Online-Redaktion: liesmichnet.de



Foto: Masurca Fogo Ensemble © Ulli Weiss

 

Von Dietmar Wolfgang Pritzlaff

Das Stück aus dem Jahr 1998 hatte damals noch im Schauspielhaus Wuppertal Premiere. Das Haus ist wegen Sparmaßnahmen geschlossen worden. Zur Zeit denkt man über ein neue Verwendung nach: Eventuell wird das Tanzzentrum NRW mit Tanzarchiv dort entstehen.

Gern rund um den Globus gespielt und immer wieder begeistert gesehen: Pina Bauschs MASURCA FOGO. Eine Zusammenarbeit mit der EXPO 98 Lissabon und dem Goehte-Institut Lissabon.

Die Reisen der Pina Bausch und ihres Ensembles waren schon oftmals Anlass, die Eindrücke und Erlebnisse ferner Länder in die entstehenden Werke miteinfließen zu lassen.

Im Jahre 1982 wurde zum ersten Mal der Versuch der Zusammenarbeit mit dem Holland-Festival unternommen. Das Stück, das dabei herauskam war WALZER.
Es folgten die Werke im Jahr 1986 – VIKTOR – Ein Stück von Pina Bausch
in Zusammenarbeit mit dem „Teatro Argentina“ und der Stadt Rom und 1989 –PALERMO PALERMO – Ein Stück von Pina Bausch
in Zusammenarbeit mit dem „Teatro Biondo“, Palermo und Andres Neumann International.
Später folgten noch zahlreiche andere Zusammenarbeiten, z. B. mit Wien, Madrid, Los Angeles u.v.a.

Wer aber nach dem Portugal in dem Stück MASURCA FOGO sucht, findet es nicht plakativ vorgeführt. Eher sind es kleine Gesten und Aha-Erlebnisse, die dem Zuschauer portugiesisches Lebensgefühl nahebringen.

Eine MASURCA ist ein polnischer Volkstanz im Dreiertakt. FOGO heißt auf Portugiesisch „Feuer“ – also das „Masurca Feuer“.

Kapverdische Musik, portugiesische Trommelmusik und einige Fado-Lieder erklingen. Eine Felsenlandschaft, die wie ein Lavastrom aus einem weißen Guckkasten zu fließen scheint, geschaffen von Peter Pabst, wird zur Sonneninsel. Badeschönheiten räkeln sich in Badeanzügen auf Handtüchern.

Wasser ist ein großes Thema in diesem Stück. Es wird in einer, von zwei Männern gehaltenen durchsichtigen Folie, geplanscht, gerutscht und geschwommen. Frauen kühlen sich mit Wasser ab, bespritzen sich aus Eimern und Schüsseln oder spielen selbst Springbrunnen und spucken einen Strahl Wasser, wie aus einem Wasserspeier. Die bespuckten erfrischen sich an dem kühlen Nass.

Eine Tänzerin sitzt in einer Wanne voll Schaum und wäscht Teller in dem Wasser. Eine Frau holt nur mit den Zähnen Äpfel aus einer Schüssel Wasser. Eine Blumenvase wird in den Saum eines Kleides mit samt der Blumen gegossen.

Eine Tänzerin übersetzt die Wörter Bein, Rücken und Wirbelsäule ins Portugiesische.

Das war eigentlich schon alles Portugiesische, welches direkt zum Land Bezug nimmt.

Viele Solotänze bestimmen das Stück. Hier können sich die einzelnen Tänzer und Tänzerinnen richtig austoben. Es gibt (leider nur) einen Gruppentanz der allerdings zweimal aufgeführt wird. Dieser Gruppentanz wurde weltberühmt durch den Pedro Almodovar-Film SPRICH MIT IHR aus dem Jahr 2002. Der Gruppentanz ist das Schlussbild des Films, wird allerdings im Film vor einem bewachsenen Felsen getanzt, ein Bühnenbild aus Pina Bauschs WIESENLAND.

Der Tanzabend MASURCA FOGO ist leicht und unbekümmert. Es gibt viel zu grinsen und zu lachen. So leicht und schön kann Leben sein. Nicht vergessen, aber in den Hintergrund getreten, sind die Lebens- und Liebeskämpfe zwischen Mann und Frau. Auch in diesem Stück sind sie gegenwärtig, aber in geringerer Dosis. Man ist stolz und verteidigt sich. Man will zusammenkommen und bleibt doch distanziert, um dann doch wieder das andere Geschlecht zu suchen.

 


Foto: Masurca Fogo • Michael Strecker und Regina Advento © Gert Weigelt

 

MASURCA FOGO ist luftig und lustig. Viele Geschichten der Tänzer und Tänzerinnen amüsieren das Publikum. Es darf also gelacht werden. So zählt eine Tänzerin ihre Kleidung auf und von wem sie stammen. Ein Tänzer treibt ausgelassen Schabernack mit einem anderen Tänzer.

Aber das Stück ist auch sexy, zeigt nackte Haut und bespricht Anzüglichkeiten. Ein Mann sagt: „Der Orgasmus hat drei Phasen. Phase 1 ist negativ: „Oh nein, oh nein, oh nein.“ Phase 2 ist positiv: „Oh ja, oh ja, oh ja.“ Phase 3 ist metaphysisch: „Oh Gott, oh Gott, oh Gott.“

Und das Publikum staunt, dass man in Windeseile aus ein paar Brettern und Balken eine Hütte zum Feiern fertigstellen und drin tanzen kann. Platz ist in der kleinsten Hütte, sagt und sieht man. Unglaublich, dass alle in dieser Bretterhütte tanzen und feiern können und die Zuschauer haben ihren Spaß daran und würden am liebsten mitfeiern.

Das Schlussbild wird von der aufblühenden Natur bestimmt. In Zeitraffer zeigt ein Film Blüten, die sich in den schönsten Farben öffnen und dem Licht entgegenstreben. Dazu liegen die Tänzer und Tänzerinnen auf dem Bühnenboden, kuscheln und streicheln sich. Ein zärtlicheres Schlussbild als dieses, gibt es selten auf deutschen Bühnen zu sehen. Das Stück bleibt auch nach 13 Jahren jung und frisch und kann wieder und wieder aufgeführt werden.


MASURCA FOGO – Ein Stück von Pina Bausch
wird im Opernhaus Wuppertal an folgenden Tagen zu sehen sein:

Jetzt schnell sein und noch vorbestellen. Der Vorverkauf hat schon seit dem 29. Januar 2015 begonnen. Es lohnt sich!

 

Masurca Fogo
Ein Stück von Pina Bausch



In Koproduktion mit der EXPO 98 Lissabon und dem Goethe-Institut Lissabon

Inszenierung und Choreographie Pina Bausch


Bühne Peter Pabst


Kostüme Marion Cito


Musikalische Mitarbeit Matthias Burkert, Andreas Eisenschneider


Mitarbeit Marion Cito, Irene Martinez-Rios, Jan Minarik 


Dauer 2h 30min




 

Besetzung Uraufführung 1998

Regina Advento, Ruth Amarante, Rainer Behr, Stephan Brinkmann, Raphaelle Delaunay, Chrystel Guillebeaud, Daphnis Kokkinos, Beatrice Libonati, Dominique Mercy, Jan Minarik, Cristiana Morganti, Nazareth Panadero, Jorge Puerta Armenta, Anne Rebeschini, Julie Shanahan, Michael Strecker, Fernando Suels, Aida Vainieri, Michael Whaites 



 

Besetzung Wuppertal 2012


Probenleitung Wiederaufnahme
Barbara Kaufmann, Dominique Mercy, Robert Sturm



Ruth Amarante, Regina Advento, Pablo Aran Gimeno , Rainer Behr, Andrey Berezin, Aleš Čuček, Silvia Farias Heredia , Ditta Miranda Jasjfi, Daphnis Kokkinos, Dominique Mercy, Cristiana Morganti, Nazareth Panadero, Jorge Puerta Armenta, Franko Schmidt, Azusa Seyama, Julie Shanahan, Michael Strecker, Fernando Suels Mendoza, Anna Wehsarg



Musik Balanescu-Quartett, Tangomusik mit Gidon Kremer, Fado, kapverdische Musik, portugiesische Trommelmusik mit Rui Junior, brasilianischer Walzer, diverse Percussion-Musik, Jazz mit Duke Ellington und andere 

Uraufführung 4. April 1998, Schauspielhaus Wuppertal 



Gastspiele/Tourneen
1998 Lissabon, Berlin 1999 Paris, Barcelona 2000 Istanbul, Sydney, Palermo, Sao Paulo 2001 Hong Kong, Paris, New York 2002 London, Tokyo, Otsu 2003 Seoul, Ludwigsburg, Brüssel 2004 Ottawa 2007 Santiago de Chile, Moskau, Taipeh 2008 Lissabon, Essen 2009 Paris

Infos zu den Pina Bausch-Stücken auf:
http://www.pina-bausch.de/

Infos/Fotos zu dem Stück MASURCA FOGO:
http://www.pina-bausch.de/stuecke/masurca_fogo.php

 

13., 14., 15., 17., 18., 19. Juni 2015
VOLLMOND
Wuppertal, Opernhaus
Vorverkaufsbeginn: 20. April 2015
Dauer ungefähr 2 h 20

25., 26., 27., 29., 30. Juni 2015
KONTAKTHOF
Wuppertal, Opernhaus
Vorverkaufsbeginn: 30. April 2015
Dauer ungefähr 2 h 50

 


eingestellt am: 03.02.2015