn es war aus mit ihnen“. Das Lied „Auf dem Gebirge...“ hört man kurz vor der Pause.

Obwohl das Stück auch komische Elemente beherbergt, ist vordergründig eine unheimliche, ungreifbare Bedrohung die Grundstimmung. Vieles wird angedeutet, aber nicht ausgeführt. Vorsichtigkeit, Ängstlichkeit, etwas Unbestimmtes lenkt das Geschehen. Manchmal bricht etwas durch, bricht etwas auf, aber kommt doch nicht auf den Punkt. Man glaubt zu ahnen, was dort auf der Bühne vor sich geht und tappt doch im Dunkeln. Keine dekorativen Spiele voller Leichtigkeit, sondern eher ein Schlachtfeld der Gefühle, dass sich vor den Zuschauern ausbreitet.

Die Bedrohung wird dann urplötzlich körperlich, Gefühle werden mit Gewalt erzwungen, wenn ein Mann eine Frau im Kreis herumführt, die Frau auf einen stehenden Mann auflaufen lässt und das Paar umfällt. Oder wenn ein Mann und eine Frau von jeweils drei Männern erst über die Bühne gejagt, gezerrt und dann gezwungen werden sich zu küssen.
Ein stehender Mann rollt eine liegende Frau auf einen liegenden Mann. Sie rollt darüber hinweg und der stehende Mann versucht wieder die Frau von der anderen Seite auf den Mann zu rollen.
Ein Mann trägt eine Frau, schleudert ihre Arme und schlägt damit einen Mann. Ein anderer Mann hebt ein Bein einer Frau und „tritt“ damit einen anderen Mann.

Eine Frau schlägt und tritt sich selbst, um dann von zwei Männern in der Luft gehalten zu werden. Sie macht dabei Paddelbewegungen, wie in einem Boot auf Wellen.

Ein Mann zerrt aus einer Gruppe Frauen einzelne Damen heraus und schlägt sie. Gewalt ist überall spürbar und bedrohlich.

Eine Frau malt sich selbst rote Linien auf Arm, Hals und Brust. Ein Mann verbindet sie. Es sieht aus wie blutende Wunden.

 

verbundene Frau
Foto © Ulli Weiss

 

Die Bühne ist bis auf die Brandmauern leer. Den Boden bedeckt eine dicke Schicht Erde. Keine Schritte sind hörbar. Ein unwirkliches Stück Erde, ein ödes Schlachtfeld. Ein Platz den die Tänzer und Tänzerinnen für sich zu erobern versuchen. Aber genau wie die Begegnungen der Tanzenden, bleibt die Bühne ein Niemandsland aus dem sich die Damen und Herren des Ensembles nicht befreien können.

Gemeinsam versucht die Tanzgruppe mit Ruderbewegungen voranzukommen, jedoch bleiben die Bemühungen nur Versuche und gehen ins Leere. Ein Senioren-Blasorchester spielt ein klassisches Werk. Erhaben, feierlich und doch bedrückend zugleich.

Seltsames geschieht in diesem Stück: Da ist ein Tänzer der sich seine Nase mit einem Gummiband plattdrückt, in Badehose posiert und Ballons bis zum Platzen aufbläst.

Ein Gruppentanz in Kunstnebel getaucht, bei dem sich die Tänzer und Tänzerinnen auf dem Rücken liegend durch die Erde vorwärtsschieben.
Der Kunstnebel wird ein betörendes und schluckendes Element in diesem Werk.

Eine Frau zerrt ihr Kleid hin und her. Später malt ihr ein Mann mit roter Farbe Striemen auf den Rücken. Sie sehen aus wie Peitschenhiebe. Zwei Frauen schlagen entgegengesetzt Rad mit einer Hand zusammengehalten. Alle Tänzer und Tänzerinnen rennen an den Wänden entlang, mit gesenkten ängstlichen Blicken bis in den Zuschauerraum.

Eine Frau schiebt ihren Hintern eine Wand hoch, stemmt ihre Arme auf dem Boden ab, hebt die Beine und ruft: „Guck mal“.
Ein Mann sitzt am Klavier, er spielt und singt dazu, aber es zieht irgendwoher und er zieht seine Sachen aus um die Ritzen auszufüllen. Zum Schluss legt er sich selbst vor eine Ritze.

Eine Frau hüpft über Tannenbäume. Eine Frau baut sich ein Bett hinter einem Tannenbaum und fordert jemand Imaginären oder das Publikum(?) auf sich zu ihr zu begeben. Sie ruft: „Hallo! Come on! Na? Na?“

Das Programmheft zur Uraufführung von 1984 zeigt Kinderfotos der Tänzer und Tänzerinnen an Weihnachten. Mal mit Weihnachtsmann und ganzer Familie, mal mit Weihnachtskarpfen und Weihnachtsbaum.

 


Foto © Ulli Weiss

 

Man kennt das heimelige Gefühl zu Weihnachten, wenn die Lichter am Weihnachtsbaum brennen, Geborgenheit ausstrahlend, Fröhlichkeit die Gesichter beherrscht. Behütet im Familienkreis.
Genau dieses Gefühl will in diesem Stück nicht aufkommen. Es bleibt unnahbar und treibt sein Spiel mit diesem Gegensatz. Die Weihnachtsbäume sind stachelig und unbequem. Sie strahlen hier sogar keine Geborgenheit aus. Aber sie sind sehr dekorativ.

Schuld und Sühne, Lieben und loslassen, Spuren hinterlassen und Wunden pflegen.
Ein Mal mehr hat Pina Bausch das Thema Geschlechterkampf variiert. Im Hinblick aber auf die offen ausgetragenen Geschlechterschlachten in ihren Stücken KONTAKTHOF und BANDONEON sind die Kämpfe „brutaler“ geworden. Man geht ohne Rücksicht auf Verluste in den Kampf und zieht sich gescheitert zurück.

Ein über die Jahre verdrehtes Bild entsteht, wenn Dominique Mercy und Lutz Förster, die von Anfang an bei dem Ensemble mitmischen, ein Tanzpaar geben. Noch in der Wiederaufnahme im Jahr 1988 sehen die bewusst kleinen Tanzschritte der beiden noch jungen Tänzern aus als ob sie keine Lust auf große Bewegungen haben. Trotzig machen beide nur kleine Tanzschrittchen, vor und zurück, rückwärts und dann wieder zum Publikum.
In dieser Neuinszenierung heute, 25 Jahre später, wirken die kleinen Tanzschritte der beiden gealterten Herren aus, als ob sie gar keine großen Tanzbewegungen mehr machen können. Gebrechlich, wackelig gespielt und wunderschön anzusehen.

Diese Neuinszenierung mischt die „alten Hasen“ und die „jungen Wilden“ auf wunderbare Weise. Wer hätte schon gedacht, dass auch die 60- und 70jährigen noch im Ensemble tanzen. In den Werken von Pina Bausch, sind sie unentbehrlich, denn um so mehr unterschiedliche, sensible Gefühle entstehen.

Wieder ein Mal ein Tanzabend der nachdenklich stimmt. Stehende Ovation zum Schlussapplaus.

 

 

1 Teil:

In der rotbraunen Erde sind keine Schritte zu hören

Frauen und Männer schleichen mit gesenktem Blick und Angst vor Gefahr im Gesicht an den Wänden entlang und wechseln den Standort, bis in den Zuschauerraum/ die Frauen tragen dunkle Kleider, die Herren dunkle oder schwarze Anzüge/ Mann mit Badekappe, Badehose, Sonnenbrille und rosa Gummihandschuhe bläst Ballons bis zum platzen auf/ Nazareth bringt Stuhl und sitzt 2 Männer stehen und schauen dem Ballonbläser zu/ Bläser geht und gibt einen aufgeblasenen Ballon einem sitzenden Mann der sein Gesicht in den Ballon fallen lässt, ein anderer Mann der hinter ihm steht hebt den Kopf des sitzenden Mannes immer wieder auf/ Nazareth lässt einen Ballon mit einer Zigarette platzen/ Ballonbläser bläst wieder Ballon auf, ein anderer Mann legt unter einem liegenden Mann Ballons, bis der Liegende nur noch auf Ballons liegt/ der Ballonbläser lässt Ballons platzen in dem er sich auf die Ballons fallen lässt/ 2 Männer halten eine Frau waagerecht und lassen sie eine Wand hoch und runter laufen/ Ballonbläser trägt die Frau raus/ Dominique im Nachthemd über die Bühne/ 3 Männer laufen hinter einem Mann her und zerren an ihm, 3 andere Männer jagen eine Frau, gemeinsam zwingen die jagenden Männer die beiden Verfolgten sich zu küssen/ ein Mann läuft mit einer Frau im Kreis und lässt sie auf einen stehenden Mann auflaufen, dass sie gemeinsam umfallen/ eine Frau spielt ertrinkend im Sand, eine Frau und ein Mann rudern auf einer Matratze zu der Ertrinkenden und retten sie/ Dominique versucht eine glatte Wand hochzuklettern/ alle Männer werfen sich in den Sand, kommen wieder hoch und werfen sich weiter in den Sand nach vorne, wie in Angriffsstellung/ Ballonbläser hebt Frau hoch und mit ihren Armen schlägt er einen anderen Mann/ alle spielen Ertrinkende im Sand/ Frau mit weißem Kleid presst ihren Hintern eine Wand hoch, stemmt sich vornüber auf ihren Händen ab, hebt die Beine und ruft: „Guck mal“/ alle schleichen langsam auf die Bühne, der Ballonbläser steckt Streichhölzer an und bewirft die Schleichenden, die dem brennenden Streichholz ausweichen/ der Ballonbläser kommt mit Stuhl und Tisch und einem Tablett auf die Bühne, er dekoriert seinen Arm wie ein Sandwich, er garniert seinen Arm mit Wurstscheiben, Salat, Gurken und Remoulade und bietet dem Publikum sein Sandwich an/ Frau trägt vor sich ein Kleid, sie selbst hat nur noch Schuhe und Unterhose an, sie regt sich auf, will gesehen werden und sagt: „Ich hab mich gut erholt. Es geht mir gut.“ Sie bläst ein Feuerzeug aus/ 2 Frauen in hellem Kleid, wie verschwiegene Schwestern flüstern sich zu und halten sich fest an einer Hand, dann schlagen sie entgegengesetzt Rad, dabei lassen sie aber nicht die Hand der anderen los/ Mann in schwarzem Badeanzug, hält über sich seine Hände wie Hasenohren, er steht die ganze Zeit auf Zehenspitzen und wackelt und zittert dabei vor Anstrengung, hinter ihm versteckt sich eine Frau in schwarzem Kleid, sie macht Tanzbewegungen/ alle Frauen setzen sich hintereinander, Ballonbläser drängt Frauen zu einer Gruppe zusammen, ein anderer Mann stößt die letzte Frau an und alle Frauen wiegen sich schön hin und her, wie eine Welle/ Ballonbläser ruft Frauen aus der Gruppe und schlägt und tritt die Frauen die sich wehren, die Frauen rennen raus/ Männer tanzen ausgelassen dazu Rock’n Roll/ Männer spielen mit Stühlen/ Mann springt über eine sitzende Frau auf einem Stuhl und macht eine Rolle auf einer Matratze hinter der Sitzenden/ Frau gebeugt vor Ballonbläser, sie reißt ihr Kleid hin und her, Frau hebt zwischendurch ihr Kleid, Ballonbläser malt Striche mit rotem Lippenstift auf ihren Rücken, wie Peitschenhiebe (Masochismus oder aus Lust ertragen?) zu einer jaulenden Geige/ Helena Pikon schreit, sie will ihr Kleid wieder haben und jagt hinter ihrem Kleid her, welches 2 Männer sich spielerisch zu werfen/ Kunstnebel hüllt alle ein, kriechend vorbewegender Gruppentanz im Sand im Kreis/ Vorhang geht zu, Vorhang auf/ Ballonbläser trägt großen Topf mit Wasser vor das Publikum = Angst er könnte es schütten/ Helena Pikon kämmt sich ihre Haare und schreit auf französisch/ Dominique schleicht hinter Frau her = heimlicher Beobachter/ der Kunstnebel hängt schwer über der Bühne, wie eine Wolke/ Dominique erschreckt Helena/ Ballonbläser zieht Nazareth hinter sich über die Bühne her, Nazareth singt ein französisches Lied/ Frau rennt im Kreis und tanzt unter dem Nebel, schluchzende Geige spielt dazu, sie fällt erschöpft, rafft sich auf und tanzt wieder/ Nazareth auf einem Stuhl zeigt Körperform in französisch dem Publikum/ eine Frau steht allein vor dem Publikum, Augen geschlossen und den Mund fest zusammengepresst, die Hände dicht am Körper gehalten, ein Mann kommt dazu und versucht die Frau zu küssen, aber sie erwidert nicht/ der Mann streicht der Frau graue Farbe in ihre dunklen Haare, bei jedem Strich altert die Frau sichtbar, die Frau singt dazu, dann presst sie wieder die Lippen aufeinander, dazu spielt das kirchliche Stück: „Auf dem Gebirge hat man ein Geschrei gehört“/ Mann kommt, steigt auf einen Stuhl und sagt: „Pause“/ die Frau bleibt einfach stehen

PAUSE

2 Teil:

Die Frau mit grauem Haar steht immer noch unbeweglich auf der Bühne, ein Klavier steht hinter ihr/ ein Mann spielt Klavier und singt, er unterbricht sich immer wieder um Zugluft mit seinen Sachen zu stoppen, er geht an den Bühnenrand und zieht seine Sachen aus und klemmt sie in Ritzen, zum Schluss legt er sich selbst vor eine Ritze am Bühnenrand/ Lutz und Dominique = Lutz macht Armbewegung und zeigt auf die andere Seite der Bühne, Lutz stolpert voran, Dominique stellt einen Stuhl, Tisch und sich selbst in Lutz Weg, damit Lutz sich daran festhalten kann, als Stütze (Lutz braucht etwas, um sich daran festzuhalten/ Dominique und Lutz halten sich am Arm und machen Tanzschritte, mal zum Publikum, mal zur Bühnenrückwand (sieht aus als ob, die ALTEN nur noch wenig Tanzschritte können)/ Frau singt ein Lied, sie wedelt mit einem Tuch/ Mann mit Gummiband im Gesicht, plattgedrückte Nase und vorgeklappten Ohren überprüft den Puls einer Frau, dann seinen eigenen und krabbelt sich am Körper mit den Fingern/ Nazareth tanzt Solo = Streicheltanz/ Mann als Bauchtänzerin mit Tüchern umwickelt wäscht in einem Eimer Tassen ab/ Nazareth tanzt im Publikum weiter/ Ballonbläser und Bauchtänzer führen Männergesten ad absurdum/ Frau sagt: „Kartoffeln sind rechts, Tomatenlinks und marschiert dazu urkomisch/ Dominique läuft vor und fängt etwas Imaginäres, aber dann ist es auch schon wieder weg und er läuft gezielt woanders hin/ 3 Männer laufen so durch den Raum/ Ballonbläser legt weißes Tuch auf die Erde und lässt einen Geldschein hineinfallen, er deutet dem Publikum an, das Geld zu holen/ Dominique als trauriger Clown, läuft gegen die Wand und spricht sich selbst Mut zu, fällt und läuft wieder, fällt und lacht und läuft wieder/ eine Frau im schwarzen Abendkleid und langen schwarzen Handschuhen, sehr elegant, läuft über die Bühne kopfüber und sucht im Sand etwas/ Männer legen Tannenbäume auf die Bühne = sehr dekorativ, dazu spielt das Chanson: „Parlez moi d’amour“/ Frau versteckt sich und tanzt zwischen den Tannenbäumen/ Frau mit Laken und Kopfkissen baut sich ein Bett zwischen den Tannenbäumen und ruft: „Hallo! Come on! Na?“, wie eine Aufforderung sich zu ihr zu legen, aber niemand kommt/ Männer schaffen die Tannenbäume wieder raus/ Lutz und Dominique = Dominique ist wieder Lutz Stütze/ Frau kämmt sich liegend in der Erde ihr Haar, sie schminkt sich, sie klebt einen weißen Kreis auf die schwarze Rückwand der Bühne und heult wie ein Wolf „den Mond“ an/ Frau malt sich mit Lippenstift Arm, Brust und Hals an, wie Adern und heult wie ein Wolf/ Dominique trägt Frau die auch heult hin und her/ Dominique mit Ballon nimmt den Arm der Frau und spielt mit dem Arm den Ballon/ Mann nimmt Bein einer Frau und lässt ihr Bein den Hintern eines Mannes treten/ Ballonbläser hängt einen schwarzen Kranz einer Frau um/ Ballonbläser mit Fernglas, schaut sich das Publikum an/ Kunstnebel und Julie Stanzak und Nazareth tanzen/ Ballonbläser umwickelt Frau mit Binden, alle kommen und tanzen verbundener Frau was vor/ Gruppentanz = langsames Schreiten im Kreis und die Arme zu den Seiten ausschütteln, dazu Vorhänge auf und zu 7x hintereinander, der Vorhang trennt immer wieder die Schreitenden, die sich wieder finden/ Nazareth legt Seil aus wie eine Falle und putzt dann in der Erde sitzend Schuhe/ die Verbundene wandert wie ein Zombie umher/ Mann und Frau stehen an Bühnenrand vor Publikum, er hat Ballons anstatt Brüste und bläst sie immer weiter auf, ein anderer Mann bleibt davon völlig unberührt und schaut uninteressiert/ ein Paar spielt mit einem Ballon Fußball/ Seniorenblasorchester tritt auf und spielen ein Lied/ Ballonbläser stellt Julie Stanzak hinter den Dirigenten des Orchesters, sie schlägt und tritt sich selbst immer wieder ins Gesicht auf die Arme und Beine, läuft dann weg/ 4 Männer tragen sie, sie macht Paddelbewegungen in der Luft, als ob sie auf einer Welle in einem Boot sitzt, dann steht sie wieder hinter dem Dirigenten und schlägt sich selbst/ Frau mit einem Kopftuch und gebeugt wie eine alte Frau, vergräbt mit einer großen Schaufel einen Stuhl in der Erde, Licht wird immer dunkler/ Mann nimmt aus einer Schachtel Papierfetzen, legt sich in die Erde und legt das Stück Papier als sein Körpermaß hinter seinen Kopf und vermisst so im Viereck die Bühne/ Ballonbläser legt sich auf die Erde, Frau steigt auf seine Hände zu feierlicher Musik/ Wiederholungen = erzwungene Küsse einer sich streubenden Frau und eines Mannes + wieder Mann mit dem Körper einer Frau schlagend + Mann rollte eine Frau auf den Körper eines liegenden Mannes, sie rollt zur anderen Seite, der Mann versucht wieder die Frau auf den Körper des Liegenden zu rollen + Frau ertrinkt im Sand und Ballonbläser zieht sich aus und rettet Frau + Mann schlägt Mann mit Frau + Mann rollt Frau auf Mann + Mann lässt mit Frau einen anderen Mann umlaufen + alle spielen Ertrinkende  ----- langsam Licht aus ---- / ENDE ///

 

Ein Stück von Pina Bausch

Inszenierung und Choreographie Pina Bausch
Bühne Peter Pabst
Kostüme Marion Cito
Mitarbeit Hans Pop
Musikalische Mitarbeit Matthias Burkert
Dramaturgie Raimund Hoghe
Dauer 2h 30 min

Besetzung der Uraufführung 1984


Jakob Andersen, Anne Marie Benati, Benedicte Billiet, Matthias Burkert, Jean-François Duroure, Dominique Duszynski, Josephine Ann Endicott, Lutz Förster, Kyomi lchida, Urs Kaufmann, Silvia Kesselheim, Ed Kortlandt, Beatrice Libonati, Melanie Karen Lien, Elena Majnoni, Anne Martin, Dominique Mercy, Jan Minarik, Nazareth Panadero, Helena Pikon, Arthur Rosenfeld, Jean-Laurent Sasportes, Janusz Subicz, Francis Viet

 

Besetzung der Neuinszenierung, Wuppertal 2013


Jakob Andersen, Pablo Aran Gimeno, Rainer Behr, Andrey Berezin, Aleš Čuček, Clémentine Deluy, Silvia Farias Heredia, Lutz Förster, Ditta Miranda Jasifi, Scott Jennings, Nayoung Kim, Daphnis Kokkinos, Dominique Mercy, Thusnelda Mercy, Cristiana Morganti, Nazareth Panadero, Helena Pikon, Jean-Laurent Sasportes, Franko Schmidt, Azusa Seyama, Julie Anne Stanzak, Michael Strecker, Fernando Suels Mendoza, Anna Wehsarg, Paul White, Tsay-Chin Yu

Musik von Billie Holiday, Henry Purcell, Tommy Dorsey, Felix Mendelssohn-Bartholdy, Heinrich Schütz, Erroll Garner, Fred Astaire, Boris Vian, Gerry Mulligan, Johnny Hedges, Enrico Caruso, Tito Schipa, Lucienne Boyer, Irish Pipe Music u.a. und dem Senioren Blas-Orchester aus Wuppertal

Uraufführung 13. Mai 1984, Schauspielhaus Wuppertal

Gastspiele/Tourneen
1985 Venedig Amerika Tournee: Montreal, Ottawa, New York 1986 Stuttgart, Lyon; Amsterdam 1987 Paris 1988 Palermo, Barcelona, Douai, Reggio, Cremona, Bologna, Modena 1989 Lissabon 1990 Sao Paulo, Rio de Janeiro 1993 Japan-Tournee: Tokyo, Osaka, Kyoto

 

Infos zu den Pina Bausch-Stücken auf:
http://www.pina-bausch.de/

Infos/Fotos zu dem Stück MASURCA FOGO:
http://www.pina-bausch.de/de/stuecke/detail/show/auf-dem-gebirge-hat-man-ein-geschrei-gehoert/

 

Spielzeit 2012 / 2013 für Wuppertal:
Letzte Aufführungen des Pina-Bausch-Ensembles in Wuppertal vor der Sommerpause:

25., 26., 27., 29., 30. April und 1. Mai 2013
AUF DEM GEBIRGE HAT MAN EIN GESCHREI GEHÖRT
Wuppertal, Opernhaus
Vorverkaufsbeginn: 28. Februar 2013
Dauer ca. 2 h 30 eine Pause

7., 8., 10., 11., 12. Mai 2013
VOLLMOND
Wuppertal, Opernhaus
Vorverkaufsbeginn: 12. März 2013

Dauer 2 h 20 inkl. Pause

 


eingestellt am: 28.04.2013