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Foto: Nils Klinger


Bernd Leifeld, Geschäftsführer der documenta und Museum Fridericianum Veranstaltungs-GmbH, teilte mit, dass der Aufsichtsrat der Gesellschaft heute (22.11.2013) einstimmig Adam Szymczyk zum Leiter der Weltkunstausstellung documenta 14 gewählt hat und damit der Empfehlung der internationalen Findungskommission gefolgt ist.

Staatsministerin Eva Kühne-Hörmann verspricht sich von der Berufung Adam Szymczyks spannende Perspektiven auf die Kunst der Gegenwart. "Ich bin sicher, dass Syzmczyk, der ein wegweisender und eigenwilliger Ausstellungsmacher ist, der documenta neue Glanzlichter aufsetzen wird." Die nationale und internationale Bedeutung der Kunstschau könne gar nicht hoch genug eingeschätzt werden.

Oberbürgermeister Bertram Hilgen erklärte:
„Nach der documenta ist vor der documenta. Ein gutes Jahr nach der außerordentlich erfolgreichen dOCUMENTA (13) tritt mit der Ernennung der künstlerischen Leitung für die documenta 14 nun die nächste Weltkunstausstellung in die Realisierungsphase. Wir sind stolz, heute aus einem hochqualifizierten Kreis von Kandidatinnen und Kandidaten mit Adam Szymczyk die neue künstlerische documenta-Leitung vorstellen zu können. Der kommenden Ausstellung sehen wir mit der hohen Erwartung entgegen, die die bisherigen stets einlösen konnten.
Auf dem Weg ist die documenta 14 allerdings schon lange, denn die Findungskommission hat sich in den vergangenen Monaten mit hoher Intensität und großem Respekt mit der Aufgabe auseinandergesetzt, eine neue künstlerische Leitung zu finden. Dazu sind in dem einzigartigen Verfahren acht Fachleute aus vielen Ländern der Welt in die Findungskommission berufen worden, die ihre unterschiedlichen Perspektiven in die Auswahl einbringen konnten. Die Politik, Stadt und Land halten sich bei der Suche nach Kandidaten vollkommen heraus und übertragen damit eine große Verantwortung auf die Mitglieder dieses Gremiums. Es spricht Kandidaten an, die durch ihre Tätigkeit auf sich aufmerksam gemacht haben. Eine direkte Bewerbung ist nicht möglich.
Nach intensiven Vorbereitungen haben sechs Personen ein schriftliches Konzept abgeliefert, das mit der Findungskommission diskutiert wurde. Aus diesem Kreis wurden drei der sechs zu einer zweiten Gesprächsrunde eingeladen. Nach eingehender Diskussion einigten sich die Mitglieder der Findungskommission auf Adam Szymczyk, der sich heute dem Aufsichtsrat vorgestellt hat.“
Koyo Kouoh, Künstlerische Leiterin der RAW MATERIAL COMPANY, Dakar, Senegal und Sprecherin der Findungskommission sagte:
„Adam Szymczyk steht für eine enge Zusammenarbeit mit Künstlern. Seine Projekte sind motiviert von unstillbarer Neugier und von Integrität und Recherche durchzogen. Ich bin davon überzeugt, dass seine documenta ein weiteres Kapitel zu unserem Verständnis und unseren Erfahrungen mit zeitgenössischer Kunst hinzufügen wird.“


CV

Adam Szymczyk (geboren 1970 in Piotrków Trybunalski, Polen) ist Direktor und Chefkurator der Kunsthalle Basel. Er war Co-Gründer der Foksal Gallery Foundation in Warschau, in welcher er als Kurator von 1997 bis 2003 arbeitete, als er seine Position in Basel annahm.
In der Kunsthalle Basel organisierte er Ausstellungen wie: Piotr Uklanski:
Earth, Wind and Fire (2004); Tomma Abts (2005); Gustav Metzger: In Memoriam und Lee Lozano: Win First Don't Last Win Last Don't Care (beide 2006); Micol Assaël: Chizhevsky Lessons (2007); Danh Vo: Where the Lions Are (2009); Moyra Davey: Speaker Receiver (2010); Sung Hwan Kim: Line Wall (2011); Paul Sietsema und Adriana Lara: S.S.O.R. (beide 2012), sowie Gruppenausstellungen, darunter Strange Comfort (Afforded by the Profession) (mit Salvatore Lacagnina, 2010), How to Work/How to Work (More for) Less (beide 2011). 2008 co-kuratierte er mit Elena Filipovic die 5. Berlin Biennale für Zeitgenössische Kunst mit dem Titel When Things Cast No Shadow. In 2012 kurtierte er Olinka, or Where Movement Is Created am Museo Tamayo in Mexico City. Er ist Mitglied des Vorstands des Museums für Moderne Kunst in Warschau. 2011 erhielt er den Walter Hopps Preis für seine kuratorische Tätigkeit an der Menil Foundation in Houston.

Im November 2013 soll die künstlerische Leitung der documenta 14, die vom 10.06. bis zum 17.09.2017 stattfindet, ernannt werden. Hierzu wird eine internationale Findungskommission durch den Aufsichtsrat berufen.

Bernd Leifeld, Geschäftsführer der documenta und Museum Fridericianum Veranstaltungs-GmbH, stellt die vom Aufsichtsrat gewählte internationale achtköpfige Findungskommission zur Wahl der Künstlerischen Leitung der documenta 14 in Kassel vor, die am 19.04.2013 zum ersten Mal tagte:

 


(v.l.n.r) Joanna Mytkowska, Suzanne Cotter, Matthias Mühling, Susanne Gaensheimer, Osvaldo Sánchez, Kim Hong-hee und Koyo Kouoh. Foto: Nils Klinger

Suzanne Cotter
Direktor The Serralves Museum of Contemporary Art, Porto, Portugal
Chris Dercon
Direktor Tate Modern, London, Großbritannien
Susanne Gaensheimer
Direktor Museum für Moderne Kunst, Frankfurt/Main
Kim Hong-hee
Direktor Seoul Museum of Art, Seoul, Südkorea
Koyo Kouoh
Künstlerische Direktorin RAW MATERIAL COMPANY, Dakar, Senegal
Matthias Mühling
Kurator Galerie im Lenbachhaus, München
(ab 2014 : Direktor Lenbachhaus, München)
Joanna Mytkowska
Direktorin Museum für Modern Art, Warschau, Polen
Osvaldo Sánchez
Künstlerischer Direktor inSite, Mexico-City, Mexiko

 


1. Reihe von links : Kim Hong-hee, Joanna Mytkowska, Suzanne Cotter, Koyo Kouoh
2. Reihe von links: Susanne Gaensheimer, Osvaldo Sánchez, Matthias Mühling, Chris Dercon

In dem Meeting vom 2. bis 4. Juni 2013 wurden sechs KandidatInnen ausgewählt. Diese werden gebeten, bis September 2013 ein schriftliches Konzept der documenta 14 einzureichen. Im November 2013 wählt die Kommission eine Künstlerische Leitung, die vom Aufsichtsrat der documenta und Museum Fridericianum Veranstaltungs-GmbH berufen wird.

Die documenta und Museum Fridericianum Veranstaltungs-GmbH ist eine gemeinnützige Gesellschaft, die von der Stadt Kassel und dem Land Hessen als Gesellschafter getragen und finanziert und zudem durch die Kulturstiftung des Bundes finanziell unterstützt wird.

Die documenta gilt als die weltweit größte und renommierteste Ausstellung zeitgenössischer Kunst. Zur 13. documenta kamen 2012 über 860.000 Ausstellungsbesucher nach Kassel. Die documenta 14 findet 10. Juni bis 17. September 2017 statt.

Der Kasseler Maler und Akademieprofessor Arnold Bode versuchte 1955, durch eine ”Präsentation der Kunst des zwanzigsten Jahrhunderts” Deutschland nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges wieder in einen Dialog mit der Welt zu bringen und in das internationale Kunstgeschehen einzubeziehen.

Mit Hilfe der von ihm gegründeten ”Gesellschaft Abendländischer Kunst des XX. Jahrhunderts e. V.” präsentierte er im zerstörten Museum Fridericianum die von den Nationalsozialisten als entartet diffamierte und bis dahin in Deutschland so nie gezeigte klassische Moderne.

Die erste documenta war eine Retrospektive mit Arbeiten aller bedeutenden Gruppierungen (Fauvismus, Expressionismus, Kubismus, Blauer Reiter, Futurismus) und genialer Einzelgänger wie Pablo Picasso, Max Ernst, Hans Arp, Henri Matisse, Wassily Kandinsky oder Henry Moore. In diesem Durchgang durch die Kunstgeschichte der ersten 50 Jahre des Jahrhunderts wurden neben den Klassikern der Moderne auch die deutschen Begründer der modernen Kunst wie Klee, Schlemmer oder Beckmann vorgestellt.

Ein enormer Nachholbedarf an Informationen veranlasste 130 000 Besucher, zu dieser Werkschau, die Retrospektive und auch Forum aktueller Kunst war, nach Kassel zu kommen.

Durch den unerwarteten Erfolg ermutigt, plante Bode für 1959 eine zweite Ausstellung und installierte damit den Ausstellungszyklus der Kasseler documenta, die seit 1959 durch eine GmbH mit den Gesellschaftern Stadt Kassel und Land Hessen organisiert wird.

Bis zur documenta 4 im Jahr 1968 leitete Arnold Bode zusammen mit renommierten Kunsthistorikern wie Werner Haftmann, Will Grohmann, Werner Schmalenbach und Max Imdahl die Ausstellung, die immer mehr zum Seismographen aktueller Kunstentwicklungen wurde.

Mit Harald Szeemann als ”Generalsekretär” begann 1972 ein neues Konzept der Ausstellungsleitung. Eine internationale Jury beruft im Auftrag des Aufsichtsrates der documenta GmbH zu jeder Ausstellung einen neuen künstlerischen Leiter, 1997 zum ersten Mal mit Catherine David eine Ausstellungsleiterin. Jede documenta war geprägt von der Idee und dem persönlichen Konzept eines einzelnen Ausstellungskurators und wurde somit nicht nur ein Forum für die aktuellen Tendenzen der Gegenwartskunst, sondern auch ein Ort innovativer und Maßstäbe setzender Ausstellungskonzepte.

Jede documenta lenkte auf ihre Art das internationale Gespräch über Kunst in neue Bahnen. Die Institution documenta hat sich in den letzten Jahrzehnten als ein Unternehmen etabliert, das weit über das einfache Präsentieren von dem, was es gerade gibt, hinausweist. Die Diskussionen der internationalen Kunstwelt bündeln sich alle 5 Jahren in dem Kasseler ”Museum der 100 Tage”. In diesen Auseinandersetzungen und in der Dynamik der Diskussion um die jeweilige Konzeption der documenta (und um ihren künstlerischen Leiter oder ihre Leiterin) spiegeln sich die Erwartungen der Gesellschaft an Kunst wider.

 


eingestellt am: 24.11.2013