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Foto aus dem Film "WHEN ANIMALS DREAM" © Prokino Film-Verleih

 

Das Erstlingswerk WHEN ANIMALS DREAM, ein dänischer Werwolffilm von Jonas Alexander Arnby, kommt am 21. August 2014 in die deutschen Kinos. Ein Film basierend auf dem Drehbuch von Rasmus Birch, der auch eher als Neuling eingestuft werden kann Ein Horrrofilm aus Dänemark – geht das?

Von Dietmar Wolfgang Pritzlaff

Es geht nur bedingt. Ein Horrorfilm, Horrorschocker oder sogar Horrorsplatterfilm ist WHEN ANIMALS DREAM nun wirklich nicht. Eher ein ungewöhnlicher, poetischer  Gruselfilm, der an Filme erinnert, wie: LET THE RIGHT ONE IN (in den deutschen Kinos war der Film unter dem Titel SO FINSTER DIE NACHT zu sehen) von Tomas Alfredson aus Schweden oder NOSFERATU – PHANTOM DER NACHT von Werner Herzog. Beides Filme die man gleichfalls besser als Grusel- anstatt Horrorfilm betitelt, und mehr Drama als Horror bieten.

WHEN ANIMALS DREAM ist ein Film mit wunderschön bebilderten Szenerien: Landschaften und Räume in trüb-grauen Farben spiegeln das Innenleben der Protagonisten wieder. Ein atmosphärisch dichter Film mit Spannung bis zum Schluss.

Ein Fischerdorf am nördlichsten Ende von Dänemark. Marie (Sonia Suhl, in ihrer ersten Hauptrolle), 16-jährig, verschlossen und einsam, lebt mit ihren Eltern in einem abgelegenen Haus. Maries Mutter ist von einer seltsamen Krankheit befallen. Sie bekommt schwere Medikamente  und sitzt dadurch völlig geistesabwesend im Rollstuhl. Der Vater und Marie kümmern sich um die Mutter.

 


Foto aus dem Film "WHEN ANIMALS DREAM" © Prokino Film-Verleih

 

Eines Tages entdeckt Marie Male auf ihrem Körper und es wachsen ihr Haare auf diesen Malen. Sie weiß nicht was mit ihrem Körper geschieht und sucht den Hausarzt der Mutter auf, der sie gründlich untersucht. Doktor Larsen (Stig Hoffmeyer) verschreibt auch Marie die Medizin der Mutter, aber Marie will die Medikamente nicht einnehmen. Später versuchen der Vater und der Doktor Marie eine Spritze zu geben. Marie befreit sich und läuft fort.

Marie beginnt eine Arbeit in der Fischfabrik. Fische ausnehmen und zerteilen. Dabei lernt sie Daniel (Jakob Ofterbo) kennen. Die beiden verlieben sich ineinander, sehr zum Missfallen von Felix (Mads Risom), einem weiteren Kollegen in der Fischfabrik, der Marie einige derbe Streiche spielt.

Anscheinend weiß das ganze Dorf über die schwere Krankheit der Mutter Bescheid.
Es müssen Absprachen getroffen worden sein. Die Dorfbewohner lassen die Familie in Ruhe, dafür muss die Krankheit mit den Medikamenten behandelt und unterdrückt werden. Einige Hausbesuche vom Arzt bei der kranken Mutter ruft eine Gruppe Dorfbewohner auf den Plan. Sie suchen die Familie auf und wollen sicher stellen, dass die Mutter wirklich behandelt wird. Und auch Marie soll behandelt werden.

Die Dorfgemeinschaft schickt eine Gruppe Männer aus, um Marie zu jagen. Nur Daniel hält unbeirrt zu ihr und will die Nacht bei Marie bleiben, aber die Jäger sind der „Bestie“ schon auf der Spur.

Unheimlich und gruselig. Unheimlich schön und es gibt auch vereinzelte Schrecksekunden und Überraschungen. WHEN ANIMALS DREAM ist kein vordergründiger Horrorfilm, sondern fein gesponnenes Gruseldrama. Die Musik wird nur dezent eingesetzt und hört sich an, wie ein ewiger Wind der vom Meer übers Land weht.

Die Rollen sind hervorragend besetzt. Vom neuen „Sternchen“ bis zum alteingesessenen Star ist alles vertreten. Sonia Suhl spielt die Marie „verstört“ gut. Mal melancholisch, mal frustriert, mal launisch, mal eingeschüchtert, aber immer einhundert Prozent präsent.

Der Vater, gespielt von Lars Mikkelsen, ein Star in Dänemark, darf in diesem Film mit Zurückhaltung brillieren und seine Geste sagt mehr als Worte. Und auch die anderen Schauspieler zeigen in ihren oft kleinen Szenen große Kunst.

Mit ruhigen aber eindringlichen Bildern erzählt Regisseur Jonas Alexander Arnby in seinem Spielfilmerstling WHEN ANIMALS DREAM eine Jugendgeschichte für Erwachsene.

Allerdings ist das Sujet mehr als fraglich. Am Ende hilft Daniel Marie und wie geht es dann weiter? Beißt sie sich durch und bleibt mit Daniel zusammen oder zerbricht die Beziehungen doch noch an der „Krankheit“, die ja noch nicht „geheilt“ ist.

Man darf diesen Plot nur in diesem Werwolf-Film werten und nicht versuchen darin eine Metapher zu sehen, denn dann müsste man einem Serienkiller zur Seite stehen, auch wenn er gerade erst gemordet hat oder einem Kinderschänder nach frischer Missetat noch die Hand schütteln.

Also lassen wir das Umdeuten und Nachhaken, denn die Bestie hat ja nur die „Bösen“ angefallen, die Marie gejagt hatten und auf diese Bösewichte kann man ja verzichten. Allerdings sind es ja nur einfache Mitbürger. Alles in allem erlebt man einen guten Film, der unterhält, spannend und ungewöhnlich gefilmt ist.

 

Trailer zum Film:

http://www.when-animals-dream.de/

 

2) Lars Mikkelsen-Fan-Seite

http://www.lars-mikkelsen.de/filme/when-animals-dream.php

 

Marie – Sonia Suhl
Far, Maries Vater – Lars Mikkelsen
Mor, Maries Mutter – Sonia Richter

Daniel – Jakob Ofterbo
Felix – Mads Riisom
Esben – Gustav Dyekjaer Giese
Bjarne – Esben Dalgaard
Dr. Larsen    Stig Hoffmeyer

Regie – Jonas Alexander Arnby
Drehbuch – Rasmus Birch
Kamera – Niels Thastum
Setdesign – Sabine Hviid
Kostüm – Jane Whittaker
Make-UP – Thomas Folderber, Louise Hauberg, Morten Jacobsen
Regieassistenz – Eigil Jacobsen
Ton – Sylvester Holm
Tonschnitt – Frank Molgaard Knudsen
Schnitt – Peter Brand
Originalmusik – Mikkel Hess
Produzenten – Christoffer Boe, Ditte Milsted, Caroline Schlüter, Jacob Jarek, Tine Grew Pfeiffer


eingestellt am: 02.07.2014