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Vorstellung der neuen Intendantin und Künstlerischen Leiterin Adolphe Binder
des Tanztheater Wuppertal Pina Bausch bei der Pressekonferenz
zur Spielzeit 2017/2018 am 09.06.2017 im Opernhaus Wuppertal
Foto © Dietmar Wolfgang Pritzlaff

 

von Dietmar Wolfgang Pritzlaff

Der Beirat des Tanztheaters Wuppertal Pina Bausch hat in seiner Sondersitzung am 13. Juli 2018 beschlossen, sich von der Intendantin Adolphe Binder zu trennen. Diese Entscheidung ist leider notwendig geworden, um die Handlungsfähigkeit dieser einzigartigen kulturellen Einrichtung wiederherzustellen. Der Beirat erwartet von Stadt und Land, dass ein dem künstlerischen Anspruch des Tanztheaters Wuppertal Pina Bausch entsprechender Übergang gefunden wird. Der Beirat würdigt die künstlerischen Impulse, die Adolphe Binder für die neuen Stücke gegeben hat. Der Beirat nimmt zur Kenntnis, dass der Geschäftsführer des Tanztheaters, Dirk Hesse, nicht für eine weitere Amtszeit zur Verfügung steht und daher zum 31.12.2018 seine Tätigkeit beenden wird. Der Beirat dankt Dirk Hesse für seine herausragenden Leistungen für das Tanztheater.
Der Beirat erwartet von der Geschäftsführung, dass spätestens im September 2018 der Spielplan für die kommende Spielzeit 2018/2019 vorgelegt wird. Dieser Spielplan soll geeignete Stücke aus dem herausragenden Werk von Pina Bausch umfassen sowie die beiden neuen Stücke von Dimitris Papaioannou und Alan Lucien Øyen, die bei den langjährigen Produktionspartnern Sadlers Wells Theatre, London, und Théâtre de la Ville, Paris, gezeigt werden. Außerdem soll bei der Spielplangestaltung das 10. Todesjahr von Pina Bausch berücksichtigt werden und zugleich das zehnjährige Bestehen des Pina Bausch Archivs.
Der Beirat wird einen Prozess der kritischen Reflexion und Weiterentwicklung des Tanztheaters einleiten. Dieser Prozess soll durch ein Expertengremium begleitet und moderiert werden, dem herausragende Fachleute aus dem In- und Ausland angehören. Bereits jetzt hat sich Alistair Spalding, London, bereit erklärt dort mitzuwirken. Dieser Prozess soll dazu dienen, gemeinsam mit dem Ensemble das künstlerische Profil der Compagnie und des Tanztheaters zu sichern und weiterzuentwickeln. Darüber hinaus sollen Vorschläge für die Neugestaltung der Führungs- und Leitungsstruktur erarbeitet und den zuständigen städtischen Gremien zur Entscheidung vorgelegt werden. Im Rahmen dieses Prozesses soll auch das Anforderungsprofil für die zukünftige künstlerische Leitung entwickelt werden. Dieses soll sowohl die Bewahrung und Pflege des künstlerischen Erbes und des Werkes von Pina Bausch als auch die künstlerische Weiterentwicklung der Compagnie als bedeutendes Ensemble des zeitgenössischen Tanzes beinhalten.
Der Beirat erwartet die Ergebnisse dieses Prozesses bis Ende dieses Jahres, um danach die notwendigen Entscheidungen zur Umsetzung gemeinsam mit den zuständigen Partnern in Stadt und Land treffen zu können.
Der Beirat bekennt sich – gemeinsam mit der Stadt Wuppertal und dem Land NRW – zum Tanztheater Wuppertal Pina Bausch und wird sich mit aller Kraft für dessen gesicherte Weiterentwicklung einsetzen. Darüber hinaus wird er – ebenfalls in enger Abstimmung mit Land und Stadt – daran mitwirken, das Pina Bausch Zentrum im Wuppertaler Schauspielhaus zu errichten und zu verwirklichen.

Die genauen Umstände der fristlosen Entlassung der Intendantin Binder werden wohl nie ganz der Öffentlichkeit bekannt werden. Allerdings soll Binders Gegenspieler, ausgerechnet der Geschäftsführer der Tanztheater Wuppertal Pina Bausch GmbH, Dirk Hesse, sein. Es ist ein offenes Geheimnis, dass er gegen Binders Berufung war. Er habe – so ist aus gut informierten Kreisen zu erfahren – von Anfang an versucht, die Arbeit der neuen Intendantin zu behindern. Formal ist Hesse Binders Vorgesetzter. Der schwelende Konflikt zwischen den beiden hat sich nun voll entladen. (schreibt die die Deutsche Welle)


RP Online schreibt:
1) Kritik an der inhaltlichen Arbeit
2) Umgang mit Absprachen
3) Verhalten Binders gegenüber Mitarbeitern
4) kein neuer Spielplan 2018/2019

5) Bei den Vorwürfen geht es um Mobbing und um Binders Führungsstil. Von herabsetzenden und sexistischen Äußerungen ist die Rede. (Der Tagesspiegel)

6) Schon zu ihrer Zeit in Göteborg soll es zu Mobbing gekommen sein. (Deutschlandfunk)

7) Neben diesem Vorwurf einer offensichtlichen Verletzung ihrer Pflichten als Intendantin gibt es Vorwürfe aus dem Ensemble, Vorwürfe von Mobbing, herabsetzenden Äußerungen, sexistischen Bemerkungen, von autoritärem und diskriminierendem Benehmen. (Frankfurter Allgemeine) 

 

1)
Die Tänzer*innen waren Anfang der Woche selbst an die Öffentlichkeit gegangen und hatten sich in einer Erklärung "von jeglicher öffentlicher Anklage, die sich auf Annahmen, Interpretationen und unvollständige Recherche stützt, und möglicherweise Personen oder unsere Leitung beschädigt" distanziert.

2)
Einige der Tänzer haben sich inzwischen aber hinter ihre Intendantin gestellt. Niemand habe mit ihnen geredet, aber trotzdem werde im Namen der Tänzer gesprochen, erklärte etwa Michael Strecker gegenüber der „Wuppertaler Rundschau“.

3)
In jedem Fall gab es wohl einen Spielplan, bestätigt auch Nazareth Panadero, "nur war der von der Geschäftsführung nicht akzeptiert". (Deutsche Welle)

4)
Bis heute habe die Leiterin des Tanztheaters von Pina Bausch keinen abnahmefähigen Spielplan für die kommende Saison vorgelegt. Das könne man auf der Website des Theaters verfolgen, außerdem sei die jährliche Spielzeit-Konferenz "sang- und klanglos ausgefallen".
Sie habe erst eine Spielzeit bestritten und zwei Uraufführungen präsentiert. Eine sei "ganz, ganz schwierig" und "ein schlechter Abklatsch von dem gewesen, was Pina Bausch gemacht hat", so Wiebke Hüster. (Deutschlandfunk Kultur)



eingestellt am: 14.07.2018