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Die Bühne • NEUES STÜCK 2 - 2018 • Foto © Dietmar Wolfgang Pritzlaff

 

 

Von Dietmar Wolfgang Pritzlaff

Das Ensemble des Tanztheater Wuppertal Pina Bausch wurde auf die beiden Gast-Choreografen aufgeteilt. So spielt eine Gruppe das Neue Stück 1 – 2018 – SEIT SIE und die andere Gruppe das NEUE STÜCK 2 – 2018.
Dieses zweite Stück hat noch keinen anderen Titel als NEUES STÜCK 2 – 2018. Ob es so bleiben wird, ist abzuwarten.
Nachtrag im Dezember 2018: Der Titel des Stücks lautet "Bon Voyage, Bob..."

Die Geschichte des „kleinen“ Choreograph Alan Lucien Øyen: Er wuchs als Sohn eines Garderobiers in einem kleinen Theater im norwegischen Bergen auf, welches von Ibsen gegründet wurde.  Er saß schon als Siebenjähriger andächtig im Publikum und verfolgte klassische Inszenierungen ebenso wie zeitgenössische Meisterwerke. Mit 17 begann er seine vierjährige "Lehrzeit' bei dem bulgarischen Ballettmeister Peter Tornev, bis er an der Staatlichen Kunsthochschule in Oslo angenommen wurde. Er schloss seine Tanzausbildung dort im Jahre 2001 ab. Die ersten Jahre danach verbrachte er als Tänzer in der Norwegian National Company of Contemporary Dance, Carte Blanche. 2004 choreographierte er sein erstes Stück. Er wurde für seine Arbeiten mehrfach ausgezeichnet. Ein sehr zurückhaltender, wenn nicht schon schüchterner "Star" der Tanzszene, wie sich noch später herausstellen sollte.

Sein NEUES STÜCK 2 – 2018 für das Tanztheater Wuppertal Pina Bausch ist im weitest gehenden Sinne ein Stück "für" Pina Bausch geworden. Oftmals spürt und sieht man „alte Zeiten“ durchbrechen. Liebevolle Zitate und Erinnerungen an die vielen Stücke der Bausch.

So wird Kreide mal wieder eingesetzt. Mit ihr wird gemalt und geschrieben auf Boden und einer großen Tafel. Das erinnert an die SIEBEN TODSÜNDEN von Pina Bausch.
Pina Bauschs Ensemble tanzte meist in Kunsträumen. Nur selten spielten Pina Bauschs Werke in „realen“ Räumen. So zum Beispiel in „FRITZ“ von 1974 oder „ER NIMMT SIE HAND DIE HAND UND FÜHRT SIE IN DAS SCHLOSS, DIE ANDEREN FOLGEN“ aus dem Jahr 1978, in „WIND VON WEST“ und in „DER ZWEITE FRÜHLING“ in dem dreigeteilten Tanzabend „FRÜHLINGSOPFER“, welches in 2013 eine Neueinstudierung erleben durfte.

In dem neuen Werk NEUES STÜCK 2 – 2018 sind es bewegliche, drehbare Bühnenteile, die immer wieder in diesem Tanzabend anders gestaltet werden. Eine Küche mal mit, mal ohne Spüle. Mal ist eine beschreibbare Tafel zu sehen, mal ein großer Vorhang.
Einer Drehbühne nachempfunden schieben die Tänzer und Tänzerinnen die beweglichen Teile und es entstehen erstaunliche Raumansichten. Immer wieder überraschen die neuen Räume. Ob Küche, Schlafzimmer oder Gesellschaftsraum, alles wird bespielt. Mit alten Wählscheiben-Telefonen, mit Anrufbeantwortern, und Tönen aus Walki-Talki-Funkgeräten.

Es könnte ein Wohnhaus mit mehreren Parteien sein. Überall blitzen kleine Geschichten vom Leben und Sterben auf, werden erzählt und nachgespielt. Ein Kaleidoskop des alltäglichen Lebens, des Miteinander und auch Gegeneinander.
Ein Tanzabend über Abschiede, Trennungen und Sterben. Aber auch des Lebens. Es wird gestritten und gekämpft. Es wird zueinander gefunden und wieder getrennt. Dazwischen wird oft geraucht. Sehr oft. Das fällt nun wirklich auf. Manche Damen wie Julie Shanahan oder Helena Pikon dürfen eine Zigarette nach der anderen qualmen.
Und dann werden auch noch von einer Tänzerin Zigaretten dem Publikum zum Kauf angeboten mit den Worten: „The quickliest way to heaven.“ - Dem schnellsten Weg zum Himmel. Ist das schon makaber?
Jeder Pina-Fan weiß doch, dass Frau Bausch an Knochenkrebs erkrankte, aber nie ohne Zigarette zu sehen war. Eine Erinnerung an ihre Sucht nach dem „Zigarettchen“ und an ihr Sterben?

Es wird in diesem Tanzabend sehr viel gesprochen, meist in Englisch. Durch Ton-Überlagerungen und Stimmverzerrer sind manche Geschichten und Geschichtchen kaum zu verstehen. Leider oder gewollt? Das schafft aber auch eine unbestimmte Atmosphäre und ein Gefühl von Alltag.

Getanzt wird immer mal wieder zwischendurch. Der Tanz steht hier, wie auch schon bei Pina Bauschs Werken, nicht im Vordergrund. Es gibt viele Soltotänze, vereinzelt auch mal einen Gruppentanz, der aber nicht so synchron einstudiert ist wie früher.


Douglas Letheren, Rainer Behr • Foto © Mats Bäcker

 

Der Witz ist da, aber sehr dezent in manchen Situationen, Gesten, Bewegungen oder Erzählungen. Meist ist der Abend in melancholische, sanfte, aber auch chillige Musik gehüllt.

Die einzelnen Szenen von Abschied, Trennung und Trauer werden gespielt und getanzt. Es gibt einen „Kampftanz“ zwischen zwei Männern, einen „Türrahmentanz“ bei dem ein Tänzer nicht durch eine Tür gehen kann und wie festgenagelt im Türrahmen stehen bleiben muss. Es gibt einen „Erinnerungstanz“ und viele weitere. Die Tänze nehmen mal Bezug auf das vorher Gesprochene, Gesehene, mal untermalen sie nur ein Gefühl aus einer Szene.
Der „Kampftanz“ zwischen den Tänzern Douglas Letheren und Jonathan Fredrickson beginnt spielerisch, neckisch. Ein Mann fordert den anderen auf mit zu ihm zu kommen. Der weist die Einladung aber schroff zurück. Der fordernde Mann wird handgreiflich und will den anderen Mann hinter sich herziehen und mitnehmen. Der Ergriffene schlägt die Hand fort. Ein Macho? Ein heterosexueller Mann der sich von einem homosexuellen Mann angemacht und bedroht fühlt? Ein Tanz, der immer hin- und herschwankt, mal mitgerissen, mal abgestoßen. Immer folgt auf eine Bewegung eine andere, die die Tänzer aufnehmen und weitertanzen lassen. Am Ende lässt sich der „Macho“ sogar führen. Auf eine erneute Frage, ob der „Macho“ jetzt mit zu ihm kommt, antwortet der Tänzer einfach nur: „Yes!“ und beide verschwinden durch eine Tür in einen anderen Raum.

Auch wie ein kleiner Kampf mutet die folgende Szene an: Andrey Berezin legt eine Schallplatte auf, schnappt sich Rainer Behr und kitzelt ihn ordentlich durch. Der kann sich vor Lachen kaum wehren, reißt sich los und das Spiel beginnt von vorne. Später wirkt die Szene kaum ertragbar.
Es erinnert im Ansatz an den Missbrauch einer Frau in Pina Bauschs KONTAKTHOF, bei der alle Männer irgendetwas an einer Frau anfassen, streicheln, beklopfen und einfach da sind. Das wird auch für den Zuschauer unerträglich.



Rainer Behr, Andrey Berezin • Foto © Laszlo Szito

 

Eine Szene endet mit einem Ehestreit. Rainer Behr und Tsai-Chin Yu sprechen in immer neuen Varianten die Sätze: „I’m tired. I can’t anymore.“ – Ich bin müde. Ich kann nicht mehr. Mal leise, mal laut, weinerisch, böse, erschöpft und wütend.

Eine gespielte Geschichte wird von Helena Pikon und Andrey Berezin dargeboten. Er, ein Bestatter, sie die trauernde Tochter, die ihren Vater beerdigen möchte. Der Tochter wird aber gleich gesagt, dass sie sich viel zu spät um eine Grabstelle kümmern würde. 10 Jahre zuvor wäre es besser gewesen. Jetzt gäbe es keinen Platz mehr. Eventuell könnte man den Vater über jemand anderes begraben um Platz zu sparen.

Wie schon in Pina Bauschs Stück „1980“ wird sogar mal wieder ein Spiel gespielt. Dieses Mal das Spiel HANGMAN, Galgenmännchen. Ein Wort wird gesucht. Es stehen aber nur Striche an der Tafel. Das Publikum ruft einzelne Buchstaben zur Bühne. Immer wenn ein Buchstabe nicht im Wort vorkommt, wird das Galgenmännchen weitergemalt. Das gefundene Wort hieß: DOUGLAS, wie der Vorname eines Tänzers.

Verstörend traurig ist eine Szene bei der Aida Vainieri als sterbende Mutter im Bett liegt. Ihre Tochter, Stephanie Troyak wacht neben ihr. Zahlreiche „Familienangehörige“ harren in einem Nebenraum auf die Dinge, die da kommen werden.
Die Mutter gibt noch Ratschläge, nimmt Abschied und stirbt. Die Tochter geht zu den Angehörigen und erklärt: „She’s gone!“ – Sie ist von uns gegangen.


Ensemble • Foto © Mats Bäcker

Ein ganzes Filmteam stürmt auf die Bühne, einige Leute scharen sich um Julie Shanahan, dem Star der Szene. Sie wird noch schnell geschminkt, frisiert und angezogen. Dann verschwinden alle. Julie Shanahan setzt sich in einen Sessel und hält sich einen Revolver an die Schläfe. Rainer Behr haut mit dem Absatz seines Schuhs auf einen Tisch. Das simuliert den Revolver-Schuss und Julie kippt tot zur Seite.


Ensemble • Foto © Mats Bäcker

 

Die Tänzerin Regina Advento darf ein Lied zum Besten geben und brilliert hier als gestandene Sängerin. In einem roten Abendkleid singt sie festlich in ein Mikrofon. Paarweise tanzen die anderen dazu ruhig und berührt.

Alles in allem ein richtiger Tanztheater-Abend. Wenn es in dieser Richtung weitergeht, kann der Tanztheater-Fan und Bausch-Liebhaber noch einige schöne Überraschungen in Wuppertal erwarten.

Ein Drei-Stunden-Abend geht zu Ende. Die Zuschauer applaudieren begeistert. Schon beim zweiten Applaus kommt der schüchterne Choreograph Alan Lucien Øyen mit auf die Bühne und erntet Bravo-Rufe. Da stehen die Zuschauer schon und klatschen begeistert Stakkato.
Beim dritten Applaus zieht der Tänzer Andrey Berezin den Choreographen Alan Lucien Øyen hinter sich her. Er soll bis in die Mitte der Bühne gehen, traut sich aber nicht. So bescheiden? So eingeschüchtert? Er hat den Applaus verdient und die Welt ist um ein pina-eskes Stück reicher.

 

Teil1:

Das Licht im Zuschauerraum langsam aus, leise Musik/ Rainer Behr steigt auf eine Leiter und entnimmt einer Uhr die Batterie, sie bleibt auf 19:35 Uhr stehen, hängt sich anschließend mit den Händen an den Türrahmen und schwingt hin und her/ ein Mann tanzt ein Solo/ Nazareth Panadero hört einen Anrufbeantworter ab/ eine Frau telefoniert mit einem Mann/ alle tanzen einen Klammerblues in leichten Wiegeschritten/ alle tanzen und schauen nach oben und sprechen/ Frau tanzt ein Solo/ ein Mann spricht in ein Walki-Talki-Funkgerät/ ein Mann geht in eine Ecke und spricht: Immer wenn ich traurig bin gehe ich in diese Ecke, wenn ich glücklich bin stehe ich hier (Orte der Gefühle)/ eine Frau liegt bäuchlings auf dem Boden und verlangt nach Wasser, Stuhl, Kreide/ eine Krankenwagensirene heult auf und vergeht wieder/ Helena Pikon raucht eine Zigarette/ Andrey Berezin legt eine Schallplatte auf/ Andrey Berezin kitzelt Rainer Behr durch, er läuft davon, Andrey fängt ihn wieder/ Jalousie hoch, man liest die Schaufensterwerbung eines Beerdigungsinstituts, eine Urne steht im Schaufenster, eine Frau in Trauerkleidung und schwarzem Schleier vor dem Gesicht, 2 rote Strippen wie Blutrinnsale hängen an dem Schleier unter den Augen, der Bestatter befragt die Frau, ihr toter Vater erhängte sich, sie will Grabstätte, aber nichts ist frei, vielleicht auf ein anderes Grab drauf, er bittet: „Reichen Sie mir bitte den Aschenbecher“, die Frau öffnet die Urne aus dem Schaufenster und der Mann ascht darin ab, die Frau hätte besser daran getan, sich vor 10 Jahre um eine Grabstätte zu bemühen, der Tod wäre besser als ein schreckliches Leben/ Nazareth Panadero rast mit einem langen, übergroßen, pinken Bademantel im Nachthemd über die Bühne und lacht/


Nazareth Panadero • Foto © Mats Bäcker

 

Nazareth Panadero macht Seilspringen mit einem Springseil und wird gefilmt/ Julie Shanahan kommt als „Star“ auf die Bühne, alle springen um sie herum, die Filmszene wird eingerichtet, sie wird noch schnell geschminkt, gekämmt, zieht sich die Schuhe aus und wieder an und setzt sich in einen Sessel, dann hält sie sich einen Revolver an die Schläfe, Rainer Behr zieht sich einen Schuh aus und schlägt mit dem Absatz auf einen Tisch = Revolverknall, die Frau im Sessel fällt zur Seite, spielt tot/ alle kommen wieder auf die Bühne und räumen die Szene auf, der „Star“ liegt immer noch wie tot im Sessel, sie erwacht und ruft: „Bob, Bob...“, alle treten wieder auf und machen wieder den Star fertig/


Julie Shanahan • Foto © Meyer Originals

 

Julie sitzt mit einem Mann vor einem Koffer, er deutet auf den Koffer und Julie öffnet ihn, ein starker Luftstrom entströmt dem Koffer und lässt Julies Haare fliegen/ Julie kniet vor einem Mann und zieht ihm die Hosen runter, Hemd aus, Mann steht nackt mit dem Rücken zum Publikum, dann wird dem Mann ein lockeres T-Shirt übergestreift und eine Kappe auf den Kopf gesetzt, Julie gibt dem Mann den Revolver, Mann geht mit Revolver und runtergelassenen Hosen nach hinten ab/ ein Mann singt in das Walki-Talki-Funkgerät/ Frau tanzt Solo/ Julie hält Rainer immer wieder davon ab, auf einen Tisch einen Stuhl zu stellen und sich obenauf zu stellen (2x), sie schreit/ ein Mann erklärt: „Wir machen ein kleines Spielchen.“, es wird Galgenmännchen mit dem Publikum gespielt, die Zuschauer sagen Buchstaben, die verwendet werden sollen, heraus kommt das Wort: „Douglas“/ Regina bietet Zigaretten dem Publikum an mit den Worten: „Quickliest way to heaven“/ ein Mann verabschiedet einen Mann, erst spaßig, dann wird er immer brutaler, sie stoßen sich voneinander ab und zerren an sich, dann werden die Bewegungen wieder weicher, der Mann fragt: „to me?“, der andere Mann antwortet: „Yes“, beide gehen in einen anderen Raum/ in der Küche: 2 Männer schrauben am Wasserhahn, wie die Klempner und gehen wieder ab/ Schlafzimmer: Helena Pikon tanzt zartes Solo zu leichter Klaviermusik vor einem Spiegel, sie setzt sich vor den Spiegel, Julie kommt ins Schlafzimmer, Helena weint vor Spiegel, Julie erzählt eine Geschichte/ Helena raucht und kämmt sich ihr Haar/ der Spiegel wird aus dem Rahmen genommen und eine Kamera strahlt Helena an/


Andrey Berezin, Helena Pikon, Pablo Aran Gimeno • Foto © Mats Bäcker

 

Andrey Berezin hat Engelsflügel am Rücken befestigt/ Julie zieht sich ihre Schuhe aus und tanzt mit dem Engel sanfte Bewegungen/ eine Frau im Bett, eine Frau sitzt auf einem Stuhl davor/ der Engel kriecht auf allen vieren hinter Julie her/ die Frau im Bett verabschiedet sich von ihrer Tochter, gibt ihr noch Ratschläge, Mutter stirbt, auf der rechten Seite sitzen alle auf Stühle und warten auf das Ableben der Mutter, die Tochter steht vor den sitzenden Leuten: „She’s gone“/eine Frau zieht das Bett mit der toten Mutter von der Bühne, es ist sehr schwer/ 2 Männer schieben ein Stockbett mit Frau obenauf über die Bühne, sie spricht: „Ich komme aus einem kleinen Dorf...“/ Paartanz, ein Mann und eine Frau, eine Bewegung ergibt die andere und wird an den Partner weitergegeben, dazu Geschrei von einem Streit, Ehekrach/ Helena raucht wieder/ es werden Koffer aus denen Sachen fallen auf die Bühne geschleudert, grelles Licht, alle beginnen die Sachen aufzusammeln, die Frau geht, der Mann hat eine neue Wohnung/ Nazareth sitzt auf einem Sessel, ein Mann zieht ihr ein Tuch aus dem Dekoltee, zwischen ihren Brüsten hervor und riecht daran/ Positiv Denken = Nazareth spricht: „Ich habe einen krummen Rücken, so kann ich die Erde sehen. Das ist very beautyful. Ich habe krumme Knie, die in die Zukunft schauen, das ist beautyful und dann kann ich wieder geradeaus sehen, das ist beautyful, very beautyful, ich gehe am Stock, aber der ist beautyful, (positiv denken, auch im Alter)/ Helena Pikon sagt: „Ich werde nie heiraten nach George. Er war der beste Vater.“/ Frau will Sachen von Mutter bewahren, Frau öffnet Koffer mit Spiegel und tanzt ein Solo, alle stellen Kerzen in den Koffer als Kondolenz/ eine Frau trägt ein kleines Schiff auf ihrem Kopf, sie steckt eine Zigarette in einen Schornstein des Schiffes und zieht dann das Schiff an einer Schnur über ihren Kopf, wie ein Schiff bei einer Erdumrundung, dann nimmt sie ihre Zigarette aus dem Schornstein und raucht weiter/ ein Mann und eine Frau öffnen einen Koffer vor den Kinostühlen, es weht wieder der starke Wind aus dem Koffer, Julies Haare fliegen/ Helena bestaubt sich selbst ihre Arme immer wieder mit Sand/ ein Mann tanzt dazu einen Stehtanz und singt ein Lied/ eine Frau raucht auf einem der Kinosessel/ ein Mann verlangt nach Kreide und schreibt auf die große Tafel: PAUSE

Teil 2:

Nach der Pause sitzen schon 2 Frauen rechts und ein Mann links auf der Bühne, die Zuschauer nehmen ihre Plätze ein

Ein Mann schaut in ein Buch und sagt: „Zero One One Zero... (Computersprache) und sagt dann den Namen: Julie Shanahan (war das ihr Name in Computersprache?)/ Helena liegt auf Bauch, alle Frauen und Männer legen einzelne Schuhe um sie herum, wie Blumen an ein Grab, alle stehen in Formation, Helena steht auf, die Schuhe bleiben in Form der Umrisse liegen, alle gehen nach hinten, immer wieder bleiben sie stehen neu formiert und schauen zurück auf die Schuhe/ Nazareth und Andrey schubsen Schuhe zu einem Haufen zusammen und tragen sie hinaus/ alle nehmen sich Postkarten aus einem Verkaufsständer/ Frau tanzt Solo im „Mondschein“, sie tanzt und spricht: „Ich habe Papa niemals gesagt, dass ich ihn liebe.“/ eine Frau schreibt koreanisch mit Kreide auf den Boden/ Frau sitzt auf einem Stuhl vor einem Ventilator, ein weißes, von hinten beleuchtetes Tuch vor dem Gesicht, sie zupft Zettel von einem mitgebrachten Zweig, wie Blätter und lässt sie fliegen, fallen/ ein Mann und eine Frau sagen immer wieder anders betont: „I’m tired, I can’t any more“, sie werden lauter und lauter und schreien es zum Schluss, immer andere Gefühle, weinerlich, böse, wütend, ermattet/ eine Frau heult sich am Telefon aus/ ein Pferd (Tänzer in grauem Kostüm mit Pferdekopf) tanzt, ein Mann gibt Julie Streichhölzer, sie zündet sie an und haucht sie wieder aus mit H-Worten: „Hotel, Hass, Home...“, das Pferd und der Mann tanzen hinter ihr/ ein Seziertisch mit Toter unter weißem Tuch, davor ein Esstisch mit Gläsern und Geschirr, Besteck, Julie trinkt Wein aus Glas/ ein Mann steht in einem Türrahmen und kann nicht hineingehen und nicht hinaus, er bleibt irgendwie „kleben“ = Türrahmentanz/ ein Mann lüftet das weiße Tuch über der Toten und legt die Beine frei, er zeigt der Toten auf dem Seziertisch seine Beine, er küsst ihre Hand, Nazareth Panadero liegt unter dem Tuch und antwortet plötzlich: „Much, too much Lippenstift.“/ Rainer sitzt im Sessel und stellt einen Diaprojektor an, er sagt: „Go“ und alle gehen, er sagt: „Stand“ und alle stehen still, bis ein Gruppenbild entsteht/ ein Mann tanzt ein Solo/ eine Frau malt an der Tafel mit Kreide ein Bild: Schiff, ein Engel, ein Mann, eine Frau/ Rainer Behr „kämpft“ mit sich selbst/ Nazareth schaut zu und raucht eine Zigarette/ ein Mann tanzt mit Rainer/ Julie erzählt wieder und raucht (poetische Gedanken)/ ein Mann fragt Nazareth: „Sie sind noch hier? Wir schließen gleich. Aber bleiben Sie ruhig, ich räume schon mal auf.“ Nazareth fragt: „Haben Sie Angst zu sterben?“ Der Mann antwortet: „Ich habe Angst zu leben.“ Nazareth sagt: „Gehen Sie nach Hause. Dort werden sie sterben.“/ Rainer stellt alle Stühle in die Mitte. Andere wollen sich auf die Stühle setzen, aber Rainer reißt ihnen immer wieder die Stühle aus der Hand und stapelt sie in die Mitte/ eine Tänzerin singt ein Lied in ein Mikrofon, Paare treffen sich zum gemeinsamen Tanz, die Frauen tragen lange Abendkleider, alle tanzen Gruppentanz, aber nicht ganz synchron/ Julie und alle Männer trinken Sekt, alle Frauen stehen abseits, Frauen nehmen die Vorhänge des „Ballsaals“ ab und bringen sie raus, Männer kippen langsam zu Boden, wie betäubt oder vergiftet, Schlafmittel? Gift?, Julie raucht/ Rainer schreibt an die Tafel: „I am still here. Ich bin noch da.“ Dann kommen 3 Männer schnappen sich Rainer und wischen mit seinem Rücken die Tafel wieder aus/ eine Frau tanzt ein Solo/ Nazareth Panadero gibt telefonisch ein Telegramm auf/ Rainer sitzt erschöpft vor der Tafel, eine Frau malt Rainer mit Kreide Engelsflügel an die Tafel/ ein Mann zieht Rainer Behr an den Füßen bäuchlings über die Bühne, er schreibt mit Kreide auf die Bühne/ ein Tuch wird über Rainer ausgebreitet, 2 Männer tragen „die Leiche“ raus/ ein Grabstein wird enthüllt, ein Mann zeichnet mit Kreide eine rechteckige Berandung als Grab, ein Mann und eine Frau hocken sich neben den Grabstein, ein Mann macht Fotos davon/ ein Mann tanzt Solo/ eine Wand trägt frostig angeeiste Materialien, dazu schneit es auf die Bühne, ein Paar tanzt im Wiegeschritt/ alle tanzen langsam raus mit Armbewegungen/ der „eiserne Vorhang“ senkt sich/ ENDE

 

Impressionen_Neues Stück II_Tanztheater Wuppertal Pina Bausch from TANZweb on Vimeo.

 

 

Bon Voyage, Bob – Neues Stück II
Eine Kreation von Alan Lucien Øyen

In Koproduktion mit Théâtre de la Ville-Paris / Chaillot-Théâtre national de la Danse, Paris
Sadler’s Wells, London
Norwegian National Ballet, Oslo
Gefördert durch die Kunststiftung NRW

Termine
Opernhaus Wuppertal

02.06.2018
03.06.2018
05.06.2018
06.06.2018
08.06.2018
09.06.2018
10.06.2018

Termine
Den Norske Opera & Ballett
Oslo

24.06.2018
25.06.2018
26.06.2018
27.06.2018

VVK
06.04.2018
Tickets

Regie und Choreographie
Alan Lucien Øyen

Bühne
Alex Eales

Kostüme
Stine Sjøgren

Künstlerische Zusammenarbeit
Daniel Proietto
Andrew Wale

Sound Design
Gunnar Innvær

Licht Design
Martin Flack

Probenleitung
Daphnis Kokkinos

Assistenz Probenleitung
Bénédicte Billiet

Kostümassistenz
Anna Lena Dresia

Dauer
3h, eine Pause

Texte auch in englischer Sprache
Alan Lucien Øyen, preisgekrönter norwegischer Choreograf, Regisseur und Dramatiker, erkundet in seiner Arbeit Grenzen und Zwischenräume im Zusammenspiel von Tanz, Theater, Text und Film.
Stets auf der Suche nach authentischen menschlichen Ausdrucksformen und durch einen subtil-cineastischen Stil berühren Øyens Arbeiten vor allem durch echte Interaktionen zwischen Menschen und Orten. Mit seinen groß angelegten Inszenierungen, die intimste Momente in Szene setzen, will Øyen die Schlichtheit, Schönheit und Komplexität menschlicher Erfahrung widerspiegeln.

 

Aktuelle Besetzung

Uraufführung
02. Jun 2018
Opernhaus Wuppertal

Tänzer*innen
Regina Advento, Pau Aran Gimeno, Emma Barrowman, Rainer Behr, Andrey Berezin, Çağdaş Ermis, Jonathan Fredrickson, Nayoung Kim, Douglas Letheren, Eddie Martinez, Nazareth Panadero, Helena Pikon, Julie Shanahan, Stephanie Troyak, Aida Vainieri, Tsai-Chin Yu


eingestellt am: 03.06.2018