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Foto © Ursula Kaufmann

Was für ein Theater?!
BANDONEON – Ein Stück von Pina Bausch

Von Dietmar Wolfgang Pritzlaff

Das Stück BANDONEON wurde zuletzt vor 27 Jahren – 1987 in Wuppertal und auf einer internationalen Tournee 2007 in Paris gezeigt. Wenig gespielt, umso bedeutender für das Tanztheater der Pina Bausch.

Das Stück BANDONEON analysiert das Theater, das Tanztheater und den Tanz als solchen, spielt mit der Erwartungshaltung des Zuschauers und lässt tief in die Arbeitsweisen von Tänzern und Tänzerinnen blicken., die unter Druck und Selbstaufgabe arbeiten, mit eiserner Disziplin sich selbst zu immer Höherem antreiben.

Der Zuschauer wird einbezogen. Er muss quälend lange Minuten zuschauen, wenn eine Frau am Boden liegend schreit und keiner hilft. Irgendwann steht sie auf und geht. Nur eine Probe? Will sie auf sich aufmerksam machen?

Schon ganz zu Anfang schaut ein Mann ins Publikum, ganz interessiert beobachtet er, dann eine Geste der Resignation oder Ratlosigkeit. Ihm ist es unangenehm. Verschüchtert erklärt er: „Ich weiß auch nicht. Ich muss was machen“, und winkt ab.

Andere Tänzer und Tänzerinnen erzählen wie sie als Baby, als Kind waren. „Ich war lauter als mein Bruder“ – „Ich war das erste Kind der Familie“ – „Mein Gott, schon wieder ein Junge“ – „Ich bin das schwarze Schaf der Familie“.

Dann schwingen die Tänzer ihre Beine. Warm tanzen, Dehnungsübungen, wie an einer Tanzstange. Später wird ein Tänzer erzählen wie ein alter Ballettmeister die Beine seiner Schüler in die Höhe trieb. Glühende Zigaretten hielt er unter die Beine, und dann sagte er: „Siehste, geht doch.“

Ein Mann schlägt eine Brücke und hält diese Position einige Minuten. Er nimmt immer wieder Anlauf, um sich hochzudrücken, bis er nicht mehr kann. Schweigend stehen die anderen Tänzer und Tänzerinnen an den Wänden und schauen zu. Und auch der Zuschauer sieht zu, wie der Mann sich quält. Das tut schon weh beim Hingucken.

Sich und seine Grenzen ausprobieren. Ein Paar schlägt sich stumm gegenseitig ins Gesicht. Die Männer heben die Frauen auf einem Arm hoch und tanzen sehr langsam im Kreis. Die Frauen sitzen auf den Schultern der Männer, mit den Bäuchen vor dem Gesichtern der Männer. Mit kleinen angedeuteten Tanzschritten bewegen sie sich, oder lassen sich auf den Boden fallen. Frau und Mann sitzen sich gegenüber und es beginnt ein Sitztanz, mit Hin- und Herruckeln. Oder Mann und Frau knieen voreinander und tanzen.

Ein Tanz beginnt in dem die Paare die Münder aneinanderhalten und so weiter tanzen. Das alles lässt Pina Bausch zu leise eingespielter Tangomusik geschehen. Wobei man sich schon manchmal wünscht einen richtigen Tango in Vollendung sehen zu dürfen. So mitreißend sind die Melodien. Aber das lässt Pina Bausch nicht zu. Auch hierbei lässt sie den Zuschauer hoffen, erwarten und bricht mit den Traditionen des Theaters, die Wünsche der Zuschauer werden nicht befriedigt. Das Tanztheater unter dem Mikroskop wird seziert.

Nur einmal lässt Pina Bausch ihre Tänzer und Tänzerinnen einen Walzer, mit richtigen Walzerschritten tanzen. Aber nur angedeutet, mit wenigen kleinen Walzerschritten fast auf der Stelle stehend. Auch hier kommt es nicht zur Erfüllung des Zuschauerwunsches einen RICHTIGEN Tanz zu sehen.

 


Foto © Ulli Weiss

 

Eine Tänzerin liest ein Gedicht vor. Sie entfaltet ein Blatt Papier und beginnt ein Heinrich Heine Gedicht zu lesen. „Im wunderschönen Monat Mai...“ Die Musik beginnt wieder und unterbricht ihren Vortrag. Die Tänzerin wird es noch einige Male probieren ihr Gedicht vorzutragen, und wird doch immer wieder unterbrochen. Entweder von Musik oder von anderen Tänzern.

Schmerzlich vermisst man Mechthild Grossman in dieser Rolle. Ihre tiefe rauhe Stimme jagd einem Schauer über den Rücken und ist ganz Vamp und Diva. Diese Rolle hat Nazareth Panadero heute inne, sie spielt eher schüchtern und drollig.

Dehnungsübung extrem: Männer und Frauen steigen auf die Beine der im Schneidersitz sitzenden Tänzer und drücken die Beine auf den Boden, bis es nicht mehr geht. Eine Frau kämmt brutal einer anderen Frau das Haar. Sie sagt: „Lächeln, immer lächeln.“ Da der Frau das Lachen vergeht, wird sie bestraft. Der Kopf der Frau wird mit aller Kraft in einen Eimer voll Wasser getaucht.

Aber auch das Glück des Applauses zeigt dieses Stück. Eine „Diva“ wird hereingeführt, sie verbeugt sich und alle anderen Tänzer klatschen und rufen: „Bravo, Bravo“. Dies geschieht immer wieder mal in diesem Stück. Jeder beklatscht jeden und jeder kommt in den Genuß des Applauses.

Lächeln bis zum Umfallen: In einer Reihe stehend müssen die Tänzer und Tänzerinnen lächeln und das Lächeln halten und halten, bis langsam ihre Gesichtszüge erlahmen. Doch sie zwingen sich weiter zu machen. Auch dafür gibt es dann Applaus und Bravo-Rufe.

 


Foto © Ulli Weiss

 

Der Raum ist wie bei dem Stück KONTAKTHOF ein Saal, ein Tanzsaal, vielleicht auch einfach nur ein Proberaum, ohne Fenster mit nur einer begehbaren riesigen Tür. So ungefähr wird auch der Probenraum des Pina Bausch-Ensembles beschrieben. Ein alter, ziemlich heruntergekommener Kinosaal, das Kino, die „Lichtburg“ in Wuppertal wurde Proberaum. Ohne Fenster und ohne viel Charme.

In BANDONEON stehen viele Tische und Stühle im Saal verstreut herum. 11 riesige Bilder von ehemaligen Boxern hängen an den Wänden. Auch diese Herren standen unter dem Erfolgsdruck und trainierten bis zur Erschöpfung, um den Sieg nach Hause zu bringen.

Auch diese Neuinszenierung des Stückes BANDONEON bringt wieder einige der Tänzer und Tänzerinnen der ersten Stunde zurück auf die Tanzbühne. Dominique Mercy, Lutz Förster, Nazareth Panadero, Julie Shanahan, julie Anne Stanzak, Fernando Suels Mendoza oder Jean-Laurent Sasportes sind mal wieder zu sehen.

Und das ist der einzige Unterschied zu der Aufführung im Jahre 1987: Zogen sich Lutz Förster oder Dominique Mercy früher aus, war der Schlankheitswahn und die Fitnesssucht noch Thema. Wenn sich die beiden gealterten Herren heute ausziehen ist das immer noch anmutig und – einfach nur SCHÖN NORMAL – sonst würde dieses Stück auch in diesem Sinne noch den Jugendkult und Schönheitswahn der früheren Zeiten proklamieren.

Geändert hat sich auch das Programmheft. Zeigte das alte Heft „nur“ Kinder- und Baby-Fotos mit persönlichen Anmerkungen der einzelnen Tänzer und Tänzerinnen, und auch ein Foto der kleinen süßen Pina Bausch in Kinderschuhen, mit aufgerollten Zöpfen in schwarz/weiß, so hat man bei dem neuen Programmheft endlich auch ein paar Bilder aus dem Stück vor sich. Zur Erinnerung an dieses Stück ist das eine enorme Hilfe.

Und auch heute, 34 Jahre nach der Uraufführung des Stückes BANDONEON gibt es eine große Überraschung für die Zuschauer: Pina Bausch lässt die Bühne vor den Zuschauern leer räumen. Das, was sonst nur im Verborgenen stattfindet, zeigt Pina Bausch auf offener Bühne. Die Paare tanzen noch, Tänzer machen Bocksprünge usw. aber nebenbei bauen Bühnenarbeiter den Tanzsaal leer. Tische, Stühle, die riesigen Bilder und sogar der Bühnenboden wird in einzelnen Bahnen aufgerollt und rausgeschleppt. Nach der Pause bleibt nur noch ein Klavier in dem leeren großen Tanzsaal zurück.

BANDONEON ist nicht chick, ist nicht dekorativ und steht nicht für einen leichten seichten Tanzgenuß. Es ist eher ein Stück das informativ, kalt und spröde wirkt.

Das wirkt sich auch auf den Schlussapplaus aus. Erst mussten sich die Zuschauer innerlich beruhigen und besinnen, dann aber STEHENDE OVATION für das hinreißende Pina Bausch-Ensemble.

Leider gibt es keine weiteren BANDONEON-Aufführungen in Wuppertal. Dafür aber noch einige Neueinstudierungen und Wiederaufführungen im Rahmen des 40jährigen Jubiläums PINA40. Unbedingt ansehen!


Weitere Aufführungen in Wuppertal finden Sie hier:

http://www.pina40.de/pina40/programm.php?we_ui_pina40_Kategorie=cat01

Gesamtprogramm mit Aufführungen, Ausstellungen, Konzerten, Filmen und Gesprächen sind unter folgendem Link zu finden:

http://www.pina40.de

 

Teil 1:

Dekoration:
Tanzsaal mit hohen Wänden, Holzvertäfelt dunkel unten, oben graue Flächen mit Dekor / weiße Decke, schwarzer Bühnenboden / 11 riesige vergilbte Bilder von ehemaligen Boxern / Damen und Herrenmäntel hängen an Kleiderhaken ringsherum vor der Holzvertäfelung / runde schwarze Tische und Stühle verteilt auf der Bühne / 4 Scheinwerfer links und rechts vorne an der Bühne / 1 Klavier mit kleinem Ventilator obendrauf hinten an der Wand / 1 große Holztür

Wie Tanzübungen in einer Tanzschule / Frauen tragen luftige Kleider in gedeckten dunklen Farben, ein rotes Kleid sticht hervor / Herren tragen dunkle Anzüge / Dominique 2 x in einem Frauenkleid, Pliés machend

Mann (Fernando) schaut Publikum an, Ratlosigkeit, es ist ihm unangenehm, er sagt: „Ich weiß auch nicht. Ich muss was machen.“, er winkt ab / Dominique kommt durch die große Tür, zieht Jackett aus, legt es sich über den Arm und schreitet in den Raum / alle Herren kommen in den Saal, Jackett aus und suchen sich einen Platz, ziehen Jackett wieder an / Herren verteilen sich / Fernando fragt nach einer Maria, es wird ihm von den Herren geantwortet: „Maria Callas. Bloody Mary“  – „Maria hält den Kopf so schief“ – „Mariage“ – Lutz: „Maria gibt Kuss und frag nichts. Deine Mutter war auch schön als sie jung war. Fernando sagt: „Schön, sehr schön. Danke“ und fragt wieder einen anderen / Frauen kommen und stehen rechts an der Bühnenrampe, sie schauen zu Boden und antworten Fernando mit zugehaltener Nase: „Maria und Josef“ – „Maria Stuart“ – „Maria Schell“ / Dominique im weißen Faltenkleid, barfuß umher schreitend, schaut sich an und sagt: „Voila“, dann singt er ganz leise und zart, und sagt: „Dankeschön“, dann setzt er sich auf einen Stuhl in männlicher Geste mit Kleid und sagt: „Hi“, dann macht er Pliés, schaut sich um / Musik setzt ein – alte Tangos - / Mann und Frau schlagen sich gegenseitig ins Gesicht / alle kommen rein und stehen gemischt an den Wänden / Frau legt sich auf den Boden und schreit, aber keiner schreitet ein / Nazareht liest ein Gedicht vor: „Im wunderschönen Monat Mai...“, sie bricht ab, weil sie unterbrochen wird / Lutz macht Pliés und singt ein Lied / alle anderen raus / Lutz tanzt wie an einer Ballett-Übungsstange / alle kommen einzeln rein und stellen sich vor, wie sie als Baby waren: „Blond“ – „4 kg schwer“ – „lauter als mein Bruder“ – „erstes Kind der Familie“ – „Mein Gott, schon wieder ein Junge“ – „mit 9 Monaten konnte ich schon sprechen“ – „ich bin das schwarze Schaf der Familie“ – beendet wird jede Vorstellung mit „VOILA“ / alle stehen zwischen zwei Stühlen und schwingen die Beine, Stangenübungen / alle räumen Stühle und Tische an die Seite, eine Frau macht was vor, alle klatschen, Frau sagt: „Lambert“ ??? – alle lachen und klatschen – „Bravo, Bravo“ / alle laufen und sagen: „Lambert“ / alle raus – Dominique allein sagt: „What I like – to speak – to eat“ / Dominique macht Gürtel offen, wie nach einem großen Essen und prustet die Luft aus, das ganze Publikum macht mit und lacht / alle rennen an linke Wand – eine Frau liegt auf dem Boden und schreit / Mann steht mit ausgebreiteten Armen vor dem Pulikum – aber keiner hilft der schreienden Frau / alle stehen mit dem Rücken zum Publikum – dann stehen alle an rechter Wand und schauen auf schreiende Frau / Julie Shanahan sitzt auf den Beinen eines Mannes und lässt sich den Rücken kratzen / alle raus / Dominique und Frau – zärtlich streicheln, Frau lässt sich streicheln, ins Ohr beißen, ins Gesicht kneifen, Nase streicheln – gegenseitig nackte Stellen streicheln / alle Frauen raus / Frau krabbelt sich, es juckt ihr / Julie lässt sich wieder kratzen, bis rote Striemen sichtbar werden / abgedunkeltes Licht – Dominique und Julie ziehen sich Kleidung an einigen Stellen des Körpers aus um die nackten Schultern gegeneinander zu drücken / alle ziehen sich was aus und halten nackte Stellen gegeneinander –Knie, Füße, Ellbogen, Ohren, Hals an Schulter, Hüften / Frauen sitzen von vorne den Männern auf den Schultern und tanzen Schreittanz / Mann lässt Gas aus Feuerzeug in geschlossene Hand fließen, zündet die „Hand“ an und legt dann die warme Stelle auf Stellen des Körpers der Partnerin, alle machen mit / Tanz wieder auf den Schultern von vorne auf den Männern / Tangomusik: Paare sitzen auf dem Boden und „tanzen“ – rucken vor und zurück - zusammen nach vorne und hinten / Paare stehen wieder und tanzen einen echten Walzer, aber mit ganz kleinen Schritten / Licht auf der Bühne aus – Licht im Zuschauerraum an: Bühnenarbeiter räumen den ganzen Raum leer, Stühle, Tische raus, die großen Bilder abgehangen und rausgetragen, der Bühnenboden wird in Bahnen aufgeräumt, zwischen den tanzenden Paaren / eine Frau liegt stumm und reglos am Bühnenrand / Paare tanzen Schreittanz, engumhangen, von links nach rechts / Frauen streicheln nackte Stellen beim Partner – dann Handkuss und Abgang der Paare / Dominique wieder rein zur liegenden Frau, aber kann nichts machen, wieder raus / Männer machen Bockspringen auf der Bühne / Männer heben Frauen auf ihre Schultern, lassen sich zusammen fallen zu dem Sitz-Tanz / Fernando will mit die Bühne abbauen, bekommt aber einen Haken nicht von der Wand, Nazareth sitz im Zuschauerraum mit Handtasche, Fernando ruft nach ihr, sie kommt und holt aus der Tasche allerhand Werkzeuge raus / eine Frau isst eine Zitrone, alle anderen klatschen und rufen „Bravo“ / alle raus – nur Frau isst weiter Zitronen / Nazareth entfaltet wieder ihr Gedichtblatt, sie will gerade lesen...   LICHT AUS – alles dunkel / PAUSE ///

Teil 2:

Dekoration:
Nach der Pause steht nur noch das alte schwarze Klavier an der Rückwand der Bühne

Frau hält eine kleine lebende Maus in Händen und sagt: „eine Maus beißt nicht“ / die Maus wird ins Publikum gereicht, nur gestreichelt oder auch in die Hände genommen / Frau und Dominique sitzen auf Stühle und lachen über Fotos, die die Frau zeigt (man muss mitlachen) / Frau singt leise ein Lied, setzt mehrmals an und bricht wieder ab / Frau kämmt brutal Nazareths Haare und sagt: „Smile – smile – funny – smile – dann taucht sie Nazareths Kopf in einen Eimer Wasser / Nazareth ruft Pablo – sie lässt sich von ihm den Kopf kratzen und Haare kraulen / Männer und Frauen stehen auf den Beinen des Partners, die im Schneidersitz auf der Bühne sitzen, sie dehnen die Beine und drücken sie auf den Boden – das sieht sehr schmerzvoll aus / Dominique führt eine Diva herein, sie verbeugen sich, alle kommen, klatschen und rufen: „Bravo, bravo“ / alle Frauen klatschen und rufen: „Bravo“ – dann klatschen alle Männer und rufen: „Bravo“ – die Diva verbeugt sich mit einer Hand im Dekolletee / Diva isst wieder eine Zitrone / alle ab – Frau isst weiter / Nazareth entfaltet wieder ihren Gedichtzettel und liest vor: „Im wunderschönen Monat Mai...  – sie wartet, dass die Musik aufhört – „Im wunderschönen Monat Mai – als alle Knospen sprangen – da ist in ihre Herzen – die Liebe aufgegangen...“ – dann wird sie wieder unterbrochen / Fernando greift unter das Kleid einer Frau von vorne nach hinten zwischen ihren Beinen hindurch zum Po, hebt die Frau so auf seinem Arm in die Luft und dreht sich mit ihr langsam im Kreis, dann klammert sich die Frau mit den Armen an seinen Hals und die Beine umschlingen die Hüfte des Mannes – alle Paare tanzen so / alle stellen sich an die Wände – Paare treffen sich – Mund an Mund wird getanzt, nur ein Arm des Mannes hält die Frau, ihre Armen hängen schlaff herab / Lutz sagt: „Das Herz ist eine Pumpe“ – „Das Herz ist für einen Menschen unersetzlich“ / Fernando erzählt: „Chopins Herz liegt in einer Kathedrale in Warschau“ / Diva verbeugt sich wieder, alle klatschen und rufen: „Bravo“ / Lutz erzählt von Fouls im Fußball, wie man sie „richtig“ macht: „Bein wegtreten – beim Laufen behindern – auf Fuß des Gegners stellen und sich über das Foul selbst am meisten wundern – fallen lassen und richtige Schmerzen vortäuschen“ / alle probieren Fouls / Diva zieht sich um – 2 Kosmetikerinnen cremen Diva ein / Paare gehen auf Knien in Tanzhaltung und machen kleine Bewegungen / eine Frau sitze am Tisch und isst langsam eine Tulpe – alle gehen raus – Frau isst mit Messer und Gabel weiter die Tulpe / Frau mit Maus im Aquarium, bespricht die Maus, sie singt italienisches Lied für die Maus, der Palazzo / Mann hält Frau vor Bauch und tanzt / Lutz zieht sich bis auf Unterhose aus = nacktes altes verwelktes Fleisch – und sagt: „Als ich Koch gelernt habe, habe ich die Sauce verdorben. Der Lehrmeister hat mich mit Messer verfolgt. Heute bin ich Tänzer - voila“ – dann zieht er sich einen fleischfarbenen „Hein-Jupp“ – Ganzkörperanzug an / Nazareth liest vor: „Im wunderschönen Monat Mai...“ – und wird unterbrochen / Fernando trägt Frau wieder vor sich auf einem Arm – alle Paare tanzen wieder mit Frau auf einem Arm / alle stehen an den Wänden, links und rechts – nur 2 Frauen stehen hinten neben dem Klavier – alle lauschen dem Ende der Musik / Mann schlägt eine Brücke auf dem Boden – minutenlang versucht er sich immer wieder nach oben zu stemmen, Tangomusik setzt ein, alle schauen auf den Mann – es tut schon weh vom Hingucken (Pina quält wieder) / alle beginnen ganz leise zu klatschen – kaum hörbar / Frau sagt: „In Italien hatte ich einen Hahn, der rannte immer in den Nachbarsgarten. Meine Mutter musste ihn töten. Als es Abends den Hahn zu essen gab, sagte meine Mutter ich brauchte nichts davon zu nehmen, wenn ich nicht wollte. Aber ich wollte alles alleine essen. Der Hahn sollte ganz allein mir gehören.“ / Frau auf Stuhl: „Allez“ – „Ich möchte ein Eis“ – Frau auf Tisch: „I’m tiered“ – „Ich bin so traurig“ – „Heute ging alles schief“ – „Mir ist kalt“ – „Ich habe schlecht geträumt“ – „Ich bin ein Zusammenbruch“ – „Mit 2 habe ich Klavier gelernt“ / dazu spielt eine Frau ein Lied auf dem Klavier und singt / Mann kommt hüpfend mit einer Hand in der Hosentasche reingehüpft – nimmt ein Foto vom Boden und legt es auf das Klavier / alle hüpfen herein und bringen Tisch und Stühle mit / Lutz zieht sich einen roten Pullover an – dann verknotet er seine Hände und zieht sich den Pullover mit gebunden Händen auf links an – dann zieht er den Pullover wieder aus / Frau liegt wieder auf dem Boden und schreit / Mann raucht und es raucht aus seinem Hosenschlitz / Lutz zeigt wie ein alter Ballettmeister die Beine seiner Schüler noch höherschnellen ließ – er trieb die Beine mit glühenden Zigaretten höher – Julis Beine schnellen höher und höher / alle stehen mit verschränkten Armen zum Publikum und lächeln und lächeln – minutenlang – das Lächeln wird eingemeißelt / Dominique im weißen Kleid macht Pliés / Beckenschaukel-Tanz – wie Lambada / alle gliedern sich wieder in eine Reihe ein / manches Lächeln erstarrt / Lutz sagt: „Ein Tänzer der auf der Bühne nicht lächelt – ist kein Tänzer“ / Dominique mit Kleid geht in die Hocke und fällt um (wie im Film PINA-3D) / ENDE ///

Applaus


Inszenierung und Choreographie Pina Bausch

Bühne Gralf Edzard Habben


Kostüme Marion Cito


Dramaturgie Raimund Hoghe


Musikalische Mitarbeit Matthias Burkert


Mitarbeit Hans Pop


Dauer 2h 50min

Musik Argentinische Tangos und Walzer

Uraufführung 21. Dezember 1980, Opernhaus Wuppertal

Gastspiele/Tourneen

1981 Berlin, Köln 1983 Lyon, Paris 1985 Venedig 1989 Paris 1991
New York 1994 Buenos Aires 2004 Tokyo 2007 Paris


Künstlerische Leitung Lutz Förster


Probenleitung und Mitarbeit Wiederaufnahme Bénédicte Billiet und Daphnis Kokkinos



Besetzung Januar 2014 »

Es tanzen
Pablo Aran Gimeno, Andrey Berezin, Silvia Farias Heredia, Lutz Förster, Ditta Jasjfi, Scott Jennings, Nayoung Kim, Dominique Mercy, Thusnelda Mercy, Cristiana Morganti, Nazareth Panadero, Jean-Laurent Sasportes, Azusa Seyama, Julie Shanahan, Julie Anne Stanzak, Fernando Suels, Anna Wehsarg, Paul White


Besetzung der Uraufführung »
Uraufführung Dezember 1980

Malou Airaudo, Anne Marie Benati, Mechthild Großmann, Urs Kaufmann, Hans Dieter Knebel, Beatrice Libonati, Anne Martin, Dominique Mercy, Jan Minarik, Vivienne Newport, Nazareth Panadero, Isabel Ribas Serra, Arthur Rosenfeld, Jean-Laurent Sasportes, Janusz Subicz, Meryl Tankard, Heide Tegeder, Christian Trouillas

 


eingestellt am: 28.01.2014