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SEIT SIE • Ensemble © Julian Mommert

 

Tanztheater Wuppertal Pina Bausch

Von Dietmar Wolfgang Pritzlaff

Das Stück SEIT SIE könnte von Pina Bausch selbst sein. Sofort kommt Pina Bauschs erstes Werk FRITZ von 1974 in den Sinn. Dieses Stück kenne ich selbst nur von einem alten Videomitschnitt, der im Cinemaxx Wuppertal zu „Pina40 – 40 Jahre Tanztheater Wuppertal Pina Bausch“ gezeigt wurde.
Schon in ihrem ersten Stück zeigt sie genau das, was ihre Fans weltweit lieben. Auch dieses Werk ist mysteriös, unheimlich und voller düsterer Spannung.

Der Choreograph Dimitris Papaioannou ist bekennender Bausch-Fan. Er hat nicht nur eine großartige Hommage auf Pina Bauschs Werk geschaffen, sondern führt ihr Werk auf brillante liebevolle Weise weiter.
Die vielen Stühle und Tische zum Beispiel zitieren immer wieder Bausch-Werke. „Café Müller“, „Kontakthof“, „Nelken“ und „Bandoneon“ kommen in den Sinn. Ein Baum wird getragen, wie im Stück „wie das Moos auf dem Stein“ von 2009, Pina Bauschs letztes Werk.

Das erste abendfüllende Werk eines Fremdchoreographen nach Pina Bauschs Tod ist von Stille erfüllt, die man aushalten soll und muss. Das Publikum ist bis zum Schluss dermaßen in Spannung versetzt von der unheimlichen, bedrückenden Atmosphäre, dass man meint alle würden den Atem anhalten und das für fast eineinhalb Stunden.
Das Stück SEIT SIE beinhaltet kein Sprechtheater, dafür lange stille Zeiten und nur ganz wenig eingesetzte Musik. Töne werden durch Mikrofone von den Tänzern und Tänzerinnen erzeugt, die mal tiefbrummend, mal hochfiepend die Bühne erfüllen.

Das Bühnenbild ist schwarz. Boden, Wände und auch ein begehbarer Berg von Schaumstoffplatten im Hintergrund sind grauschwarz. Verstreut umherliegende Schaumstofffetzen auf dem Boden erinnern zunächst an Kohle- oder Schieferstücke. Eine Reminiszenz an das nahe bergische Land mit seinen Schieferdächern und an das Ruhrgebiet mit seinem Kohlecharakter?

Die Kostüme der Tänzerinnen und Tänzer tragen dunkle Anzüge und Kostüme. Nur manchmal erscheinen die Damen in hellen Kleidern oder tragen braune schwere Mäntel.

In diesem neuen Werk gibt es wieder Typen zu bestaunen. Als ob die Tänzer und Tänzerinnen wieder sie selbst sein und ihre Aufgaben aus sich selbst heraus fließen lassen dürfen.
Man wüsste gerne, ob die gleiche Fragen-Methode wie zu Zeiten Pina Bausch in den Proben zu diesem Stück geführt haben.
Die Szenenaufgaben passen zum jeweiligen Charakter. Es gibt eine kleine zarte Tänzerin, die sich mit einem großen Baum abmühen muss. Überhaupt muss viel hin und her bewegt werden. Wie aus Pina Bauschs Werk „Ein Trauerspiel“.
Eine andere Grand Dame des Tanztheaters darf nur schön in Gold an eine Wand gelehnt sein. Ein Tänzer zeigt hier wirklich alles von sich. Zwar war Nacktheit auch immer bei Pina Bausch wiederkehrendes Thema, doch so konsequent holt es jetzt nur der Gast-Choreograph Dimitris Papaioannou aus dem Ensemble heraus.

Der Zuschauer muss/darf/kann sich an Nacktheit satt sehen. Vielleicht etwas zu viel für manche Gemüter, wenn ein Tänzer nackt über die Bühne geht mit Glocken unter seinem Gemächt. Wie Kuhglocken beim Almabtrieb läutet es auf der Bühne. Man sieht Glocken neben des Tänzers „Glocken“. Aber das ist kein Skandal, kein Aufreger, sondern ein Bild voller bizarrer Schönheit. Der Zuschauer wird dem Glockenspiel ausgesetzt und spürt selbst eine innere Befangenheit, Beklemmung und auch eine Belustigung. Aber richtig lustig wird das Stück nie. Nur ab und zu gibt es einen Lacher. Zum großen Teil bleibt das Publikum unter düsterer Spannung und Anspannung. Die ganzen 80 Minuten hindurch, denn leider ist das Stück nicht länger. Als Pina-Bausch-Fan wünscht man sich endlosere Stücke. Aber wenn dieses Stück SEIT SIE zu Ende ist dann ist das eine runde Sache und man staunt über all das, was in den 80 Minuten auf der Bühne passiert ist.

Eine andere Szene wäre unter Pina Bauschs Federführung wohl so nie auf die Bühne gekommen: Ein Tänzer spritzt Sperma aus einer Fleischwurst in eine Glasschale. Dann wird auch noch der Fleischwurstpenis in Stücke zerhackt, dem Sperma untergerührt, gebacken und dem Mann in einem Hundenapf auf dem Boden serviert. Der isst brav auf und darf dafür seinen Kopf minutenlang in den Schoß einer Tänzerin legen.

Apropos Tanz! In diesem Stück wird nicht getanzt. Stimmt nicht so ganz. Ansatzweise werden zwei Gruppentänze begonnen, aber nicht lange weitergeführt. Wie formulierte es Pina Bausch einmal: „Alles ist Tanz, ist Bewegung.“ Wie recht sie hat. So sind elegante Kunstgänge, galante Drehungen um sich selbst, schwungvolle Bewegungen der Haare oder ein sich-Hinuntergleiten vom Schaumstoffberg zu beobachten und zu bestaunen. Mal in Zeitlupe, mal in schneller Bewegungsfolge.

Einen merk- und denkwürdigen Titel hat das Stück erhalten. War man bei Pina Bausch gewohnt erst einmal gar keinen Titel zu haben und erst später zu betiteln, gab es hier dieses ungewöhnliche SEIT SIE schon zur Uraufführung.
Was soll es bedeuten? SEIT SIE, die umjubelte Choreographin, von uns ging im Jahre 2009? SEIT SIE, Pina Bausch, ihr erstes Stück in Wuppertal inszenierte? SEIT SIE das Tanztheater in die Welt brachte? SEIT SIE viele gefeierte Stücke in Wuppertal auf die Bühne brachte? SEIT SIE, die Tänzer und Tänzerinnen des Tanztheater Wuppertal, auf sich gestellt sind?

Die Fortführung der Bauschen Tanztheater-Gedanken ist vollaufgegangen. Dieses Werk könnte eine von Pina Bausch angeregte Auftragsarbeit eines Kollegen sein.

Danke, Dimitris Papaioannou, der sich getraut hat, dem Ensemble wieder neuen Glanz und Stärke durch dieses Stück einzuhauchen und dem Altbewährten zu huldigen.

Dafür gab es viel Applaus und erst zögerliche, dann euphorische Bravorufe und stehende Ovation im Wuppertaler Opernhaus. Man kann sich nur wünschen, dass dieses Werk nicht das Einzige von Dimitris Papaioannou für das Tanztheater Wuppertal bleibt. Mit so einem glanzvollen Stück scheint die erfolgreiche Zukunft des Tanztheaters absolut gesichert.

 

Ein Tänzer streckt seinen Arm durch den linken Bühnenaufgang, in der Hand einen schwarzen Stuhl (könnte aus „Café Müller“ stammen) und stellt ihn auf die Bühne, stellt sich auf den Stuhl, ihm werden weitere Stühle aus dem Off angereicht und der Mann stellt weitere Stühle auf, Frauen und Männer steigen über diese Stühle und bauen sich eine Brücke zur anderen Seite, die Frauen auf ihren wackeligen hohen Absätzen balancieren an den Herren vorbei und geben weitere Stühle nach vorne, der letzte Tänzer baut die Stühle hinter sich wieder ab und gibt sie nach vorne weiter, dabei schauen die Damen und Herren immer wieder ernst und prüfend ins Publikum, das Licht im Zuschauerraum verlöscht ganz langsam dabei/ Zur gleichen Zeit werden an der rechten Seite Stühle ineinander verhakt gestapelt/ Ein Mann richtet einem zweiten die Krawatte/

 


SEIT SIE • Scott Jennings © Julian Mommert

 

Ein Mann stellt einen Stuhl mit der Rückenlehne auf den Boden, hockt sich dann auf die Unterseite des Stuhls, richtet sich balancierend langsam auf und steht/ dazu spielt ein Saitenmusikstück/
Eine Frau begeht den Schaumstoffberg/ Ein Mann zieht zweiten liegenden Mann am Anzugkragen über die Bühne/ eine Frau zieht einen Baum an seinem Wurzelwerk über die Bühne, dann zieht sie ihn auf den Schaumstoffberg und „pflanzt“ ihn oben auf/ ein Mann zieht einen Stuhl über die Bühne/ ein anderer Mann zieht einen Tisch über die Bühne/ der balancierende Mann fällt mit Stuhl auf den Boden/ ein Mann breitet die langen Haare einer liegenden Tänzerin auf dem Boden aus, dann zieht er ihren Arm aus ihrem Mantel und schneidet mit einer Schere ihr Kleid auf, eine Frau stellt sich mit Gläsern und einer Flasche über den Kopf der Liegenden, stellt die Gläser auf das lange ausgebreitete Haar und füllt die Gläser aus ihrer Flasche, 2 Männer schauen dabei zu, dann zieht ein Mann die Liegende samt Gläsern auf ihren Haaren ein Stück über die Bühne/ ein Mann zieht wieder einen zweiten liegenden Mann am Kragen über die Bühne/ ein Mann zieht einen anderen Mann auf einen Tisch/ eine Frau sitzt neben dem Baum auf den Schaumstoffberg/ Zwei Männer ziehen sich langsam schwarze Lederhandschuhe an/ ein Mann führt einen Verfolgerscheinwerfer/ zwei Frauen in braunen schweren Mänteln gehen über die Bühne/ eine Frau mit einer Kuhglocke trinkt ein Glas Wasser/ ein Mann hat große Pappröhren in jedem Hosenbein und im Ärmel damit stakt er steif über die Bühne, zieht seinen Kopf ein zwischen den Schultern, dann stützt er sich auf die Röhren, der Mann stellt die Röhren auf seine Schuhe und zieht seinen Pullover über seinen Kopf, dann zieht er seine Jacke aus, steigt aus seiner Jacke heraus, ein anderer Mann mit Scheinwerfer verfolgt ihn über die Bühne/
Ein nackter Mann liegt auf der Seite auf einem Tisch, fünf Frauen hocken sich hinter den Tisch, ein Mann drapiert die langen Haare der Frauen über den Nackten, dann ziehen alle Frauen gleichzeitig ihre Haare vom Nackten, kriechen unter den Tisch und pfeifen ein Hinterher-Pfeifen/

 


SEIT SIE • Ensemble © Julian Mommert

 

der nackte Mann stellt sich hin und die Frauen halten abwechselnd schwarze Pappstücke vor sein Geschlecht, vor die Brust, vor ein Bein/ eine Frau hält eine Mandarine vor sein Geschlecht, der Mann steigt in eine Hose, eine Frau klatscht zweimal ein Pappstück auf seinen Hintern/ eine Frau hält eine lange Pappe vor ihren Unterleib, darunter ragen 4 Frauenbeinpaare hervor, die Frau sieht aus als ob sie 8 Beine hätte, die Beine legen sich mal nach links, mal nach rechts und gehen ein Stück/ ein Mann sitzt auf einem Stuhl, ein anderer Mann auf seinem Schoß und macht in der Luftgehbewegungen/ eine Frau zieht einen Mann an/ ein Mann zieht einen Mann aus und tut so, als schneide er mit einer Säge den Kopf des Mannes ab, der Kopf wird unter den Arm geklemmt und über die Bühne geschleppt/ zwei Männer halten jeweils einen Stuhl mit den Stuhlbeinen nach vorne vor sich und stoßen damit zusammen, es sieht aus wie Hirsche, die mit ihren Geweihen kämpfen, dann werden weitere Stühle übereinandergestapelt und damit gekämpft/ Männer wirbeln an den Achseln untergehakte Frauen um Stühle und setzen sie wieder nach einer Runde darauf/ eine Frau steht auf umgedrehtem Tisch, andere Frauen schieben sie, wie auf einem Floß über die Bühne/ ein Mann zieht eine Frau an einem Stock, dreht sie auf dem Boden zu Walzermusik/ Frauen und Männer stehen sich gegenüber, die Frauen stoßen Stühle in Richtung der Männer („Café Müller“)/

 


SEIT SIE • Franko Schmidt © Julian Mommert

 

ein Mann schlägt zwei Becken zu einem Tusch zusammen/ eine Frau auf dem Schaumstoffberg lässt Schaumstofffetzen und ihre langen Haare in einem Luftstrom fliegen/ eine Frau hält sich ein Becken hinter den Kopf und geht über die Bühne/ ein nackter Mann schiebt sich kopfüber vom Schaumstoffberg herunter/ ein Mann legt den Baum auf dem Schaumstoffberg um und hackt die Zweige vom liegenden Baum ab/ eine Frau „sattelt ihr Pferd“: einem Mann auf allen Vieren legt sie einen Stuhl auf den Rücken und stellt sich dann auf den Rücken des Mannes, der krabbelnd die Frau hinausbalanciert/ ein Mann wirft eine Decke über eine Frau auf dem Schaumstoffberg/ ein Mann auf dem Berg macht sich den Oberkörper frei/

 


SEIT SIE • Ensemble © Julian Mommert

 

alle Frauen und Männer tauchen auf dem Berg auf, sie legen sich auf den Berghang und schieben sich langsam rücklings hinunter, eine Dame geht dazwischen stehend langsam herunter, unten angekommen ziehen sich alle wieder an/ ein Mann auf dem Berg schlägt sich mit einem abgehackten Zweig auf Brust, Rücken, Arme/ ein Mann sitzt auf einem Stuhl auf der Bühne und lässt mit einem Mikrofon Töne entstehen/ eine Frau zieht einen Stuhl über die Bühne/ eine Frau zieht einen zweiten Baum am Wurzelwerk über die Bühne und wieder den Schaumstoffberg hoch, sie pflanzt ihn wieder auf den Berg/ eine Frau schleppt abgehackte Zweige vom Berg und legt sie auf die Bühne/ ein Mann zieht einige in sich verhakte Stühle über die Bühne/ eine Frau steht in schwarzen Stiefeln auf der Bühne, ein Mann legt sich hinter die Frau, fasst ihre Knöchel mit den Händen, stemmt sich in die Luft und schiebt die Frau über die Bühne/ ein Mann schiebt einen umgedrehten Tisch über die Bühne/

 


SEIT SIE • Breanna O'Mara © Julian Mommert

 

Männer halten abgehackte Zweige vor sich, eine Frau versteckt sich in dem „kleinen Dschungel“, schaut mal unter einem Zweig her und lässt Arme und Beine hervorlugen, sie findet eine Mandarine im Dschungel und isst davon/ eine Frau sitze wieder neben dem Baum auf dem Berg, eine zweite Frau legt sich auf den Berghang, zwei Männer decken sie mit Zweigen zu/

 


SEIT SIE • Scott Jennings und Ensemble © Julian Mommert

 

ein Mann schiebt einen Tisch mit in Papier eingehüllten Mann auf die Bühne, alle wickeln den Mann aus dem Papier, lautes Papierknistern laut aus den Lautsprechern/ die Frau auf dem Berg mit Zweigen zugedeckt, schiebt sich vom Berg herunter/

 


SEIT SIE • Ensemble © Julian Mommert

ein nackter Mann steckt mit seinen Armen in zwei langen Pappröhren und stakt damit über die Bühne, zwischen seinen Beinen baumeln Glocken, wie Kuhglocken vor seinem Geschlecht/

 


SEIT SIE • Julie Anne Stanzak © Julian Mommert

eine Frau setzt sich eine Maske mit nach den Seiten gedrehten Hörnern auf/ eine Frau in schwarzem Kleid stellt sich an die rechte Bühnenwand, ein Mann streicht ihr über ihr schwarzes Kleid, an den Stellen die der Mann berührt wird aus dem schwarz Gold, später steht sie ganz in goldenem Dress an der Wand/

 


SEIT SIE • Scott Jennings und Breanna O'Mara © Julian Mommert

der nackte Mann hält den Kopf einer Frau auf seiner Handfläche, wie bei „Mummenschanz“, schwebt der Kopf auf seiner Hand, der Nackte spielt mit dem Frauenkopf, hält ihn zwischen seinen Füßen und hält die Haare der Frau vor seine entblößte Scham, der Nackte setzt die Maske mit den Hörnern auf/ eine Frau legt den Kopf in den Nacken und legt sich Geldstücke auf ihre Augen, dann hält sie ihren Kopf nach vorne, beide Geldstücke fallen auf den Boden/ mehrere nackte Frauen- und Männerleiber liegen übereinander vor dem Schaumstoffberg/ eine Frau in foliiertem Papierkleid steht auf der Bühne, Männer wedeln mit Pappstücken Wind unter das Papierkleid, die Frau bewegt sich hin und her, es sieht aus als ob die Frau hin und her schweben, gleiten würde/ ein Mann zieht eine nackte Frau vom Berg/ die Frau in Goldkleid lehnt links an der Bühnenwand, ein Mann streicht über ihr goldenes Kleid und die gestreichelten Stellen werden wieder schwarz/ ein Mann dreht ein Papier-Spanferkel an einem Spieß/ ein Mann legt den zweiten Baum um, hebt ihn an und wirft ihn hinter den Schaumstoffberg/ zwei große Tische werden zusammengestellt, es gibt einen Wasserhahn und eine breite Fläche zum Hacken und Backen, eine Frau zieht sich schwarze Handschuhe an, andere Frauen leihen der Behandschuhten ihre Arme, ein Mann schreitet mit einer Fleischwurst in besonderem Hackengang über die Bühne zu dem Tisch der Damen, eine Frau nimmt dem Mann die Wurst ab und hält sie als Penis vor seinen Unterleib, dann streicht eine Frau mit ihren Händen über den Wurstpenis und lässt „Sperma“ in eine Glasschüssel spritzen, eine andere Frau mixt das Sperma in der Schüssel und gibt sie in eine Backform, dann wird der Wurstpenis mit einem langen Messer zerhackt und in die Backform gegeben, eine Frau stellt sich über die Backform auf den Tisch, dann schwingt sie sich wieder auf die Bühne, füllt das Gebackene und rührt in der Backform, dann füllt sie alles in einen Hundenapf und lässt den Wurstmann auf allen Vieren aus dem Napf „fressen“, wie einen Hund, später bekommt er dafür seine Belohnung: er darf seinen Kopf in ihren Schoß betten/ ein Mann wirft eine Küchenpapierrolle durch die Luft, rennt auf die Bühne und fängt die in der Luft sich abrollende Rolle wieder auf/ ein Mann schlägt mit den Becken wieder einen Tusch/ ein Mann wirft Teller vom Berg auf die Bühne, andere Männer fangen sie auf/ ein GANZ KURZER GRUPPENTANZ, der wie ein Sirtaki ausschaut: Männer und Frauen zeigen ihre nackten Beine, die Männer haben ihre Hosen hochgeschoben, Frauen ziehen ihre Kleider nach oben/ der Mann mit den Pappröhren in der Hose und Ärmeln stakst wieder über die Bühne/ ein zweiter GANZ KURZER GRUPPENTANZ: Männer machen einen Tanzschritt, als Abschluss klappern sie mit ihren Hacken zusammen/

 


SEIT SIE • Oleg Stepanov © Julian Mommert

 

ein Mann spielt mit Pappröhren die mit einer Leine verbunden sind, zeigt damit immer andere Figuren, schlüpft durch ein Dreieck hindurch und legt sie zu einem Quadrat zusammen/ eine Frau tanzt einem Mann etwas vor/ an einem Tisch wird eine Feier abgehalten, Frauen und Männer stehen drum herum, trinken, essen, lachen und unterhalten sich/ eine Frau legt sich Mandarinenstücke auf ihre Gliedmaßen und lässt einen Mann die Stücke von ihrer Schulter, Arm, Bein und Nacken essen/ Papprollen werden auf die Bühne nebeneinander gelegt, verteilt, umgedrehte Tische werden darauf hin und her geschoben, gerollt/ 2 Männer wippen auf umgedrehten Tisch den Berghang hinunter, Frauen schauen dabei zu/ alle Frauen stehen auf einem umgedrehten Tisch auf den Papprollen, keiner schiebt ihr „Floß“ an, sie machen Ruckelbewegungen und der Tisch ruckelt langsam über die Rollen, die Männer schauen nur zu, die Frauen lachen, denn sie schaffen es auch ohne männliche Hilfe, zurück schiebt ein Mann den mit Frauen und Männern vollen Tisch über die Rollen, es knirscht laut/ eine Frau schiebt sich rücklings vom Berg herunter/ ein Mann rollt mit einem Brett über die Papprollen/ eine Frau stellt einen Köcher mit langen Stäben auf die Bühne, Männer stechen die Stäbe durch ihr Kleid/ ein Mann balanciert wieder auf einem umgedrehten Stuhl/ eine Frau hält sich ein Pappröhren-Tetraeder über ihren Oberkörper, dreht sich damit und geht über die Bühne/ zwei Frauen auf dem Schaumstoffberg stechen Holzstäbe in das Haar einer dritten Frau/ eine Frau steht erhöht mit einem überlangen Kleid, sie überragt alle/ ein Mann hält einen umgedrehten Stuhl, eine Frau liegt auf der Unterseite, es scheint als schwebe die Frau/ ein Mann liegt auf der Bühne, eine Frau schiebt einen umgedrehten Tisch auf den Mann, dann steigt sie auf die Tischunterseite und lässt „das Schiff“ wackeln/ ein Mann befreit die Frau mit den Stäben im Haar von den Stäben/ ein Mann und eine Frau stehen sich gegenüber und ziehen sich gegenseitig aus, die anderen Tänzer und Tänzerinnen versuchen Stäbe zwischen ihnen zu drapieren, das Paar bewegt sich langsam aufeinander zu, die Stäbe brechen/ eine Frau rollt nur mit ihren Füßen über die Papprollen/ ein Mann balanciert wieder auf der Lehne eines umgedrehten Stuhls, dazu wird wieder Saitenmusik gespielt/ eine Frau mit Mikrofon und einem Glas in der Hand und ein Mann mit Mikrofon und einer Pappröhre lassen Töne entstehen, ein Rauschen und ein Fiepton/ alle stellen Stühle auf die Bühne und gehen wieder ab/ die Frau auf den Rollen, „rollt“ mit ihren Füßen auf den Pappröhren hin und her/ ein Mann stellt sich auf einen Stuhl und versucht alle herumstehenden Stühle auf seinen Rücken zu stapeln, fast alle Stühle hat er schon gestapelt, da fällt er auf die Bühne und die Stühle krachen auf den Boden/ Licht langsam aus/ ENDE


SEIT SIE © Julian Mommert

 

SEIT SIE – Neues Stück 1- 2018 von Dimitris Papaioannou
mit dem Tanztheater Wuppertal Pina Bausch

in Koproduktion mit Théâtre de la Ville / La Villette, Paris
Sadler’s Wells, London 
Holland Festival, Amsterdam
Onassis Cultural Centre-Athens, Athen

Gefördert durch die Kunststiftung NRW

Termine
Opernhaus Wuppertal
12.05.2018
13.05.2018
15.05.2018
16.05.2018
18.05.2018
19.05.2018
20.05.2018

Termine
Holland Festival
Amsterdam
20.06.2018
21.06.2018
22.06.2018

VVK
16.03.2018
Tickets

Konzipiert, visualisiert und inszeniert
Dimitris Papaioannou

Bühne
Tina Tzoka

Kostüme
Thanos Papastergiou

Licht Design
Fernando Jacon
Stephanos Droussiotis

Sound Design
Thanasis Deligiannis

Musik Arrangement
Thanasis Deligiannis
Stephanos Droussiotis

Künstlerische Beratung
Tina Papanikolaou
Stephanos Droussiotis

Probenleitung
Barbara Kaufmann

Plastiker
Nectarios Dionysatos

Mitarbeit Kostüme
Rike Zöllner

Künstlerische Photographie
Julian Mommert

Musik
Christos Constantinou
Richard Wagner
Charles Ives
Johann Sebastian Bach
Aram Khachaturian
Gustav Mahler
Giya Kancheli
Marika Papagkika
Wayne King
Leo Rapitis
Manos Achalinotopoulos
Sergei Prokofiev
Giuseppe Verdi
Tom Waits

Dauer
1h 20min, keine Pause


SEIT SIE • Dimitris Papaioannou © Julian Mommert

 

SEIT SIE (2018) / von DIMITRIS PAPAIOANNOU / trailer auf Vimeo.

 

Das Neue Stück I ist die erste abendfüllende Kreation eines Gastchoreographen für das Tanztheater Wuppertal Pina Bausch und für Dimitris Papaioannou die erste Arbeit für ein anderes Ensemble.
1964 in Athen geboren und von Haus aus bildender Künstler, feierte Dimitris Papaioannou seine ersten Erfolge als Maler und Comiczeichner, bevor er sich mehr und mehr der darstellenden Kunst widmete und als Regisseur, Choreograf und Performer sowie als Bühnenbildner, Kostüm- und Lichtdesigner arbeitete. 1986 gründete er das Edafos Dance Theatre, das die griechische Kunstszene nachhaltig prägte. Internationale Bekanntheit erlangte Papaioannou, als er die Eröffnungs- und Schlussfeier der Olympischen Sommerspiele in Athen 2004 inszenierte. Das Universum, das Papaioannou seit dreißig Jahren auf der Bühne zu erschaffen versucht, lässt sich als traumähnlicher, absurder Zirkus beschreiben. Menschliche Körper werden zum Schlachtfeld, interagieren mit rohem Material, verschmelzen zu Hybridwesen und bringen optische Täuschungen hervor. Seine insgesamt 23 Produktionen decken die gesamte Bandbreite von intimen Stücken bis hin zu Großereignissen mit mehreren Tausend Darstellern ab. Er tourte durch Europa, Südamerika und Asien.

 

Aktuelle Besetzung

Tänzer*innen
Ruth Amarante, Michael Carter, Silvia Farias Heredia, Ditta Miranda Jasjfi, Scott Jennings, Milan Kampfer, Blanca Noguerol Ramírez, Breanna O’Mara, Franko Schmidt, Azusa Seyama, Ekaterina Shushakova, Julie Anne Stanzak, Oleg Stepanov, Julian Stierle, Michael Strecker, Tsai-Wei Tien, Ophelia Young

Uraufführung
12. Mai 2018
Opernhaus Wuppertal

 

Weitere Infos zum Tanztheater Wuppertal Pina Bausch:
www.pina-bausch.de



eingestellt am: 14.05.2018