Online-Redaktion Read-me-Net



Foto: Oleg Stepanov und Ensemble • © Klaus Dilger

 

BLAUBART. Beim Anhören einer Tonbandaufnahme von Béla Bartóks Oper „Herzog Blaubarts Burg“ – Ein Stück von Pina Bausch wurde am 08. Januar 1977, also fast genau vor 43 Jahren, mit einem der längsten Titel der Theatergeschichte uraufgeführt.
1981 wurde das Stück als Wiederaufnahme und 1993 nochmals als Neueinstudierung in Wuppertal gezeigt.
Es ist das achte Stück, welches Pina Bausch in Wuppertal auf die Bühne brachte und es ist eines ihrer „radikalsten“ Werke überhaupt, so die Beschreibung der Wuppertaler Bühnen.

Von Dietmar Wolfgang Pritzlaff

Radikal, weil kaum getanzt wird und wenn dann in Bauscher Manier. Radikal, weil Stücke aus der Oper ständig wiederholt werden. Radikal, weil der Kampf der Geschlechter auf nie gesehene Art und Weise gezeigt wird.

Wie reagierten die Zuschauer 1977 das Stück?
Ablehnend, Kopf schüttelnd und sie buhten das Stück aus. Für die damalige Zeit war das Stück einfach zu modern, zu anders, um als Tanzabend übertitelt zu werden.
Es wurde nach dem Tanz eines Ballett-Ensembles und nach dem roten Faden einer Geschichte gesucht, aber die Zuschauer wurden nur bedingt fündig.

Die Oper „Herzog Blaubarts Burg“ enthält eine Geschichte: Judith folgt Blaubart auf dessen Burg. Sie öffnet sieben Türen. Zur Folterkammer, zum Waffenarsenal, zur Schatzkammer, zu einem blutigen Garten, zu einem riesigen Reich, zu einem Tränensee und zu den früheren geliebten Frauen Blaubarts. Judith reiht sich in die Riege der „abgelegten“ Frauen ein. Blaubart ist wieder mit sich allein.

 


Foto: Emma Barrowman • © Dr. Heinrich Brinkmöller-Becker

 

Was bietet davon Pina Bauschs Stück?

Die Zuschauer bekamen stattdessen ein Stück zu sehen, das Bilder sucht, die von dem Innen- und Zusammenleben, von Mann und Frau, von Blaubart und seinen Frauen erzählen.
Dabei werden die Frauen gezerrt, herumgeschleudert, festgehalten und gestemmt. Die Frauen kreischen und schreien ihren Frust heraus, oder hören gar nicht mehr auf zu lachen.
Blaubart „vergewaltigt“ ein fahrbares Tonbandgerät, um immer und immer wieder, dieselben Stellen aus der Oper „Herzog Blaubarts Burg“ laut durch den Theatersaal dröhnen zu lassen.
Das erinnert entfernt an Samuel Becketts Stück „Das letzte Band“, in dem sich ein älterer Herr Tonbänder von früheren Zeiten anhört, vor und zurückspult.
Für damalige Verhältnisse ein nicht auszuhaltendes Stück. Man war es einfach nicht gewohnt keinen Tanz vorgesetzt zu bekommen, dafür aber das Bausche Tanztheater in früher Experimentierphase vor die Nase gesetzt zu bekommen.
Es kommen Tänze in dem Stück vor, aber das war wohl auch für die 1970er Jahre neu. Wilde Bewegungen und kein klassisches Ballett. Kein gestrecktes Füßchen, keine gezierten Verdrehungen, keinen Spitzentanz.

Und heute? Wie wurde das Stück heute aufgenommen?
Hat das Stück noch die Kraft, wie vor 43 Jahren?


Und ob. Der BLAUBART zerrt noch immer an den Nerven des Zuschauers. Keine leichte Kost und schon gar nicht ein Stück in dem man sich genüsslich zurücklehnt und genießt.
Eher ist es eine Studie über die ersten Schritte von Pina Bausch als Choreografin in Wuppertal. Eine Studie über ihre Arbeits- und Sichtweise. Für diejenigen, die das gesamte Werk von Pina Bausch begreifen wollen, für die ist das Stück eine Erleuchtung, eine Erklärung für ihren weiteren Werdegang. Das Stück lässt viele Assoziationen und Interpretationen zu.

 


Foto: Ensemble • © Klaus Dilger

 

Pina Bausch hat in ihren Tanztheater-Stücke schon vieles ausprobiert, wie: das Aushalten von Ruhe, Stille und Stillstand.
In BLAUBART lotet sie die Geduld des Zuschauers aus. Wieviel Gewalt kann man ertragen, wie viele Wiederholungen von den immerzu zurückgespulten Musikfetzen?
Das Stück dauert zwar nur rund zwei Stunden und ist damit eines von Pina Bauschs kürzeren Werken, aber es zerrt an den Nerven der Zuschauer, ist eine Geduldprobe, ein Aushalten, ein Ertragen. Ohne eine Pause. Das Stück muss ertragen werden. Eine Erholung zwischendurch ist nicht vorgesehen, ein davor Weglaufen gibt es nicht.

BLAUBART ist kein dekoratives Schmuckstück, wie es zum Beispiel die Bauschen Werke VOLLMOND oder WIESENLAND darstellen.
BLAUBART geht an die Substanz der Zuschauer und an die Substanz der Tänzer und Tänzerinnen. Verstörend und zugleich tief berührend.
Es ist ein „schmutziges“, intensives und unter die Haut gehendes Stück.
Auch die Kostüme sehen heruntergekommen, schmuddelig und abgenutzt aus.
Die Herren tragen dunkle Anzüge, die Damen tragen keine farbenfrohen Hingucker, sondern schlichte in gedeckten Farben gehaltene Kleider. Dunkle Farben. Grau, braun, dunkelblau, wenige tragen auffallende Farben.

 


Foto: Ensemble • © Evangelos Rodoulis

 

Die Bühne ist zwar ein weiß-gestrichener Raum mit Fenstern und Türen, aber es geht keine freundliche Atmosphäre von ihr aus. Sie ist eher kalt, abweisend und bedrohlich. Blaubarts Burg ist ein verlassener Ort mit dreckig verschmierten Fensterscheiben, fleckigen Wänden und abgebrochenen Fliesen. Der Raum wirkt, als ob über die Zeit der Wind Herbstlaub hineingefegt hat.

Der Bühnenboden ist mit Blattlaub locker bestreut. In dem Laub wälzen sich die Tänzer*innen. Sie ziehen sich an Beinen und Armen durch das Laub. Und alle Tänzer*innen sind im ganzen Stück barfuß und gehen, laufen, schreiten durch das raschelnde Laub.

Zärtlichkeiten werden gesucht, werden schon mal innig, aber werden immer abrupt beendet. Die Männer konkurrieren untereinander. Stellen sich zur Schau und in Pose. Die Damen kämpfen um die Gunst der Herren. Alle wollen die Schönste sein, die Begehrteste. Das wilde, brutale Aufeinanderprallen der Geschlechter wird in vielen Kampfszenen sichtbar.

Da sitzt schon mal ein Mann auf dem Schoß einer Dame oder eine Frau wird in eine Ecke mit einem fahrbaren Tonbandgerät gedrängt und eingequetscht.
Die Herren „hängen“ die Damen an die Wände. In den Wänden sind kleine Öffnungen angebracht für Füße und Hände. Die Damen scheinen vor der Wand in luftiger Höhe zu schweben.

Für die aufwändige Rekonstruktion und Neueinstudierung des Werks sind Barbara Kaufmann, Héléna Pikon und als Gäste Beatrice Libonati und Jan Minarik verantwortlich. Jan Minarik spielte in der Uraufführung 1977 die Hauptrolle des Blaubart. Er wurde einer der wichtigsten Tänzer des Pina Bausch-Ensembles und heiratete 1981 seine Kollegin Beatrice Libonati.

 


Foto: Tsai-Chin Yu und Oleg Stepanov • © Klaus Dilger

 

Als neuer Blaubart brilliert der in Russland geborene Tänzer Oleg Stepanov, der seit 2016 dem Ensemble angehört. Er füllt die tragende Hauptrolle gebührend und auf seine Art neu aus. Geheimnisvoll und unnahbar.
Die Rolle der Judith wird von Tsai-Chin Yu getanzt. Kraftvoll und zugleich zerbrechlich. Sie wurde in Taiwan geboren und gehört dem Ensemble seit 2008 an.

Das Stück endet mit Blaubarts Gram über den Tod der achten Frau. Er liegt auf dem Rücken, zwischen seinen Beinen liegt Judith. Er schiebt sich mit dem leblosen Körper Judiths durch das Laub über die Bühne, bis er mit ihr im Hintergrund liegen bleibt.
Blaubart klatscht in die Hände: alle anderen Tänzer*innen erstarren in ihren Bewegungen. Blaubart klatscht: alle anderen bewegen sich wieder. Blaubart klatscht... Das Licht verlöscht langsam.

Einen Augenblick Ruhe, danach gibt es kein Halten mehr: Die Zuschauer applaudierten. Bravorufe, stehende Ovation. Kein Skandal mehr, kein Ausbuhen. Die Bauschen Werke sind eben doch völlig zeitlos und werden auch kommende Generationen begeistern und tief berühren.

 

Eine Tänzerin in einem roten Kleid spielt Judith, sie liegt am Boden, beide Arme in die Höhe gestreckt, Blaubart im Mantel sitzt vor einem Tonbandgerät, das in einem fahrbaren Gestell untergebracht ist / Blaubart geht zu Judith und legt sich auf ihren Bauch / Judith mit Blaubart schiebt sich auf dem Rücken über den Boden durch das verstreute Laub, immer wieder springt Blaubart auf, läuft zum Tonband, stoppt das Tonband, lässt es die gleiche Stelle immer und immer wieder abspielen, läuft dann zu Judith und legt sich wieder auf ihren Bauch / Judith steht auf und sitzt auf einem Stuhl vor dem Tonbandgerät, Blaubart setzt sich auf ihren Schoß, Judith kippt hinter ihm vom Stuhl, ihre Beine bleiben auf dem Stuhl zurück / Eine Prozession, einige Tänzer*innen gehen vornüber gebeugt, Hand in Hand über die Bühne (wie ein Trauerzug) / eine Tänzerin zieht vereinzelte Frauen aus der Prozession, stellt sie auf Bühne, damit Blaubart sie ansehen und mustern kann / die Tänzerinnen neigen ihre Häupter und streichen ihre langen Haare vornüber, die Gesichter sind nicht mehr zu sehen / Judith bedient das Tonbandgerät, kniet vor Blaubart und senkt ihren Kopf in Blaubarts Schoß, Judith greift mit einer ausgestreckten Hand nach oben und streicht über Blaubarts Gesicht, er wehrt diese Geste ab / der „Trauerzug“ geht ab / Frauen liegen vor den Wänden und halten eigene Haarsträhnen hoch / Judith krallt sich fest an Blaubart, er schleift sie durchs Laub / Blaubart liegt am Boden, die Frauen neigen sich und bilden mit ihren langen Haaren einen „Wasserfall“ über ihn / Judith tanzt ein Solo / ein Mann steht schwer atmend vor dem Publikum / die Frauen halten einzelne Haarsträhnen mit beiden Händen in die Luft / alle rennen vor die Wände und prallen mit ihren Körpern ab / kleine Ruhepause / die Männer sitzen an den Wänden, die Frauen stehen vor ihnen, sie ziehen die Männer an den Beinen auf die Bühne, diese schieben sich schnell wieder in die sitzende Position / die Frauen nehmen die Hände der Herren, diese ziehen sie aber schnell wieder zurück / die Frauen umarmen die Herren, ihre Haare hängen über den Schultern der Männer / die Frauen schieben die Männer rückwärts über die Bühne / die Frauen laufen vor den Männern weg, um sofort wieder auf sie zu zurennen und zu umklammern / die Männer sitzen auf dem Boden, die Frauen ziehen sie hoch, die Männer lassen sich wieder auf den Boden zurückfallen / ein Paar kämpft miteinander / die Frauen lassen sich mit Gestöhn auf die Bühne fallen / die Frauen erklimmen die Wände, sie stehen mit einem Fuß in kleinen Ausbuchtungen, es sieht aus, als ob sie vor den Wänden schweben, sie klauben Fusseln von den Wänden / Blaubart trägt Judith auf einer Hand durch den Raum / Frauen ziehen sich Barockkleider an und alle zupfen an Blaubart herum / „Trauerzug“ der Männer: sie gehen gebeugt Hand-in-Hand über die Bühne / Frauen sitzen auf dem Boden und rutschen an Blaubart heran, der versucht den Frauen auszuweichen / alle Frauen lassen sich zu Boden gleiten und rufen glücklich aus: „Danke Dir! Danke Dir!“ / Blaubart steht auf und Judith klammert sich wieder an ihn / Frauen schieben sich sitzend durch das Laub, dabei sagen sie immer wieder: „Danke Dir! Danke Dir!“ / der „Trauerzug“ der Männer geht wieder über die Bühne / Judith tanzt Solo / die Frauen nehmen eine Hand der Herren, sie schieben in einem Schwung die Hand in Richtung der Herren, die Herren verbeugen sich vor den Damen / die Frauen sagen mit hohen Stimmen: „Danke Dir! Danke Dir!“ / ein Mann lässt seine Hosen runter vor der hinteren Wand / ein Mann schreit und fällt immer wieder in ein Kissen / Blaubart richtet eine Frau auf, sie aber fällt immer wieder zu Boden / ein Mann schreit: „Ich liebe Dich!“ / Blaubart klatscht in die Hände: alle bewegen sich nicht mehr = Stillstand – Stillleben – Bewegungslosigkeit, Blaubart klatscht wieder: alle schreien „Danke Dir! Danke Dir!“ / alle Frauen stehen um Blaubart, die Frauen lachen / Blaubart will Judith loswerden, sie aber klammert wieder / Männer drehen vor sich die Frauen, die Frauen neigen sich langsam und beugen sich / Judith und Blaubart streicheln sich gegenseitig ihre Gesichter / die Männer tragen die Frauen auf einer Hand zu den Wänden, die Frauen hängen an den Wänden / Frauen tanzen / alle Männer stehen um Blaubart herum und drücken die Frauen nach unten, die Frauen wollen aufstehen, werden aber wieder zu Boden gedrückt / Blaubart setzt sich auf den Schoß einer Frau, dazu geht langsam wieder der „Männer-Trauerzug“ über die Bühne / Frauen stehen um Blaubart herum, „Nimm mich“ fordern sie auf und reiben sich an Blaubart / Frauen schlagen mit ihren Haaren auf Blaubart ein, lösen sich von ihm und drehen einzelne Haarsträhnen / Blaubart setzt sich auf Judiths Schoß, sie fällt hinter ihm zu Boden / Blaubart sitzt wieder vor dem Tonbandgerät, Judith tanzt Solo / die Männer springen so hoch wie sie können auf der Stelle in die Luft, dazu schreien alle: „Ich! Ich! Ich!“, dann springen auch die Frauen auf der Stelle / alle schlagen sich auf den rechten Schenkel und ziehen dann das linke Bein in die Luft / die Männer schreien wieder: „Ich! Ich! Ich!“ / Blaubart setzt sich wieder auf Judiths Schoß, sie fällt hinter ihm zu Boden / alle verbeugen sich lautlos, neigen ihre Oberkörper / die Männer gehen in einer Reihe im Gleichschritt von hinten nach vorne, dabei streichen sie sich über ihre Köpfe, streichen sich über ihre linken Augenbrauen, zupfen ihre Hemden zurecht, greifen sich an die Hose, reiben ihre Nasen, verschränken ihre Arme, bleiben kurz stehen und schreien laut: „Hah!“ (Wiederholungen), dazu geht Hand-in-Hand der Frauenzug an hinterer Wand / Männer schreiten mit freiem Oberkörper in einer Reihe nach vorne, mit den Gesten: Kopf streichen... (Wiederholung), Judith tanzt dazu ein Solo / die Männerreihe steht am Bühnenrand, die Frauen stehen hinter ihnen und massieren ihre Schultern / die Männer ziehen sich bis auf samtene, farbige Unterhosen aus und rufen: „Hah!“, sie wollen gefallen, sie posen wie Bodybuilder vor dem Publikum / Blaubart ist ebenfalls oben ohne, Judith springt ihn an, aber Blaubart hält sie von sich fern und tanzt mit ihr, ihre Haare hängen über seine Schulter / alle Tänzer*innen finden sich zu Paaren zusammen, alle Paare tanzen im Kreis mich leichtem Wiegeschritt, die Haare der Frauen hängen über die Schultern der Herren / Blaubart und Judith allein auf der Bühne, er verfolgt sie / Judith stellt sich hinter Blaubart, greift durch seine Arme hindurch und spielt mit seinen Händen, lässt seine Hände gegeneinander klatschen / 2 Männer und 2 Frauen in weißer Kleidung, die Männer halten weiße Tücher den Frauen vor, die Frauen tanzen für sich, dann schlagen die Männer die Tücher auf den Boden, das Laub wird verweht / Männer tanzen / Blaubart schlägt ein weißes Tuche um den Leib einer Frau und wirbelt sie in der Luft um sich / Blaubart trägt eine Frau in seinem Tuch zu einem Stuhl und lässt sie über den Stuhl hängen, dann eine zweite und dritte Frau, alle drei Frauen hängen übereinander über dem Stuhl, Judith rutscht unterdessen an der Rückwand hinunter / „Trauerzug“: Damen und Herren mit Kleidern und Bademänteln gehen Hand-in-Hand über die Bühne / ein Mann belustigt drei Damen, sie lachen / Blaubart schaut durch ein Schlüsselloch / Blaubart kitzelt eine Frau durch, sie lacht laut / die Frauen liegen auf dem Boden, die Herren werfen Kissen auf die Frauen und springen dann auf die Frauen / Judith sitzt auf dem Boden und wirft Laub über sich selbst / Blaubart schaut wieder durch ein Schlüsselloch, die Frauen stehen wieder wie schwebend an den Wänden / Blaubart sitzt auf einem Stuhl vor einer Tür, alle summen leise / ein Paar tanzt, der Mann küsst die Frau / eine Frau stellt eine Puppe an den Bühnenrand / alle Männer sind in Bademänteln gekleidet / Blaubart posiert vor der Puppe / eine Frau lacht laut / Judith bewirft sich wieder mit Laub / Blaubart posiert weiter / eine Frau legt sich zu der Puppe, lutscht an ihrem eigenen Daumen und schneidet der Puppe Grimassen / Blaubart sitzt auf einem Stuhl und lacht laut, er hält die Füße in die Luft / zwischendurch immer wieder Tonband an und Tonband aus / ein Mann massiert Blaubarts Nacken / alle Frauen lachen laut / alle Tänzer*innen lachen und laufen über die Bühne, Tonband an: alle stehen still, Tonband aus: alle lachen und laufen wieder / Blaubart in Unterhose geht mit Zuckungen am Bühnenrand / Männer kitzeln Frauen, die Frauen lachen / Blaubart zieht sich wieder an / Frauen lachen und lachen und hören gar nicht mehr auf, dann holen alle Frauen Stühle, sitzen darauf und lachen weiter / die Männer setzen sich auf die Frauen, die Frauen verstummen und fallen nacheinander hinter den Herren von den Stühlen, nur ein Bein bleibt auf den Stühlen zurück / Blaubart sammelt alle Stühle wieder ein, die Frauen bleiben liegen / Judith weint leise vor Blaubart / „Trauerzug“: Frauen, Hand-in-Hand / Blaubart und Judith allein auf der Bühne, Judith weint gebeugt, ihre Haare verdecken ihr Gesicht / Judith sitzt weinend an einer Wand, Blaubart zieht an einem ihrer Beine sie auf die Bühne, Judith strampelt wieder gen Wand, Blaubart zieht wieder am Bein... immer langsamer werden Judiths Bemühungen wieder an die Wand zu rücken / Blaubart stellt Judith wieder auf, aber sie will nicht und wehrt sich, aber Blaubart hält sie ganz fest, dann reißt er Judith wieder runter auf den Boden, aber sie steht wieder auf, Blaubart reißt an Judith, Judith befreit sich und läuft in eine Ecke, Blaubart quetscht sie mit dem Tonbandgerät ein und haut mit seinem Kopf in Judiths Bauch, immer wieder / Judith springt Blaubart an, Blaubart schnappt sich Judith, setzt sich auf einen Stuhl, Judith liegt über seinen Beinen, Blaubart gibt ihr einen Klaps auf den Hintern / Judith schlägt Blaubart ins Gesicht (die Oper ist auf dem Tonband an dem letzten Schlüssel angekommen) / die Frauen werden von Männern wieder auf einer Hand getragen / Männer drehen sich langsam mit den Frauen im Kreis, alle Gesichter der Frauen werden von ihren eigenen langen Haaren verdeckt / Männer und Frauen wälzen sich in Paaren auf dem Boden hin und her / Blaubart bringt Kleider auf die Bühne, er zieht nach und nach alle Kleider Judith an, bis sie sich kaum noch bewegen kann / die Männer liegen den Frauen mit ihren Rücken im Schoß, die Frauen schieben sich mit den Männern durch das Laub auf dem Boden / Männer tanzen alleine und legen sich, die Frauen stehen um das Tonbandgerät herum / Frauen werden wieder von den Männern auf einer Hand getragen (Wiederholung) / alle drehen sich alleine im Kreis und stehen dann vor den Wänden ringsherum / die Frauen schluchzen vor sich hin / Judith geht ab und kommt mit vielen Kissen zurück, sie verteilt die Kissen an Männer und Frauen / alle Männer laufen vor die Wände, die Frauen versuchen die Kissen den Männern als Abfederung hinzuhalten / Blaubart klatscht, alle bleiben still stehen / die Frauen bilden wieder eine Haar-Wand / die Männer stehen gebeugt an den Wänden / Judith fällt in Blaubarts Schoß / Blaubart klatscht: alle bleiben stehen / Blaubart klatscht: alle Frauen ziehen wieder an einem Bein der Männer / Blaubart klatscht: alle bleiben stehen / Judith liegt zwischen den Beinen des auf dem Rücken liegenden Blaubart, er schiebt sich auf dem Rücken über den Boden und schleift Judith mit sich, Judith liegt wie leblos auf Blaubart / Blaubart klatscht: Frauen stehen wieder wie schwebend vor den Wänden / Blaubart klatscht: alle Männer legen sich, die Frauen stehen wieder um das Tonbandgerät herum / Blaubart klatscht: alle Männer gehen an den Bühnenrand und posieren wieder, die Frauen hinter ihnen, bewundern die Männer / Standbilder, Momentaufnahmen aus dem ganzen Stück werden gezeigt, wenn Blaubart klatscht / Blaubart hat sich mit Judith bis an die Rückwand geschoben / Blaubart klatscht: Licht auf der Bühne verdunkelt sich / Blaubart klatscht: das Licht im Zuschauerraum geht an, ein Scheinwerfer beleuchtet Blaubart mit Judith / Blaubart klatscht: Musik aus, Licht ganz aus / Ende

 

Termine
Opernhaus Wuppertal


Wuppertal
24.01.2020
25.01.2020
26.01.2020
28.01.2020
29.01.2020
31.01.2020
01.02.2020
02.02.2020

Termine
Sadler's Wells
London
12.02.2020
13.02.2020
14.02.2020
15.02.2020

Tickets
29.11.2019

Inszenierung / Choreographie
Pina Bausch

Bühne / Kostüme
Rolf Borzik

Mitarbeit
Rolf Borzik
Marion Cito
Hans Pop

Musik
Béla Bartók

Dauer
1h 50min

 

Künstlerische Leitung Neueinstudierung
Jan Minarik (Jean Mindo), Beatrice Libonati

Probenleitung
Jan Minarik (Jean Mindo), Beatrice Libonati, Barbara Kaufmann, Héléna Pikon

Tänzer*innen der Neuinszenierung
Pau Aran Gimeno, Emma Barrowman, Michael Carter, Léonor Clary, Maria Giovanna Delle Donne, Çağdaş Ermiş, Silvia Farias Heredia, Jonathan Fredrickson, Milan Kampfer, Marius Ledwig, Lucas Lopes Pereira, Blanca Noguerol Ramírez, Julius Olbertz, Gustavo de Olivera Leite, Annalisa Palmieri,Jolinus Marten Pape, Christian Paul, Daria Pavlenko, Elisa Spina, Oleg Stepanov, Julian Stierle, Christopher Tandy, Tsai-Wei Tien, Stephanie Troyak, Sara Valenti, Charlotte Virgile, Ophelia Young,  Tsai-Chin Yu

Uraufführung
08. Jan 1977
Opernhaus Wuppertal

Tänzer*innen der Uraufführung
Arnaldo Alvarez, Ed Kortlandt, Luis P. Layag, Yolanda Meier,Vivienne Newport, Barbara Passow, Hans Pop, Monika Sagon, Heinz Samm, Monika Wacker, Jan Minarik (Jean Mindo), John Giffin, Colleen Finneran, Josephine Ann Endicott, Anne Marie Benati, Hiltrud Blanck, Tjitske Broersma, Fernando Cortizo, Marion Cito, Elisabeth Clarke, Guy Detot, Michael Diekamp, Mari DiLena, Esco Edmondson, Marlis Alt

Gastspiele / Tourneen
1985 Venedig
1984 Lyon
1984 Grenoble
1984 Los Angeles
1984 New York
1984 Toronto
1983 Hamburg
1982 Melbourne
1982 Adelaide
1981 Köln
1979 Paris
1977 Belgrad

Blaubart. Beim Anhören einer Tonbandaufnahme von Béla Bartóks Oper "Herzog Blaubarts Burg" - Ein Stück von Pina Bausch from Tanztheater Wuppertal on Vimeo.

 

eingestellt am: 25.01.2020