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Foto © Jong-Duk Woo


Grabstätte der verschütteten Gefühle?!
VIKTOR – Ein Stück von Pina Bausch

Wuppertal, Opernhaus, 25.05.2014. VIKTOR – Ein Stück von Pina Bausch wurde als Wiederaufnahme im Opernhaus gezeigt. Eines der erfolgreichsten Arbeiten im Werk von Pina Bausch. Oft gezeigt, national, wie international tourend und überall stürmisch gefeiert.

Von Dietmar Wolfgang Pritzlaff

Das Stück VIKTOR wurde 1986 uraufgeführt und war Ergebnis einer Zusammenarbeit mit dem Teatro Argentina die Roma. Danach entstanden noch etliche Pina Bausch Werke in Zusammenarbeit mit Goethe-Instituten und Theatern in der ganzen Welt, wie DER FENSTERPUTZER – das Hongkong-Stück, oder AQUA – das Brasilienstück und auch ihr letztes Werk „WIE DAS MOOS AUF DEM STEIN...“ ist eine Koproduktion mit Festival International de Teatro Santiago a Mil in Chile und mit Unterstützung des Goethe-Instituts Chile,
in Zusammenarbeit mit Andres Neumann International.

Es war erst das dritte Werk, welches in Zusammenarbeit mit einem fremden Ort, einer fremden Institution entstand. Davor waren es: 1982 das Stück WALZER in Zusammenarbeit mit dem „Holland-Festival“ und 1978 – die erste Zusammenarbeit außerhalb Wuppertals, das Stück: ER NIMMT SIE AN DER HAND UND FÜHRT SIE IN DAS SCHLOSS, DIE ANDEREN FOLGEN... in Zusammenarbeit mit dem Schauspielhaus Bochum. Letzteres wurde damals noch kräftig ausgebuht und die Uraufführung musste sogar abgebrochen werden. Aber das sind vergangene Zeiten...

Pina Bausch sagte einmal in einem Interview, dass sie ohne diese Reisen in fremde Länder und den daraus resultierenden internationalen Koproduktionen, nicht in Wuppertal geblieben wäre. Sie brauchte diese Reisen, um neu anzufangen, neue Sitten und Gebräuche, Menschen und ihre Beweggründe rund um den Globus kennenzulernen, um Kraft und neue Ideen für ihre Stücke zu sammeln.

Die erfolgreichen Gastspiele/Tourneen von dem Stück VIKTOR waren: 1986 Rom 1987 Den Haag 1988 New York 1992 Venedig 1994 Lyon, Paris, Lissabon 1995 Tel Aviv 1996 Kopenhagen 1997 Frankfurt 1999 London 1999 Saitama 2001 Paris und zuletzt wieder 2012 in London zu den Olympischen Spielen.

Was macht dieses VIKTOR so erfolgreich, obwohl die Bühne gestaltet ist wie ein Grab? Meterhohe rotbraune Felswände ragen bis fast an die Decke. Ein Mann kann noch darauf stehen und schaufelt das gesamte Stück hindurch rote Erde über die Felswände in das tiefe Grab. Aber es gibt einge riesige Leitern, die hinein oder hinaus führen.
Das Grab als letzter Ort des Lebens? Oder Schutzwälle gegen die Außenwelt? Rückzugsort oder letzte Ruhestätte?
Allerdings ruhig ist es nun wirklich nicht in diesen Erdtiefen. Da geht es oft zu wie auf dem Jahrmarkt der Gefühl, ein Kreislauf der Alltags-Rituale, kaum Geschlechterkämpfe, wie in Pina Bauschs älteren Werken. Eher ist es ein emanzipiertes Frauenstück, in dem die Frauen nicht ausgestellt werden, sondern sich stark und erhaben zeigen dürfen.

Das Stück VIKTOR ist, wie eine leichte Variante, eine luftigere Vorarbeit zu dem ein Jahr später entstandenen Werk AHNEN, welches im Gegensatz zu VIKTOR düsterer und kälter erscheint.

Schön ist die Neugestaltung des VIKTOR-Programmheftes, welches viele neue Fotos, Momentaufnahmen aus dem Stück beinhaltet. Spannend liest sich der Abdruck einiger Reisenotizen, als die Kompagnie in Rom weilte. Und man bekommt einen Eindruck der Arbeitsweise der Pina Bausch: Fragen, Themen und Stichworte aus den Proben laden zum Rätselraten ein: Welche Frage ergab welche Aktion im Stück?

Es gibt Alltagsfragen und Gefühlsfragen und es gibt einige spezielle Rom-Fragen, die Pina Bausch stellte, so zum Beispiel: Die Römer spielen arbeiten / Irgendetwas, was Euch einfällt zu einer Person, die in Rom lebt / Worauf freut Ihr Euch in Rom? / Fontana di Trevi / La dolce vita / Touristen / Etwas Kleines, das ihr heute in Rom gesehen habt ...

So kommt im Stück VIKTOR vor, dass eine Frau sich auf einen Stuhl setzt und ihre Arme ausbreitet. Zwei Männer schütten der Frau Wasser in den Mund und die Frau spuckt einen feinen Wasserstrahl, wie aus einem Springbrunnen in einen Eimer vor ihr.
Die zwei Männer machen sich dann ans Werk sich zu waschen. Hände und Arme, den nackten Oberkörper und die Füße. Stichwort: Fontana di Trevi ?!

Es gibt einige Stellen im Stück, bei denen man schon einen Eindruck vom Leben in Rom und von italienischer Lebensweise bekommt, aber das Thema Rom quillt hier nicht aus jeder Ecke. Dieses Stück kann in Rom spielen, aber eben auch überall auf der Welt, wo viele Menschen zusammenleben.

So gibt es auch weitere Fragen und Stichworte im Programmheft:
ETWAS VERSTEIGERN (Im Stück gibt es mehrere Versteigerungen, Gegenstände werden versteigert und auch 4 lebende Hunde.)
KALBFLEISCH (Eine Tänzerin umhüllt ihre Zehen mit dünnen Kalbfleischscheiben, schlüpt dann in Spitzenschuhe und tanzt, diese Szene zeigt auch der Film PINA3D, eine Tänzerin tanzt hier auf dem Gelände der Zeche Zollverein.)
ETWAS MACHEN MIT LEBLOSEM KÖRPER (Eine Frau und ein Mann liegen leblos auf der Bühne, ein zweiter Mann steht vor ihnen und fragt wie ein Pfarrer nach dem Hochzeits-JA, die Bewegungen dazu, das Kopfnicken, besorgt der Mann. Er spielt wie mit Puppen. Und auch das Küssen erledigt der Mann: Der Mann legt die beiden Liegenden auf die Seite und führt die Köpfe zum Küssen zusammen.)
WEINSELIG (Eine Gruppe Statisten sitzt rund um einen Tisch bei einem Weingelage.) ERDE UND WASSER (Erde wird in das große Grab geschaufelt, und Wasser gespuckt und gegurgelt.)
ETWAS MIT EUREM ATEM (Ein Mann steht vor einem Mikrofon und man hört ihn laut aus Lautsprechern atmen. Pina Bausch meinte dazu: „Ist schön, wenn man sieht, daß jemand lebt.)

 

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Foto © Laszlo Szito

 

Pina Bausch äußert im Programmheft auch einen Wunsch: „ICH HÄTT‘ GERN, WENN DIE MÄDCHEN EINMAL FLIEGEN WÜRDEN“. Und Pina Bausch lässt ihre Tänzerinnen in ihrem Stück VIKTOR fliegen. An Ringen, wie beim Ringeturnen, dürfen die Damen in prächtigen Kleidern hoch und höher schaukeln. Das macht richtig Spass beim Zuschauen und man wünscht sich selbst an die Ringe.

Weitere Reaktionen der Tänzer und Tänzerinnen auf die Fragen in den Proben, die in das Stück schlussendlich miteingeflossen sind, muss der Zuschauer selber herausfinden. So zum Beispiel: Gehen – nicht in Balance / Sich nichts gefallen lassen / Ich mach’, was ich will / Was hinter einem Lächeln stehen kann / Sonntag in Wuppertal / Ernst antworten / Ein Moment, der immer wiederkommt / Flirten wie ein Eichhörnchen / Kein Humor / Raffiniertes genießen / Unter einer Decke stecken / Untreu / Etwas, das Eure Kraft fast übersteigt / Man hat unheimlich viel nichts zu tun / Abendkleid und Pappe / Etwas mit Toten / Etwas mit Gesundheit / Woran erkennt man das Alter? / Alle bedienen / Daumenspiel usw.

 

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Foto: Maarten Vanden Abeele

 

In VIKTOR – Ein Stück von Pina Bausch gibt es kaum Solotänze, dafür wird man mit wunderschönen Gruppentänzen belohnt. Eine besondere Spezialität in den Bausch-Stücken. Gleichschritt, gleiche Bewegungen, gleiches Voranschreiten oder Schaukeln. Das ist immer wieder imposant zu bestaunen.

Das wirklich Erstaunliche aber sind die Tänzer und Tänzerinnen, die Jungen wie die Alten, die hier wieder vortrefflich zusammen tanzen und spielen. Mustern andere Kompagnien ihre „älteren“ Tänzer und Tänzerinnen schon mit dreißig Jahren aus, gibt es in den Pina Bausch Werken das Miteinander von jung und alt. Eben, wie im echten Leben auch. Schön anzusehen, dass hier auf der Bühne gealtert werden kann.
Neue Gesichter kommen immer mal wieder hinzu. So nach und nach gibt man mehr Rollen der älteren Tänzer ab an die jüngeren Generationen. So wird das Tanztheater Wuppertal Pina Bausch hoffentlich noch die nächsten 40 Jahre weiterleben.

Ein Hoch auf das Ensemble. Wieder mal stehende Ovation und großer Applaus für diesen Tanzabend.

VIKTOR – Ein Stück von Pina Bausch wurde nur vom 22. Bis 25. Mai 2014 im Opernhaus Wuppertal als Schlusspunkt des 40jährigen Jubiläums PINA40 gezeigt und ist leider in der neuen Spielzeit 2014/15 nicht mehr im Programm. Mit anderen Worten, man wird wieder länger auf eine Wiederaufnahme warten müssen.

Schnell sein und sofort bestellen, denn für die neue Spielzeit ab dem 23. September 2014 kann man schon Karten bestellen. Das Stück zur Spielzeit-Eröffnung ist SWEET MAMBO aus dem Jahr 2008.


Dekoration:
Wie ein Grab? =An Bühnenseiten und Hintergrund ragen hohe rotbraune Felswände / Erdwände hinauf: bis knapp unter die Dacke, Platz nur noch so viel, dass ein Mensch darauf stehen kann, ein Tänzer schaufelt immer wieder im ganzen Stück Erde über die Felswände auf die Bühneangestellte Leitern, mal von vorn, mal von hinten stehen an den Felswänden, 1 Klavier, Teppiche, 2 lebende Schafe, 4 lebende Hunde

Teil 1:

Julie Shanahan im roten Kleid, ohne Arme = die Arme nach hinten verschränkt, sie lächelt ins Publikum, schreitet nach vorne und lächelt wieder, Dominique legt Pelzmantel um ihre Schultern, beide gehen ab / Männer tragen 2 Orientteppiche herein und breiten sie aus, eine Frau legt sich auf den kleineren Teppich und wird eingerollt / Mann als feine Dame gibt 2 Steine ins Publikum / Mann und Frau legen sich auf den Boden, 1 Mann traut sie im Liegen und macht Ja-Bewegungen mit Kopf und Küssen, wie bei Puppen = Hochzeit im Liegen / ein Mann schaufelt immer wieder Erde ins Erdloch, immer wieder im gesamten Stück / Mann schiebt eine Frau vor sich her, die nicht gehen will, sie macht Fingerspiele und Singt: ,,Mai dideldei, Papagei...", Mann legt Frau auf den Boden und legt Mäntel über sie, erst deckt er die Beine zu, später über Kopf, bis ihr Singen verstummt / Frau setzt sich in die Mitte auf den Boden und macht Sitztanz mit Armen, dabei schiebt sie sich langsam vorwärts auf Publikum zu / Frau schaut ins Publikum, sie sagt mit Männerstimme aus dem Off, ein Tänzer spricht für sie, die Frau macht nur Mundbewegungen: „ICH HEISSE VIKTOR. ICH BIN WIEDER DA. ICH MACHE AUCH DIE TÜR ZU, WENN ES ZIEHT'' / Mann zieht Frau auf Teppich raus / jeweils 2 Männer greifen durch die Beine der Frauen und tragen sie so nach vorne, die abgestellten Frauen laufen wieder zurück und werden wieder aufgenommen / Frauen greifen durch die Beine der Männer und tragen sie nach vorne, dann laufen die Männer wieder zurück nach hinten / Frau versteigert in englischer Sprache viele Gegenstände, die von Männern und Frauen gezeigt werden / 1 Frau trägt über sich ein Fell und steckt mit Händen vorne in Schuhen, es sieht aus, als ob ein 4-füßiges Tier über die Bühne geht / Frau mit Tisch und 2 Schüsseln, nimmt Salat und wringt ihn über den Schüsseln aus, ein Mann bügelt ein Handtuch neben ihr / Mann geht ins Publikum und verkauft Postkarten an das Publikum / Mann und Frau in Umarmung - eine 2te Frau stellt sich mit dem Rücken an den Rücken der Frau und der Mann begrabscht hinter dem Rücken seiner Frau die Brüste der 2ten Frau / Mann schnippt und eine Frau beginnt zu lachen, Mann schnippt - Frau hört auf, ein paar Mal / Dominique und Frau küssen sich, er lässt Wasser aus einer Flasche beim Küssen über die Gesichter fließen / GRUPPENTANZ- Schreittanz- alle tanzen als Paare durch die 5te Stuhlreihe durchs Publikum / Mann führt 2 lebende Schafe auf die Bühne / Mann steht am Mikrofon und ATMET / Nazareth bringt Sachen dem Schäfer, der sie aber nicht haben will / Nazareth zieht die Schafe wieder von der Bühne / GRUPPENTANZ geht seitlich beim Publikum ab / Mann spielt "Feuerdrache", zündet Feuerzeug zwischen seinen Fingern an und sagt: „Ich bin der Feuerdrache und komme dich zu töten" - spielt mit anderer Stimme: „Oh nein, bitte nicht" / Mann 1 schlägt Mann 2 / Mann fordert Frau auf ihn zu würgen / Frau schlägt Mann, Mann sagt: "Zack Zack, bum, wow" / Mann will den Träger eines Kleides einer Tänzerin flicken, es gelingt ihm aber nicht / Mann 2 will reparieren, aber auch er scheitert, er sagt: "Sie weint. Silvia weint" / Mann sagt ins Publikum: "Hallo Schätzchen" / Dominique im Mantel, Hut und Schal, steht nur da und schaut / Dominique führt eine Frau einem anderen Mann vor, sie macht einen Handstand vor ihm und Dominique zeigt die Beine und Po der Frau, Frau sagt ins Publikum: "Guten Abend", dann zieht sie ihren Mantel an, nimmt ihre Tasche und rennt am Publikum vorbei in den Zuschauerraum, dann kommt sie wieder, legt Mantel und Tasche ab, sagt wieder. "Guten Abend" ins Publikum (das ein paar Mal) / 2 Männer tragen eine Frau rückwärts auf ihren Schultern herein, es sieht aus als ob der Hintern vorgeführt werden soll, wie auf einem Tablett / Frau macht an Bühnenseite einen Kopfstand auf einem Kissen / Frau trägt einen Mann auf den Armen herein, sie fragt ihn: "How many money do you make?"- Er antwortet: ,,200", dann trägt sie den Mann wieder raus / Mann sitzt auf Stuhl, eine Frau zieht immer wieder ihren Kleidersaum über den Kopf des Mannes / Frau balanciert einen Korb auf ihrem Kopf / Frau begegnet einem Mann und dreht ihn einmal um in Selbstverteidigungspose, Mann bleibt zurück und ist erstaunt, dass so etwas mit ihm geschehen konnte / Männer halten eine Frau, ihren Kopf ihre Arme und Beine, sie blättert in einem Buch, sie sagt etwas in ein Mikrofon / Kellner mit Kaffekanne und Tasse auf Tablett und weißem Tuch auf dem Arm, rast mit einem anderen Mann quer über die Bühne / Frau geht schief zur Seite, sie wird von einem Mann dabei gehalten / Mann trägt Frau auf seinen Schultern, sie geht dabei in der Luft / Mann und Frau gehen schief zur Seite und ein Mann stemmt die beiden, dass sie nicht umfallen / Mann im Mantel und barfuß, Frau in Goldkleid und blauem Eimer gehen über die Bühne, Mann im Mantel bürstet die Haare der Frau, dann dreht er sie um und die Frau hält ihm die Füße einzeln hin = sieht aus wie Hufbeschlagung bei Pferden / Mann im feinen Anzug zersägt mit einer Kreissäge Bretter - ganz vornehm-elegante Dame mit großem Hut sammelt mit einem Papiertaschentuch imaginären Müll auf und rümpft die Nase und hält sich die Nase dabei zu / Nazareth nimmt aus einem Kühlschrank Pelzmäntel heraus / 2 Männer tragen einen Mann unter einem weißen Leinentuch auf einer Liege auf die Bühne, Mann sagt zum Liegenden: "Stand up" / ein Wecker schellt, Mann setzt sich auf und stellt Wecker ab / Mann ihn bayrischer Tracht beschaut sich die Erdwände und geht eine Leiter hinauf, der Liegende ruft: "Bring mir Kaffe mit, ach nein, bring mir Weizenmehl mit. Ach nein, bring mir doch Kaffee mit" / Frau spielt Akkordeon und singt dazu ein Lied, sie geht an die Seite des Publikums und spielt dort weiter / Mann als Dame in viel zu kleinen Stöckelschuhen, gibt Steine ins Publikum / Postkartenverkäufer wieder im Publikum / Mann am Mikrofon atmet / Dominique und Nazareth sitzen auf Stühlen, Nazareth sagt: "Du bist ja heute so gesprächig" (er sagt kein Wort), dann erzählt sie ein Märchen von einem Kind, das keine Eltern mehr hat und niemanden auf der Welt und die Welt ist zerstört und das Kind geht in den Himmel und sucht jemanden, findet aber nur den Mond, der ein faules Stück Holz ist und geht zur Sonne, die nur eine verwelkte Sonnenblume ist, es geht zu den Sternen, die aber nur goldene Mücken sind, dann geht es zurück zur Erde und steht an einem umgestürzten Hafen und ist ganz alleine auf der Welt / Frau mit Jackett auf Stuhl, sie spuckt sich abwechselnd Spucke auf die Jackett-Schultern / Frau quetscht ihre Brüste zusammen und presst sie nach oben und zeigt die Halbkugeln dem Publikum / 2 Männer tragen Frau gebeugt über ihren Arm nach vorne / Frau legt sich Kalbfleischstücke um ihre Zehen und schlüpft damit in Spitzenschuhe, dann tanzt sie (Szene aus PINA3D - Frau auf Zollverein) / Mann atmet ins Mikrofon / Mann gibt einem anderen Mann Kekse in die Finger, die Kekse aber schmeißt er auf den Boden, 1 Frau steht neben ihm, beide gehen im Gleichschritt ab / Paar raucht gemeinsam (Bruderschaftsrauchen mit verschränkten Armen) und pusten sich den Rauch über ihre Schultern, eine 2te Frau klaut dem Mann oder der Frau die Zigarette und raucht ganz schnell, und gibt sie wieder zurück / Frau stellt einen Origami-Vogel aus Papier auf und füttert ihn mit Brot / 2 Männer schütten einer Frau Wasser in den Mund, sie sitzt mit ausgebreiteten Armen auf einem Stuhl, vor ihr ein Eimer, die Frau spuckt Wasser aus, wie aus einem Wasserspender, die Männer machen sich abwechseln daran sich in dem Wasserstrahl der Frau zu waschen, Oberkörper frei, Arme, Beine, Füße, einer Frau werden die Füße erst gewaschen, dann gleich mit einem Feuerzeug abgeflammt, die Frau lacht ins Publikum / Mann spielt Klavier, ein anderer Mann deckt den Mann mit Mänteln ab, bis der Mann am Klavier nicht mehr zu sehen ist, der Mann aber spielt weiter / Mann und Frau umwickelt mit einem Mantel, tanzen fast nackt, über die Bühne / GRUPPENTANZ = Paare tanzen, auch alte Statisten-Herren tanzen mit den Tänzerinnen, in 3 Reihen hintereinander / alle Frauen stehen auf Stühlen und binden sich Schleifen in ihre Haare, davor sitzen Herren und schminken sich mit Lippenstift, Kajal, MakeUp und Puder mit Schminkspiegel / Mann als feine Dame blättert in einem Magazin / Mann malt einer Frau eine Strumpfnaht auf die nackten Beine / alte Statisten-Herren sitzen in 3ter Reihe / GRUPPENTANZ DER DAMEN zu dem Lied: "Mmmhhhh, du bist so wunderbar, mmmhhh, du bist so schön" / ein Mann als feine Dame und eine Frau rauchen / GRUPPENTANZ, ALLE = Armtanz zu dem Lied: "Putten on the Ritz", alle tanzen durch die 5te Reihe im Publikum / alte Statisten-Herren sitzen mit dem Rücken zum Publikum und schauen den Tänzern zu / Mann macht mit 2 Löffeln Musiktakt zur Musik, er spielt so lange bis das Publikum gegangen ist / ein Mann sagt: ,,PAUSE'' ///

PAUSE

Teil 2:

Frau will 2 Steine werfen, aber sie fallen ihr im Wurf aus der Hand / Mann schaufelt weiter Erde ins „Grab“ / Dominique mit Tuch über dem Kopf und in gebückter Haltung, sich an einem Stock festhaltend wankt als alter Zeremonienmeister über die Bühne / Julie Shanahan tanzt einen Armtanz / Mann bindet sich seine Beine zusammen, dann schwingt er sich an einem Stock über die Bühne im Kreis / Mann oben ohne, im Tüllrock und verbundenem Arm, wie Schwerverletzter, tanzt Bauchtanz / GRUPPENTANZ DAMEN = alle schleudern ihre langen Haare im Bogen hintereinander, Dominique als alter Tanzlehrer treibt die Gruppe an, er treibt die Frauen wieder nach hinten, wenn sie zu weit nach vorne gekommen sind / Mann hält Tuch vor Julie, die sich dahinter umzieht, das Tuch wird dann von 2 Männern an den Enden genommen und Julie tanzt, es sieht aus, als ob sie aus dem Tuch heraus tanzt, die Männer rauchen und erzählen sich was und lachen / Tanzlehrer flüstert Julie etwas zu / Julie steckt sieh eine Zigarette an / Frau sagt: "Ich heiße Elsa" - sie hüpft im Kreis über die Bühne und erzählt aus ihrer Familie: "Elsa hüpf, Elsa hüpf, Oma hatte blondes, weißes Haar, Elsa hüpf, Elsa hüpf..."/ Julie Shanahan im Mantel schreit einen Mann an: "Hau ab. Geh weg. Immer hinter mir." - dann ins Publikum: ,,Haut ab. Geht weg." / GRUPPENTANZ = Damen = Haare / Frauen werden wieder vom Tanzmeister angetrieben und zurück nach hinten geschickt / Licht im Zuschauerraum an, alle versuchen mit irgendwelchen Gegenständen die sie als Inseln benutzen über die Bühne zu kommen, wie über ein tiefes Wasser, auf Brettern, auf Stöcken, alle durcheinander, dann wieder Licht aus im Zuschauerraum / Licht runter auf der Bühne / Licht an im Zuschauerraum / Mann nimmt von Frau Haare und klemmt sie sich unter die Nase, wie einen Bart / Frau geht mit Pelzmantel an den Füßen gebunden über die Bühne, dann legt sie sich darauf / eine andere Frau legt sich neben sie und gurgelt mit Wasser (ein paar Mal, immer an anderen Orten auf der Bühne) / Mann zerschlägt eine Glasflasche in einer Plastiktüte mit zwei Steinen / Frau spricht stumm, nur Mundbewegungen zum Publikum (Was sagt sie?) / alter Tanzmeister Dominique treibt alle Männer von der Bühne / Frau mit Mikrofon = eine alte Tanzlehrerin, die entweder keine Lust oder völlig überarbeitet auf dem Stuhl lungert, verlangt von Tänzerin Positionen, Plies - die Alte hängt platt am Stuhl und sagt Sinniges / Mann hängt Arme und Beine in Schlaufen an die Wand, er selbst setzt sich auf einen Stuhl davor / 1 Frau links - 1 Mann rechts - er reibt sich im Schritt und sie reibt sich lüstern im Schritt, dann haben beide ihre Hände in der Hose und im Rock, dann geht Mann auf Frau zu, beide gehen ab / 1 Mann setzt sich an einen Tisch wie im Restaurant, 3 Damen wahrscheinlich Küche, Bedienung und Kassiererin rauchen an der Seite gelangweilt, überdrüssig, ohne Lust, genervte Angestellte, Mann bestellt etwas und die Bedienung bedient ohne wirkliche Freundlichkeit: "Bitte Kaffee"- ,,Kaffeemaschine kaputt" - "Spaghetti" - ,,Maria, Spaghetti" - die Bestellung geht von Frau zu Frau, aber niemand tut wirklich etwas / 2 Frauen strecken ihre Zungen heraus und fahren damit um ihre Münder, eine Frau sagt ins Publikum: "Last Night, real quick" / Tanzlehrer treibt Tänzer an richtig zu tanzen / Frau hält 2 Steine an ihren Kopf, durch den Spalt sieht sie ins Publikum, dann schreit sie ganz laut durch die Steine / 2 Frauen tanzen / Wiederholungen: eine Frau versteigert Sachen, 4 lebende Hunde / 1 Paar tanzt wie Bauchtanz (oder Lambada) / 3 x 2 Männer tragen Holzstäbe, in der Mitte hängen Frauen an ihren Armen, sie werden hin- und hergetragen / alle Frauen sitzen an Tischen mit Brötchen und weißen Decken, sie schmieren die Brötchen und diese werden dem Publikum gebracht und gereicht / alte Statisten-Herren sitzen am langen Tisch im Hintergrund und machen eine Weinrunde / Postkartenverkäufer geht durch das Publikum / es werden Ringe von Ringeturnern herabgelassen und 1 Mann hilft einer Frau an die Ringe zu kommen, dann schubst der Mann die Frau an, die Frau schaukelt hoch über den Köpfen des Publikums, später schaukeln 2 Frauen an den Ringen (das sieht wunderschön aus, leicht·und luftig) / GRUPPENTANZ = Hüfttanz - nur Männer, alter Tanzlehrer treibt die Männer wieder nach hinten / Mann im Bett, Mann 2 würgt den Liegenden bis er tot ist, dann klaut er dem Liegenden die Brille / alter Tanzmeister treibt alle von der Bühne / Frau mit den 2 Steinen schreit wieder / Mann stehend auf Drehstuhl, wird von Mann 2 hin- und hergedreht, wie vorgeführt / 12 Männer und 1 Frau in der Mitte halten eine Holzstange an der Kleider
aufgehängt sind (Frau als Kleiderständer) / Dominique und noch ein Mann tanzen zusammen einen Fuß-Knicke-Tanz, Nazareth schaut von der Seite zu / Nazareth läuft um die Männer herum / Musik aus, Frau schreit / Dominique wieder als seriöser Herr mit Hut, Schal und Mantel, er raucht eine Zigarette und setzt sich / es wird wieder Erde geschaufelt / Nazareth erzählt wieder das Märchen vom Kind, dass ganz alleine auf der Welt ist und zum Mond und zur Sonne geht / Julie kommt wieder mit rotem Kleid, ohne Arme auf die Bühne, steht in der Mitte und lächelt ins Publikum / Männer rollen Teppiche wieder aus, 1 Frau wird in einem Teppich eingerollt / Mann als feine Dame gibt 2 Steine ins Publikum / Mann und Frau am Boden liegend - es wird wieder im Liegen Hochzeit gehalten / der feine Herr wird wieder zum alten Tanzmeister / Mann schiebt Frau vor sich her, die Fingerspiele spielt und dazu singt: "Hei Mai, Papagei..." / wieder Versteigerung von Sachen / Frau setzt sich in die Mitte und beginnt wieder ihren Sitztanz mit Vorschieben nach vorne / alle setzen sich und wiegen ihre gesenkten Köpfe zur Musik und schieben sich nach vorne / Erde wird geschaufelt / ENDE ///

Applaus

 

 

http://www.pina-bausch.de

 

 

 


Ein Stück von Pina Bausch

In Koproduktion mit Teatro Argentina, Rom



Inszenierung und Choreographie Pina Bausch


Bühne Peter Pabst


Kostüme Marion Cito


Musikalische Mitarbeit Matthias Burkert


Dramaturgie Raimund Hoghe


Dauer 3h 15min



Musik
Italienische Volksmusik, Pjotr Tschaikowski, Dietrich Buxtehude, Antonin Dvořák, Aram Chatschaturjan, mittelalterliche Tanzmusik, New-Orleans-Musik, Tanzmusik der dreißiger Jahre...



Uraufführung 14. Mai 1986, Schauspielhaus Wuppertal



Gastspiele/Tourneen

1986 Rom 1987 Den Haag 1988 New York 1992 Venedig 1994 Lyon, Paris, Lissabon 1995 Tel Aviv 1996 Kopenhagen 1997 Frankfurt 1999 London 1999 Saitama 2001 Paris 2012 London

Aktuelle Besetzung
Wuppertal 2010



Probenleitung Wiederaufnahme: Daphnis Kokkino, Dominique Mercy, Robert Sturm

Ruth Amarante, Pablo Aran Gimeno, Rainer Behr, Andrey Berezin, Aleš Čuček, Silvia Farias Heredia, Scott Jennings, Barbara Kaufmann, Nayoung Kim, Daphnis Kokkinos, Eddie Martinez, Dominique Mercy, Thusnelda Mercy, Cristiana Morganti, Nazareth Panadero, Jean-Laurent Sasportes,
Franko Schmidt, Azusa Seyama, Julie Shanahan/Clémentine Deluy, Julie Anne Stanzak, Michael Strecker, Fernando Suels Mendoza, Aida Vainieri, Anna Wehsarg, Paul White, Tsai-Chin Yu




Dank an die Herren, die als Gäste in unserer Aufführung mitwirken.


Besetzung der Uraufführung »

Premiere 1986



Jakob Andersen, Anne Marie Benati, Bénédicte Billiet, Rolando Brenes Calvo, Antonio Carallo, Finola Cronin, Dominique Duszynski, Jean-François Duroure, Kyomi Ichida, Urs Kaufmann, Silvia Kesselheim, Ed Kortlandt, Beatrice Libonati, Melanie Karen Lien, Anne Martin, Dominique Mercy, Jan Minarik, Helena Pikon, Monika Sagon, Jean-Laurent Sasportes, Mark Sieczkarek, Julie Anne Stanzak, Francis Viet

 


eingestellt am: 27.05.2014