Online-Redaktion Read-me-Net




Der speziell für Düsseldorf erarbeitete Band "Düsseldorfer Erinnerungsorte" versammelt über 120 dieser "Orte" aus Architektur, Geschichte, Kunst, Literatur, Musik, Brauchtum und Glaube 
© Landeshauptstadt Düsseldorf/Uwe Schaffmeister




Ein Teil der insgesamt 43 Autorinnen und Autorin stellte die neue Publikation
"Düsseldorfer Erinnerungsorte" vor © Landeshauptstadt Düsseldorf/Uwe Schaffmeister


Pressebericht: 20.03.2018 von Valentina Meissner

Nach dem Konzept des französischen Historikers Pierre Nora können "Erinnerungsorte" sowohl tatsächliche Orte (wie z.B. Museen, Denkmäler oder Kirchen) sein als auch Personen, Ereignisse oder Abstrakta, die eine identitätsstiftende Funktion besitzen. Der speziell für Düsseldorf erarbeitete Band "Düsseldorfer Erinnerungsorte" mit Beiträgen von 43 Autoren versammelt über 120 dieser "Orte" aus Architektur, Geschichte, Kunst, Literatur, Musik, Brauchtum und Glaube – von A wie Aktion Rheinland über K wie Königsallee, W wie Worringen 1288 und T wie "Tote Hosen" bis zu Z wie ZERO. Damit bietet das Buch quasi einen Rundumblick auf die Essenz dieser Stadt.

 



Brauereiausschank "Schlüssel" auf der Bolkerstraße
© Stadtarchiv Düsseldorf/Alois Ege


Angeregt durch den französischen Historiker Pierre Nora, der mit seinen Forschungen zu den französischen "lieux de mémoire" in vielen europäischen Ländern eine Diskussion über "Erinnerungsorte" initiierte, sind in den letzten Jahren auch in Deutschland mehrere Publikationen erschienen, die das Thema auf unterschiedlichen Ebenen behandeln. Der Begriff des "Erinnerungsortes" scheint zunächst schwierig, denn er umfasst viel mehr als reine Orte. Natürlich können zum Beispiel Museen, Denkmäler oder Kirchen Erinnerungsorte sein, aber auch Institutionen oder Persönlichkeiten, mythische Gestalten, Rituale, Bräuche oder Ereignisse können sich so in das Gedächtnis einer Gruppe von Menschen einschreiben, dass sie zu identitätsstiftenden Erinnerungsorten werden. Diese kollektiven Erinnerungen existieren bei kleinen Menschengruppen (wie Familien oder Vereinen) bis hin zum "Gedächtnis von Nationen", also sollten sie wohl auch bei den Bewohnern und Bewohnerinnen einzelner Städte zu finden sein.



Herstellung von Mostert bei der Firma ABB, Düsseldorfs ältester Senffabrik 
© Stadtarchiv Düsseldorf

 

Ausgehend von dieser Überlegung stieß die damalige Vorsitzende des Düsseldorfer Geschichtsvereins (DGV), Dr. Susanne Schwabach-Albrecht, gemeinsam mit dem Leiter des Düsseldorfer Stadtarchivs, Dr. Benedikt Mauer, Ende 2014 ein Buchprojekt an, das dieses Thema speziell für Düsseldorf beleuchten sollte. Über mehrere Verteiler wurde ein Fragebogen an viele Düsseldorferinnen und Düsseldorfer verschickt. Das Ergebnis war inspirierend, und zahlreiche der genannten Begriffe haben entweder über eigene Artikel oder durch Erwähnung in größeren Beiträgen Eingang in den Band "Düsseldorfer Erinnerungsorte" gefunden, den die Herausgeber Dr. Benedikt Mauer (Stadtarchiv) und Dr. Enno Stahl (Heinrich-Heine-Institut) nun vorstellten.

 



Blick über Königsallee und Stadtgraben (Postkarte, gelaufen 1955)
© Stadtarchiv Düsseldorf


Das reichlich illustrierte Buch mit Beiträgen von 43 Autorinnen und Autoren versammelt in 15 Kapiteln über 120 "Düsseldorfer Erinnerungsorte" aus den Bereichen Topographie, Wirtschaft, Architektur, Geschichte, bildende und darstellende Kunst, Gartenstadt, Literatur, Bildung, Musik, Brauchtum, "Legenden" und Glaube. Joseph Beuys findet darin ebenso seinen Platz wie Robert und Clara Schumann, Peter Kürten oder der Schneider Wibbel, der Rhein und die Rheinkirmes. Mit dabei sind außerdem der Düsseldorfer Musikverein und die DEG genauso wie das LVR-Klinikum Grafenberg, Karneval und "der Schreibtisch des Ruhrgebiets". Absoluter Favorit bei den Umfragen waren übrigens wenig überraschend die Kö, die Altstadt und Heinrich Heine, die selbstredend auch Eingang in das Buch gefunden haben.

 



Die Toten Hosen - Okie Dokie - Neuss 15. Februar 1983 
© Heinrich-Heine-Institut/Richard Gleim

 

Die dunklen Seiten der Stadtgeschichte werden selbstverständlich nicht ausgespart, sie sind Teil der städtischen Identität. Natürlich kann auch dieses Buch keinen Anspruch auf Vollständigkeit erheben, aber die daran beteiligten Autorinnen und Autoren sind davon überzeugt, zentrale, Generationen übergreifende Fixpunkte dessen dargestellt zu haben, was "Düsseldorfer Identitäten" ausmacht. Dabei legten sie Wert darauf, nicht gängige "Klischees" darzustellen, sondern auch noch relativ junge mit der Stadt verknüpfte "Erinnerungsorte" zu präsentieren, die bisher vielleicht nur Spezialisten bekannt sind, aber das Potential haben, zukünftig für Düsseldorf zu stehen, Teil der städtischen Selbst- und Außenwahrnehmung zu werden.Das Buch wendet sich an alle, die sich für die Stadt und ihre Geschichte interessieren. Wissenschaftlich fundiert wird ein breites Panorama aufgefächert, das essayistisch angelegt ist.



Das Heine-Denkmal von Bert Gerresheim am Schwanenmarkt 
© Heinrich-Heine-Institut Düsseldorf

 



Die Mannschaft von Fortuna Düsseldorf nach dem Gewinn
der Westdeutschen Meisterschaft 1966
© Stadtarchiv Düsseldorf/Jürgen Retzlaff

 



Stadterhebungsmonument von Bert Gerresheim am Burgplatz,
Ecke Müller-Schlösser-Gasse (1988)
© Jürgen Wiener

 

 


eingestellt am: 22.03.2018