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Traumtänze – Tanzträume

"Tanzträume" – Ein Film als Hommage an Pina Bausch



Szene: Tanzträume © Ursula Kaufmann


"Komm tanz mit mir" lautete ein Aufruf für Teenager ab 14 Jahren und alle – alle – kamen. Stellten sich dem Casting des Tanztheater Wuppertal und begannen die Probearbeit zu dem noch von der großen Choreografin selbst inszenierten Stück "KONTAKTHOF – MIT TEENAGERN AB 14". Von diesen Proben erzählt jetzt der Film TANZTRÄUME von Anne Linsel, der am 18. März 2010 in die deutschen Kinos kommen wird.

Von Dietmar Wolgang Pritzlaff

Der Film ist eine Hommage an die große Tänzerin Pina Bausch, ein Vermächtnis der großen Choreografin, die ihr letztes Interview in diesem Film gibt. Der Zuschauer ist hautnah dabei, wenn die Jugendlichen anfänglich noch voller Scham und Schüchternheit die ersten Tanzschritte mit den Assistentinnen und Tänzerinnen der ersten Stunden, Josephine Ann Endicot und Bénédicte Billiet, einstudieren. Nach und nach lernen die jugendlichen Tänzer und Tänzerinnen aus sich herauszugehen und etwas zu wagen - sich auf der großen Bühne voreinander auszuziehen, sich zu berühren und auf das Gegenüber einzugehen.

Das alles geschieht mit einer großen Zärtlichkeit der Regisseurin, mit einer so großen Hochachtung vor den Jugendlichen, dass die bei den Proben entstandene Harmonie zwischen den Jugendlichen und dem Weltstar Pina Bausch spürbar wird.

KONTAKTHOF, Pina Bauschs dreizehntes Stück von 1978, handelt von großen und kleinen Gefühlen im zwischenmenschlichen Sein, zwischen Frau und Mann. Es wird angenähert und abgestoßen, es wird zärtlich berührt und brutal zurückgeschlagen. Scham und Unschuld genauso wie Unverschämtheiten und Schuld werden in den unterschiedlichsten Formen und Facetten gezeigt.

Pina Bausch interessierte sich für die Menschen und was diese bewegt, und nicht so sehr wie sie sich bewegen, so sagte sie einmal. Aber bewegen werden sich diese Jugendlichen und dies völlig anders, als in dem Stück von 1978.

Als ein Experiment angelegt, inszenierte Pina Bausch ihr Stück KONTAKTHOF auch mit Senioren und Seniorinnen im Jahre 2000. Fortan gastierten diese älteren Semester mit dem Stück KONTAKTHOF MIT DAMEN UND HERREN AB 65 auf den Bühnen der Welt.

Und nun im Gegensatz zu den älteren Damen und Herren kommen seit 2008 die frischen, ungestümen und doch zögernden Jugendlichen nicht nur auf die Bühne, sondern auch in dem Film TANZTRÄUME – JUGENDLICHE TANZEN KONTAKTHOF VON PINA BAUSCH der Regisseurin ANNE LINSEL in die Kinos. Anne Linsel, die schon drei andere Pina Bausch–Werkschauen filmte, hat einen wunderbar leichten und mitreißenden Film gedreht. Anne Linsel verband eine Freundschaft mit Pina Bausch, welche in dem Film durch die große Vertrautheit der Filmaufnahmen zum Ausdruck kommt. Die Regisseurin ist hautnah an den Jugendlichen, den Assistentinnen und auch an Pina Bausch dran, aber immer behutsam und achtsam. Sie führt die Jugendlichen nicht vor, sondern setzt ihre ganz besonderen Akzente ins rechte Licht.

Ein beeindruckendes Werk, welches die Arbeitsweise und die sanften Probenarbeiten der großen Pina Bausch sichtbar macht. Ein unbedingtes Muss für alle Tanzbegeisterten und Pina Bausch Fans. Aber auch für Freunde des anspruchvollen Films ist dieses Werk ein Augen- und Ohrenschmaus, kommt doch endlich mal wieder die so gerühmte Pina Bausch Musikauswahl zu Gehör. TANZTRÄUME ist ein Dokumentarfilm, der so nah an der Wirklichkeit ist, dass man den Rhythmus fühlt, aufspringen und mittanzen möchte..

Der Film, der auf der diesjährigen Berlinale uraufgeführt wurde, startet heute, am 18. März 2010, in den Kinos – also nicht verpassen!


Infos und Trailer auf der Film-Homepage:
http://www.realfictionfilme.de/filme/tanztraeume/index.php


Weitere Infos gibt es auf den Seiten des Verleihers:
http://www.realfictionfilme.de


BESETZUNG:

Choreografin: Pina Bausch
Assistentinnen: Josephine Ann Endicot
Bénédict Billiet
Tänzerinnen und Tänzer: 40 Jugendliche

STAB

Buch und Regie: Anne Linsel
Kamera: Rainer Hoffmann bvk
Originalton: Uwe Dresch, Thomas Keller, Tobias Linsel, Paul Oberle, Tim Dohnke
Schnitt: Mike Schlömer
Schnittassistenz: Andreas
Mischung: Falk Möller
Produktionsleitung: Cornelia Kellers
Redaktion: Sabine Rollberg
Ko-Produzentin: Anne Linsel
Produzent: Gerd Haag

 

Ganz aktuell wurde heute die folgende Pressemitteilung des Tanztheaters Wuppertal Pina Bausch zur Veröffentlichung weitergeben:

Die Zukunft des Tanztheater Wuppertal Pina Bausch ist gesichert.
Neue Leitungsstruktur steht jetzt fest.

Das Tanztheater Wuppertal Pina Bausch wird zukünftig von drei Geschäftsführern geleitet. Das gaben der Oberbürgermeister der Stadt Wuppertal Peter Jung und der Kulturdezernent der Stadt Wuppertal Matthias Nocke gemeinsam mit Vertretern des Landes Nordrhein Westfalen im Rahmen der Beiratssitzung des Tanztheaters am 5.03.2010 bekannt.

Der Beirat des Tanztheaters verabschiedete eine neue Geschäftsordnung für die neue Leitungsstruktur mit zwei Künstlerischen Geschäftsführern und einer Kaufmännischen Geschäftsführerin, um der neuen Situation nach dem Tod von Pina Bausch Rechnung zu tragen.

Heinrich Grosse-Brockhoff, Kulturstaatssekretär des Landes Nordrhein Westfalen begrüßte die Entscheidung der Stadt Wuppertal als "guten Schritt in die Zukunft des Tanztheaters". "Dank der gesicherten vertraglichen Grundlage können weiterhin konstruktive Konzepte entwickelt werden. Ich freue mich, dass die Auseinandersetzung mit dem künstlerischen Werk von Pina Bausch weltweit fortgeführt wird".

Dominique Mercy, Tänzer der ersten Stunde des Tanztheaters und seitdem Ensemblemitglied und Robert Sturm, langjähriger Künstlerischer Assistent von Pina Bausch wurden als Künstlerische Geschäftsführer ernannt. Beide Künstlerischen Leiter waren enge Vertraute von Pina Bausch und im Oktober 2009 vom Beirat des Tanztheaters berufen worden. Ihre Verträge mit der Stadt Wuppertal sind zunächst bis 2013 festgesetzt. Kaufmännische Geschäftsführerin bleibt Cornelia Albrecht, die diese Funktion seit 2008 inne hat.

"Mit einer starken Führung wollen wir die Arbeit des Tanztheaters Pina Bausch für die Zukunft sichern und damit das künstlerische Erbe unserer weltberühmten Ehrenbürgerin bewahren und weitertragen. Wir sind zuversichtlich und freuen uns, dass noch viele Menschen die Stücke von Pina Bausch sehen und ihre einmalige Ausdruckskraft bewundern werden", betonte Oberbürgermeister Peter Jung.

Neben den 30 Vorstellungen im Opernhaus Wuppertal, gastiert die Kompanie in der Spielzeit 2009/2010 mit rund 70 Gastspielen in Ägypten, Brasilien, Frankreich, Spanien, Deutschland, Österreich, Korea, Großbritannien, Japan, der Türkei, Griechenland und den Niederlanden.

Weitere Informationen zum Tanztheater Wuppertal Pina Bausch unter:
http://www.pina-bausch.de

 


eingestellt am: 11.03.2010