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© Fofo • DANZÓN • Robert Stefanski

Wilde Nacktheit und kleine Geschichten

Danzón – Ein Stück von Pina Bausch

Wuppertal. Eines der küzesten, aber um so öfter gespieltes Stück DANZÓN von Pina Bausch, wurde am letzten Wochenende in einer Neueinstudierung mal wieder in Wuppertal auf die Bühne gebracht.

Von Dietmar Wolfgang Pritzlaff

DANZÓN -  Ein Stück von Pina Bausch ist nur 1 Stunde und 45 Minuten lang. Nur das Stück KOMM TANZ MIT MIR ist noch kürzer, abgesehen von den Werken CAFÉ MÜLLER und FRÜHLINGSOPFER, welche als Teile eines ganzen Tanzabends gespielt werden.
Außerdem ist wohl auch die kleine Besetzung und das karge Bühnenbild Grund dafür, das dieses Stück öfter als andere Ausstattungswerke, wie DAS STÜCK MIT DEM SCHIFF, WIESENLAND oder NUR DU, rund um die Welt gespielt wurde.

Nicht aufwendige Bühnenbilder, Wasserfälle, Feuerspeier und riesige Dekorationen, wie sie sonst bei Pina Bausch Werken üblich sind, bestimmen bei DANZÓN die Bühne, sondern Foto- und Videoprojektionen auf die Brandschutzmauer des Theaters, oder auf riesige Gazevorhänge projeziert, geben den Rahmen für den Tanzabend.

Nach der Uraufführung am 13. Mai 1995 im Opernhaus Wuppertal tourte das Stück DANZÓN 1996 in Paris, 1997 in Palermo, 1999 in Saitama, Otsu und New York, 2001 in Paris und 2011 in Ottawa, und Berkeley. Und nun ist es wieder in Wuppertal zu sehen gewesen.

Im Jahr 1994 inszenierte Frau Bausch das Stück EIN TRAUERSPIEL. Eine Koproduktion mit den Wiener Festwochen. Bei der Uraufführung gab es eine Überraschung noch bevor das Stück gezeigt wurde: Der Intendant Holk Freytag verkündete mit ganzem Stolz, dass er die Ehre habe, zum ersten Mal in der Geschichte des Tanztheater Wuppertal einen Titel für das neue Stück von Frau Bausch verkünden zu können. Damals hieß es noch: „AUF NACH WIEN – EIN TRAUERSPIEL“.

Das Stück floppte. Kritiker sahen nur noch eine Aneinanderreihung von schon Gesehenem in dem Stück und fragten, ob Frau Bausch nichts Neues mehr einfiele und ausgebrannt sei. Das Publikum buhte das Stück aus. Was war geschehen?
Das Stück EIN TRAUERSPIEL ist wirklich ein Trauerspiel. Pina Bausch ist es gelungen, den Zuschauenden traurig, melancholisch, missmutig, depressiv, resignierend zu stimmen. Ein Werk, dass so gar nicht lustig sein will, sondern nur Qualen zeigt und „runterreißt“. Gefühle werden unterdrückt, abgebrochen, die schönen Tänze vergehen im Dramatischen. Es werden hohe Schränke und andere schwere Sachen geschleppt, gezerrt, gezogen, geschoben, immer über eine Insel in der Mitte der Bühne. Der goldgelbe Sand war nicht glamourös, eher ein Niemandsland. Die Kraftanstrengungen waren im Zuschauerraum spürbar. Dieses Stück machte depressiv und ließ viele Besucher der Premierenfeier fernbleiben. Das war kein Vergnügen, sondern anstrengende Arbeit, das Stück zu „ertragen“. Nicht, dass das Stück schlecht war, im Gegenteil, es war einfach zu dramatisch. Da half auch kein, aus fünf Meter Höhe in ein Wasserbassin auf der Bühne stürzender, wunderschön anzusehender Wasserfall. Das Stück wurde noch in 1994 in Wien und 1995 in Paris gezeigt, dann blieb unaufgeführt und das bis heute.

Frau Bausch war nach der Uraufführung gekränkt, und ließ sich nicht überreden, zu Ihrer eigenen Premierenfeier zu kommen. Zu tief saß der Schock über die Ablehnung Ihres Werkes.

Ein Jahr später kam dann DANZÓN auf die Bühne. Kein Wasserfall, kein Sturmwind, kein Regen, sondern „nur“ Projektionen von Fotos und Videos von hohen Wellen, Kirchblütenblühen, Schwäne und Dschungel beherrschen das Bühnenbild. Auf riesigen Gazevorhängen projeziert, verdecken, verhüllen die Bilder mal Nacktes, mal sind sie nur dekorativer Hintergrund.

Im Gegensatz zum Werk EIN TRAUERSPIEL, war bei DANZÓN eine Rücknahme von Bühnenbild und Besetzung zu erleben. DANZÓN kommt als kleine Fingerübung mit vielen wunderbaren Gefühlsebenen daher. Man ist wieder ganz in der Welt der Pina Bausch, mit all ihren Höhen und Tiefen, heiter und melancholisch und wie bei einem Reigen ist der Schluss wieder ein Anfang.

In den Folgejahren wurden die Stücke wieder heiterer, freundlicher, lustiger. Überwunden war der große Weltschmerz. Frische erbauliche Stücke wie zum Beispiel WIESENLAND, NUR DU und AQUA machten richtig Spass zu erleben.

DANZÓN aus dem spanischen übersetzt, bedeutet so viel wie „Tanzwut“ oder „Tanzbesessenheit“. Einmal wird diese Besessenheit im Stück sichtbar, wenn Frauen versuchen Männer immer schneller und schneller, mit immer mehr Enthusiasmus zu benutzen. Frauen klettern durch vorgehaltene Männerarme, dann springen sie in die selben und lassen sich tragen.

DANZÓN ist aber auch ein eigenständiger Tanz. Spannend ist die Geschichte der Herkunft dieses Tanzes.

Zitat aus Wickipedia: „Der Tanz Danzón, der sich aus dem französchen „Contredanse“ entwickelte, der seinerseits im 17. Jahrhundert aus dem englischen Country Dance hervorgegangen ist. Beim Aufstand gegendie französiche Kolonialmacht 1792 auf Haiti flüchteten viele schwarze Landarbeiter auf die Nachbarinsel Kuba und brachten die Musik und ihre dazugehörigen Tänze mit (z. B. das Menuett, den Rigodón un die Lanzeros.)“

„Die Bewegungen im Danzón sind ruhig, elegant und ausdrucksstark, ähnlich wie im Tango. Bekannte Melodien aus Liedern, Hymnen, Opern werden zitiert und dann variiert, was den Danzón sehr vielseitig macht. Das Ende des Stückes gipfelt meistens in einem leicht beschleunigten und lebendigen Finale (E), dem Montuno."

In Pina Bauschs DANZÓN gibt es keinen Danzón-Tanz, dafür ist aber das ganze Stück aufgebaut, wie ein Danzón. Es beginnt ruhig, elegant und ausdrucksstark. Es zitiert ein Teeritual und Goehtes Gedicht „Nachtlied“ („Über allen gipfeln ist Ruh...“) und steigert sich fulminant in einer Männerbenutzung. Zum Schluss ist es wieder ganz ruhig und besinnlich. Ein Reigen.

Das Stück DANZÓN ist gespickt mit kleinen Gesten und Geschichten. Mal lustig heiter, mal verträumt, mal ausgelassen, mal bedrohlich und dann wieder traurig, melancholisch, dramatisch.

Es beginnt mit 2 Frauen in weißen Kleidern. Sie legen sich auf den Bühnenboden und tanzen im Liegen mit Armen, Beinen und Oberkörper. Ein Mann krabbelt als Baby auf die Bühne und beschwert mit schweren Steinen die Kleider und den Bauch der Liegenden. Ihre Bewegungen werden eingeschränkt.

Eine Frau sagt ins Publikum: „Also ich bin hier und Sie sind da“, dann geht sie in die erste Reihe im Zuschauerraum und holt eine „alte Lady“ auf die Bühne, die sich auf einen Stuhl setzt. Die Frau geht wieder ins Publikum und sagt: „Also wie sind hier und Sie sind da. Machen Sie für uns was Schönes“. Dominique Mercy in Frauenkleidern, der clowneske Tänzer der Truppe, spielt die „alte Dame“. Die alte Dame steht auf und versucht einen kleinen Knicks, dann wird sie wieder auf ihren Platz gebracht.


© Fofo • DANZÓN • Maarten Vanden Abeele

 

Eine Frau lässt zwei Herren bücken und steckt ihre Köpfe unter ihren Pullover. Die Frau streichelt ihre „Riesenbrüste“ ausgiebig.
Ein Mann schlägt eine Brücke und eine Frau legt sich auf diese menschliche Liege.
Tanzpaare lassen sich in einen Strohhaufen fallen und knuddeln und küssen sich.
Eine Tänzerin legt den Arm eines Mannes frei und deutet ein Ablecken des Armes mit lauten Leckgeräuschen an.
Mechthild Grossmann raucht auf der Bühne, eine andere tanzt einen Spitzentanz. Frau Grossmann sagt: „Erst nach links, dann nach rechts, dann in die Mitte. Sie hat so ihre Schritte“.
Frauen müssen bewegt werden die Männer zu streicheln. Die Männer schubsen die Arme der Frauen, die sich kreisend durch die Luft bewegen. Dann stellen sich die Herren unter die ankommenden Arme und werden von den Frauenhänden eher zufällig berührt, sie werden irgendwie dann doch gestreichelt.
Dominique Mercy tritt mit Pappohren auf und lässt sie wackeln.
Die Damen sitzen in einer Reihe auf Stühlen, schieben ihre Kleider bis über ihre Oberschenkel und verbrennen sich mit Feuerzeugen.
Eine Frau umschlingt ihre Oberschenkel mit doppelseitigem Klebeband. Ein Mann streichelt zuerst den Kopf, die Schultern, dann die Füße und die Beine der Frau. Er kommt an die Klebestellen und „die Falle schnappt zu“. Die Frau schlägt die Beine übereinander und der Mann bleibt zwischen ihren Beinen mit seiner Hand kleben. Weil der Mann die Hand nicht mehr herausbekommt, trägt er kurzerhand die Frau raus. Es gibt noch viele weitere Geschichten.

Die einzelnen Szenen werden immer mal wieder von Foto- und Video-Projektionen unterstützt. Mal nur als Hintergrund zur Deko, mal vordergründig, um zu verwischen, was nicht ganz gesehen werden soll.

Ein Gaze-Vorhang wird herabgelassen und ein Dschungelfoto darauf projeziert. Hinter dem Vorhang der fast durchscheinend ist, erahnt man die schemenhaften Tänzer und Tänzerinnen, die nackt Fangen spielen, sich jagen, sich rekeln und turnen.

Weiße Badewannen werden auf die Bühne geschoben, in denen nackte Tänzerinnen stehen und sich pflegen. Dann wird der Vorhang hochgezogen und die Tänzerinnen verstecken sich in ihren Badewannen.

Mechthild Grossmann, über und über mit Federboas bekleidet sagt ins Publikum: „Die Türen sind verschlossen. Sie glauben es nicht?“, dann geht sie zu einer Tür im Zuschauerraum und sperrt hörbar ab. Sie geht wieder auf die Bühne und sagt: „Ich möchte in Ruhe mit ihnen arbeiten.“ Dann erklärt sie: „12 Jahre trainiert, immer in diesem rosa Höschen und der Stange, 5te Position, und alles im rosa Höschen“.

Eine Tänzerin tanzt. Frau Grossmann schaufelt beim Tanz immer wieder Erde über die Tänzerin. Diese Szene wurde weltberühmt durch den PINA 3D-Film von Wim Wenders, die dort zitiert wird.

Gruppentänze gibt es leider keine in diesem Stück, dafür aber bemerkenwerte Solotänze. Allen voran tanzt Dominique Mercy, ein Herr der ersten Stunde, mit emenser Inbrunst, dramatisch und sentimental, dass man weinen möchte.

 


© Fofo • Pina Bausch in DANZÓN • Maarten Vanden Abeele

 

Zum Ende hin wird ein Piranha-Foto auf einen Vorhang projeziert. Dann erscheint eine schwarze, nur diffus beleuchtete Gestalt und tanzt einen zarten unglaublich schönen ruhigen Tanz.
Bei der Uraufführung 1995 erschien an dieser Stelle Pina Bausch selbst auf der Bühne und tanzte. Sie tanzte 20 Jahre nicht mehr und zeigte dann einen in sich versunkenen und ruhigen Tanz. Das Publikum hielt den Atem an und staunte... „das ist doch... das ist...“ Ja, Pina Bausch selbst. Ihrem Auftritt folgte ein tosender Applaus.
In der Neuinszenierung wird dieser Part von Aleš Čuček getanzt. Wunderschön, aber für die Kenner des Stückes auch ein Wehmutstropfen. Wenn man an den Moment zurückdenkt, als Pina Bausch noch tanzte.

Gehuldigt wird Frau Bausch mit einer liebevollen Neugestaltung des Programmheftes. Der Umschlag des Programms ist oben gezeigtes Foto. Der Inhalt wurde auch runderneuert. So finden sich viele Fotos aus dem Stück wieder. Und auch die längeren Texte der Mechthild Grossmann sind dort nachzulesen.

Zum Schluss stellt sich nochmals Frau Grossmann in die Mitte der Bühne und erzählt, wie Herr Goehte nach 50 Jahren zu seinem 82ten Geburtstag sein altes Jagdhaus besucht und dort sein vor 50 Jahren geschriebenes Gedicht wiederfindet: „Auf allen Gipfeln ist Ruh...“

Frau Grossmann geht ab und das Licht geht aus. Ein wieder Mal berauschender Tanzabend ist zu Ende. Mit stehender Ovation und 5 Applaus-Vorhängen bedankt sich das Publikum von dem immer wieder faszinierenden Ensemble, welches die Stücke der großen Pina Bausch bewahrt.

 

Bildprojektion Kirschblüten / 2 Freuen in weißen Kleidern, legen sich, rekeln sich und tanzen im Liegen mit Armen, Beinen und Oberkörper / Mann als Baby kriecht auf allen Vieren auf die Bühne und lässt Steine auf die beiden Frauen zurollen, dann kriecht er zu ihnen hin und beschwert die Kleider und die Bäuche mit Steinen umso ihre Bewegungen einzuschränken, dann nuckelt er am Daumen / Frau: „Also ich bin hier und (ins Publikum) Sie sind da“, sie geht in die erste Reihe und holt Dominique als alte Frau verkleidet auf die Bühne, er bekommt einen Stuhl und sitzt verschämt, gegenseitige Komplimente der „Frauen“ über ihre Kleider, dann setzt sich die Frau in die erste Reihe und sagt: „Also wir sind hier und Sie (zur alten Lady) Sie sind da“, deutet auf die Bühne, dann ringt die Frau der „alten Lady“ einen kleinen Tanzschritt ab, einen Knicks, Frau bringt alte Lady raus / Baby schleppt die Frauen von der Bühne / eine Frau tanzt ein Solo – einen Fuß-streich-tanz / 2 Männer und 4 Frauen = die Frauen fassen sich bei den Armen und beugen sich, eine hat ein Kleid an, die andere nur Unterwäsche, die Herren ziehen die Kleider über die erste Frau auf die 2te Frau – Kleiderwechsel mal anders = ein riesen Spaß / eine Frau steckt sich 2 Herrenköpfe unter ihren Pullover und streicht dann über den Riesenbusen / ein Mann schlägt eine Brücke, eine Frau legt sich auf diesen „Brückenmann“ / ein stummer Diener mit Augenbinde kommt mit einem Tablett und 2 Gläsern auf die Bühne / im Hintergrund wird ein Strohhaufen auf einer Plane auf die Bühne gezogen / Tanzpaare lassen sich in das Stroh fallen und kuscheln und küssen / ein Mann gibt einer Frau einen Klaps auf den Popo / Männer auf Boden, Beine weit ausgebreitet und als ob sie die anderen von der Bühne wischen bewegen sie sich sitzend fort / Gazevorhang wird herabgelassen, dahinter „baden“ nackte Tänzerinnen in weißen Badewannen zu japanischer Musik, Bildprojektion = Kirschblütenhain, Gazevorhang hoch, alle Frauen verstecken ihre Blöße in der Badewanne, nur ihre Köpfe schauen noch hervor, der stumme Diener schiebt alle Badewannen samt Frau von der Bühne / Mechthild geht in die Bühnenmitte im Abendkleid und erzählt von einem Brief an einen Freund mit Teeblättern darin, sie führt eine Teezeremonie des richtigen Teetrinkens aus (Teezeremonie ist im Programmheft 2015 abgedruckt) / eine Frau kommt dick ausgestopft so dass sie dick wirkt mit einer Tasche auf die Bühne und wagt eine paar kleine Tanzschritte, sieht unbeholfen aus / Mann steht auf der Bühne in Stöckelschuhen, nur sein großer Zeh links und rechts passen nicht mit in den Schuh, so dass sie draußen überstehen, damit wackelt er / Frau hält einem Mann ihre Hand hin und er bewegt seine Lippen vorbei an ihren Fingern, er sagt dabei: „Bu-bu-bu-bu“ / Dominique zieht sich auf der Bühne ein Hemd an, Mechthild kommt und schiebt den Ärmel über den Arm hoch, dann tut sie so, als ob sie den Arm ableckt mit Leckgeräuschen / Bildprojektion = Küstenbild, steile Felswand / Mann streckt Zunge raus / Frau tanzt Solo / Mechthild raucht, Frau tanzt Spitze, Mechthild sagt: „erst nach links, dann nach rechts, dann in die Mitte – Sie hat so ihre Schritte“ / Frau aus Publikum mit Tasche, zieht schweren Mantel aus und tanzt, Mantel an, ein Mann zeigt sich ihr, Frau läuft weg / Mann geht auf Zehenspitzen / 2 Männer tanzen, dazu 1 Frau mit Fuß-streich-tanz / ein Mann legt einen Gürtel an, bei jeder durchfahrenen Hosenschlaufe, sagt er: „Zack“, danach zieht er sich eine Strumpfhose über den Kopf / Dominique und Mechthild, Mechthild trägt ihre Stöckelschuhe in der Hand, sie ist über und über nur mit Federboas bekleidet, sie zieht ihre Schuhe an, sie sagt: „Die Türen sind verschlossen, sie glauben es nicht?“, sie geht ins Publikum zu einer Tür und schließt sie hörbar ab, sie geht wieder auf die Bühne, sie sagt: „Ich möchte in Ruhe mit ihnen arbeiten“ und „12 Jahre trainiert, immer in diesem rosa Höschen, und die Stange, 5te Position, und alles im rosa Höschen“ / Frau liegt oben ohne auf einem Tisch, ein Mann massiert ihren Rücken und die Beine, Dominique will das die Frau kommt, er zieht an ihren Beinen der Masseur zur andern Seite, die Frau wird hin- und hergeschoben, andere Männer ziehen auch an den Beinen der Frau / Frauen liegen auf dem Boden, die Männer bewegen die Füße der Frauen, Baby krabbelt herein zu den liegenden Frauen, es nuckelt am Daumen, dann macht es mit den Fingern und Lippen „Bu-bu-bu“, ein Mann schlägt in einem schnellen Takt auf seine Schenkel / Vorhang runter, Bildprojektion = Dschungel, hinter dem Vorhang laufen, springen, turnen alle nackten Tänzer und Tänzerinnen, spielen fangen und jagen sich, zu japanischer Musik / Bildwechsel = hohe Wellen / Frauen und Männer auf dem Boden, Beine strampfeln / Frau auf den Schultern eines Mannes, er trägt die Frau über die Bühne, Vorhang hoch, alle laufen schnell von der Bühne / Mann ins Publikum: „Wissen Sie was man nie muss wenn Feuer ist?“, ein Mann hat an einer Brandmauer ein Stück Feuer entzündet und es brennt / Dominique zieht sich an und schaut zum Feuer / Dominique tanzt dramatischen Tanz, große Bewegungen zu instrumentaler Musik, Wellenbild nur noch diffus auf hinterer Wand, Dominique geht durchs Publikum ab / Frau in weiß, tanzt vorsichtig, Bildprojektion = Eisberge, Mann führt Frau, Dominique versucht immer wieder ihre Handtasche ihr in die Hand zu geben, aber Frau lässt sie immer wieder fallen / Frauen sitzen auf Stühlen, die Männer legen sich zu ihren Füßen und legen ihr Kinn auf die Knie der Frauen, werden aber nicht erhört, die Männer gehen wieder / Frauen setzen sich in Reihe vor das Publikum auf Stühle, schieben Kleider hoch über ihre Oberschenkel und jede zündet ein Feuerzeug an und halten das Feuer an die Oberschenkel, ein Mann führt die Frauen raus / Mann in weißem Anzug gibt dem Arm einer Frau einen Schubs, der Arm fliegt in hohem Bogen, der Arm fliegt dem Mann wieder ins Gesicht und er „lässt sich so streicheln“, alle Männer und Frauen machen das nach / Frauen kriechen auf allen Vieren hintereinander von der Bühne / Baby krabbelt auf die Bühne, kippt zur Seite, dann sitzt es wieder und nuckelt am Daumen, dann krabbelt es an Wand hoch und hält die Arme an die Wand, eine Frau schaukelt an den ausgestreckten Armen / Frau stellt ein Brett auf die Bühne und lässt es fallen, mit dem Brett fällt auch die Frau auf den Boden / alle Frauen lassen sich fallen / ein Mann legt sich dazu und schnarcht, eine Frau pfeift auf Fingern, weckt den Mann, der Mann steht auf und bückt sich, Frau setzt sich auf seinen Rücken / Frau zieht die Schuhe eines Mannes aus / Baby krabbelt über Licht-Einstell-Brücke hoch an der Rückwand der Bühne, es lässt Bücher auf die Bühne fallen, Baby lässt ein langes Seil auf die Bühne herab, Baby macht Seifenblasen und krabbelt davon / Frau zeigt wie sie das Küssen gelernt hat: „eine Apfelsine durchschneiden und dann bohrt man die Zunge in die Mitte und dreht die Apfelsine hin und her, die Augen immer geschlossen halten, sie sagt: „Mmmmhhh“, alle Frauen machen es ihr nach / Mann und Frau wippen auf einer runden Stange, (sieht nicht gerade gemütlich aus, aber die beiden haben Spaß), beide machen Zeichen ins Publikum, Finger nach oben, nach unten, winken / Dominique kommt mit aufgesteckten Pappohren auf die Bühne, hält seinen Arm nach oben und lässt die Ohren wackeln, dann schüttelt er den Kopf, Bildprojektion = Bild von sich schminkenden Frauen / Danzón = Tanzwut, Tanzbesessenheit = immer hektischer und besessener = Frauen klettern durch die Arme der Herren, lassen sich in die Arme der Männer fallen, immer schneller / Baby in Wanne, spielt mit einem ausgestopften Schwan, Bildprojektion = massenhaft Schwäne / Baby krabbelt aus Wanne, Bildprojektion = Nadelbäume / im Hintergrund wurden Zelte aufgestellt, alle sitzen vor ihrem Zelt, Mechthild liest eine Geschichte von „Bambi“, dem Rehkitz: „Gibt es noch andere Rehe, Mutter? – Ja, ganz viele, du wirst sie noch sehen“ / im Vordergrund steigt eine Frau auf eine Holzkiste und tanzt mit einer Gummischlange zu Elektromusik, sie sagt: „Ich, olè, komm mit“ / Dominique wackelt wieder mit den Pappohren / dann wieder nur Zeltlager hinten, Mechthild leuchtet allen Zeltlagerleuten ins Gesicht, sie will von einem Mann einen Witz hören, der Mann erzählt einen Witz: „Mann fährt durch Wald, sein Auto kaputt, geht zu einem Haus einer Frau, die Frau sagt: „Ich bin Witwe, ich kann sie nicht einlassen, das ist unschicklich, der Mann sagt: „Ich spende auch eine Kerze so groß wie ich“ / noch einen Witz verlangt Mechthild, Mann erzählt einen Witz von einem Managerdinner: „Ein Japaner, ein Amerikaner und ein Deutscher...“, der Japaner hat ein Telefon im Arm eingenäht, der Amerikaner ein Telefon im Zahn, der Deutsche aber würgt und sagt: „Oh, ich bekomme gerade ein Fax“ / Bildprojektion = erst ein Standbild von Piranhas, dann wird es ersetzt durch Videoprojektion von schwimmenden Piranhas, Amazonasfischen und Schleiergoldfischen, davor tanzt ein Mann einen Armtanz – DEN PINA NOCH SELBST IM JAHRE 1996 TANZTE, Mann ganz in schwarz gekleidet, traurig, melancholisch, zum Schluss einer Tanzpassage Winken, zu Fado-Musik, wieder Winken und Abgehen / Bildprojektion = Steilküste / Frau zieht Kleid aus und haut sich auf ihre Muskeln, zeigt Posen wie ein Bodybuilder / Frau sagt: „Also ich bin hier und Sie sind da“ sie geht ins Publikum und sagt: „Also wir sind hier und sie sind da“ / Dominique steht mit einem Beutel auf der Bühne, er nimmt eine Handvoll Erde aus dem Beutel und wirft sie auf den Bühnenboden, ein Meter weiter, wieder eine Handvoll Erde und sofort, bis die ganze Bühne zum Schluss mit Erde verstreut ist / Frau Hampel tanzt dazu, Mann oben ohne tanzt auch ohne Musik / ein Haufen Erde wird auf die Bühne geschüttet, Frau Hampel beginnt zu tanzen, einen Bück- und Krümmtanz, Mechthild schaufelt immer wieder Erde über die Frau auch mitten ins Gesicht, die Frau aber tanzt weiter / Frau krabbelt raus, Mechthild geht mit Schippe hinter ihr her / Mann tanzt und zieht sich immer mal wieder die Hose bis auf die Schuhe runter / Dominique tanzt oben ohne, dramatisch zu einer Arie von der Callas gesungen / Baby zieht große Wand auf die Bühne, er lässt die Wand fallen und fällt auch auf den Popo / Baby krabbelt raus, Dominique zieht sich wieder an / Frau dick ausgestopft, steigt einem Mann auf den Fuß, der Mann dreht sie auf seinem Fuß herum, Frau nimmt erneut Anlauf, sieht aus wie eine Spieluhr / Dominique wirft wieder Erde / Mann streicht seinen Anzug zurecht und präsentiert sich so dem Publikum / Frau mit Klebeband an jedem Oberschenkel lässt sich von Mann streicheln, erst Kopf, dann Füße und Beine, der Mann schiebt das Kleid hoch und die „Venusfalle“ schnappt zu, die Frau macht ihre Beine zusammen und der Mann bleibt im wahrsten Sinne mit seiner Hand zwischen den Beinen der Frau kleben, er stemmt sie auf seine Arme und trägt sie – immer noch seine Hand zwischen den Beinen der Frau – raus / Bildprojektion = Kirschblüten, Mechthild ist allein und stellt sich in Mitte der Bühne, zu japanischer Musik, sie erzählt wie Goethe nach 50 Jahren zu seinem 82ten Geburtstag sein altes Jagdhaus besucht und dort seine vor 50 Jahren geschriebenes Gedicht wiederfindet: „Auf allen Gipfeln ist Ruh, in allen Wipfeln hörest Du – nur einen Hauch, warte nur balde, bald ruhest du auch“, Mechthild geht ab / ENDE ///

 

http://www.pina-bausch.de/spielplan/wuppertal.php

 

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Inszenierung und Choreographie Pina Bausch
Bühne Peter Pabst
Kostüme Marion Cito
Musikalische Mitarbeit Matthias Burkert
Mitarbeit Marion Cito, Jan Minarik
Dauer 1h 45min

Musik Lieder und Arien von Francesco Cilea, Umberto Giordano, Gustav Mahler, Instrumentalmusik von Henry Purcell, Camille Saint-Saëns, Lieder und Schlager aus Mexiko, Argentinien, Griechenland und Portugal, Jazzmusik von Ben Webster, Billie Holiday, Johnny Hodges, Unterhaltungsmusik aus Amerika und Japan

Uraufführung 13. Mai 1995, Opernhaus Wuppertal

Gastspiele/Tourneen
1996 Paris 1997 Palermo 1999 Saitama, Otsu, New York 2001 Paris 2011 Ottawa, Berkeley


Aktuelle Besetzung »

Wuppertal 2015

Regina Advento, Andrey Berezin, Aleš Čuček, Silvia Farias Heredia, Mechthild Großmann, Barbara Kaufmann, Scott Jennings, Daphnis Kokkinos, Dominique Mercy, Cristiana Morganti, Fernando Suels Mendoza, Aida Vainieri


Besetzung der Uraufführung »
Uraufführung 1995

Regina Advento, Andrey Berezin, Antonio Carallo, Mechthild Großmann, Barbara Hampel, Daphnis Kokkinos, Marigia Maggipinto, Dominique Mercy, Jan Minarik, Cristiana Morganti, Aida Vainieri

 


eingestellt am: 29.01.2015